Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Mittwoch, 09. Februar 2022, 11:55
(bisher 60x aufgerufen)

Was macht eine gute Film-Rezension aus?

von  Dieter_Rotmund


In der letzten Zeit habe ich mich etwas intensiver mit dem Begriff des Filmgenres auseinandergesetzt. Dabei habe ich mich gefragt, inwieweit diese Begrifflichkeiten eingesetzt werden sollten, um die Qualität einer Film-Rezension zu verbessern. Also eines Textes, der in irgendeiner Form über einen Film informieren soll.
Aber davor müsste man sich zunächst ausführlich Gedanken machen, was denn überhaupt eine gute Film-Rezension ausmacht. Viele erwarten nur ein schnöde Inhaltsangabe. Ich scanne auf meine persönliches No-Gos: Sprechende Tiere, vorlaute Kinder und Tom Cruise.
Die Frage nach einer guten Filmrezension ist ein weites Feld, für das eine Kolumne zu kurz ist. Aber für Gedanken zum Begriff des Filmgenres reicht es.
Helfen dem Leser Bezeichnungen wie "Tragikomödie". "Road Movie", "Actionfilm" oder "Sexploitation"? Tatsache ist, dass es keine Regelpoetik für die Verwendung von Filmgenre-Bezeichnungen in Texten gibt. Wer zurückhaltend formulieren will (Was angeraten ist, angesichts der viele bramarbasierenden Monologisten, die einem alles vorkauen wollen), der beschränkt sich auf die grundlegenden Genrebegriffe und verwendet keine Komposita, die zu schnell albern werden. "Fantasy-Loveaction" oder dergleichen, wobei Bezeichnungen wie "Sandalenfilm" , so blöd das zunächst klingt, durchaus ihren Charme haben und gebrauchsfähig sind. Bezeichnet der Sandalenfilm doch ein recht eng definiertes Genre - weil es fast keine neuen Sandalenfilme mehr gibt (Gladiator aus dem Jahre 2000 hat kaum nennenswerte Epigonen angestoßen, die große Ära der Sandalenfilme ist noch länger her). Ähnlich ist es beim Western, auch da ist es klar, was der Western beschreibt und was er zum Gegenstand hat. Der Begriff zerfasert an den Rändern nicht (mehr). 
Es gibt Filme, die lassen sich nur schwer einem Genre zuordnen. Das kann zweierlei bedeuten. Entweder er ist verunglückt (wie heuer Matrix Resurrections) oder er ist zu gut, um so mono-klassifiziert werden zu können  (z.B. Eternal Sunshine of the Spotless Mind von 2004, Being John Malkovic von 1999). oder jüngst der großartige Titane (F/Bel 2021), den ich erst letzte Woche im Kino sah. Aber warum auch ein Genrebezeichnung aufkleben? Reingehen, sehen!
Hier und da scheitert auch diese Klassifizierungsnomenklatur, wie z.B. beim Triers Antichrist von 2009, der als Horrorfilm bezeichnet und in Horrorfilm-Magazinen besprochen wurde. Das ist natürlich totaler Quatsch und damit enttäuschte er Erwartungen - Teenies, die Konfektionsware (auch so ein Begriff) erwarteten, waren von hervorragend gemachten Antichrist natürlich völlig überfordert.
Fazit: Mann sollte Filmgenrebegriffe nur dann verwenden, wenn man sich über deren Sinnhaftigkeit klar ist. Diese Bezeichnungen, vor allem die Komposita, sind wie Stacheldraht, man hat sich schnell verheddert und kommt ohne Blessuren nicht mehr heraus aus diesem Dickicht.

Was macht für Dich eine gute Filmrezension aus?

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Graeculus (10.02.22, 00:09)
meine persönliches No-Gos: Sprechende Tiere, vorlaute Kinder und Tom Cruise.
Das ist schonmal ein guter Einstieg.


Kürzlich hatte ich Gelegenheit, einmal wieder über was wahre Wort des Stanley Kubrick nachzudenken: "Das eigentlich Spezifische des Films ist der Schnitt."
Ja, denn alles andere gibt es so auch in anderen Kunstgattungen: Theater, Photographie, Malerei usw.

Dennoch ist vom Schnitt in Rezensionen - Deine nicht ausgenommen - extrem selten die Rede.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 11.02.22 um 09:37:
Wenn ich in einem Gespräch über einen Film Schnitt und/oder Licht anspreche, heißt es dann oft abwürgend: "Darauf habe ich gar nicht geachtet!"

 Graeculus antwortete darauf am 11.02.22 um 13:23:
Das kann bzw. sollte für den Rezensenten eine Herausforderung sein, diesen Aspekt bewußt(er) zu machen.

 Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 12.02.22 um 10:24:
In der Tat, ja.

 Ralf_Renkking (10.02.22, 08:09)
Wenn es einem Rezensenten gelingt, Dich durch seine Kritik zu animieren, Dir einen Film anzuschauen oder Dich davon abzuhalten, dann hat er aus seiner Sicht doch eigentlich alles richtig gemacht, nicht wahr? 🤔

Ciao, Frank

 Graeculus äußerte darauf am 10.02.22 um 14:56:
Das hängt vom Ziel des Rezensenten ab. Falls es darin besteht, einem Film als Kunstwerk gerecht zu werden, dann sollte er auch auf den Schnitt achten, denn der ist enorm wichtig - weshalb Kubrick in allen seinen Filmen den Schnitt selber gemacht hat, statt ihn einem Cutter zu überlassen.
Das und die Kameraeinstellung (Nahaufnahme, Halbtotale, Totale) sind die Möglichkeiten, die ein Theaterregisseur nicht hat.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram