anfang
sollte laufen tut aber nyx
Ich hatte richtig Angst gehabt. Den ganzen Tag habe ich nichts gemacht, wenigstens nichts sichtbares. Da kam dann der Anruf. Wer da telefoniert hat, konnte ich nicht unterscheiden. Zwei Frauenstimmen mischten sich durcheinander. Einmal glaubte ich, meine Frau erkannt zu haben, anders mal ihre Freundin. Noch eine undefinierbare Stimme. Der ganze Tenor war einheitlich. Die Stimmen fragte quasi unisono, ob sie kommen könnten. Da überkam mir richtig Angst.
Ich habe verschwinden müssen, ich konnte sie da nicht empfangen. Ich ging schnellstens aus der Wohnung, die mir total fremd vorkam. Ich wusste nicht einmal, warum ich in Richtung Ikea verschwand, vielleicht der Wunsch nach Veränderung in der Wohnung, oder hatte ich vielleicht Hunger und dabei Lust auf Schwedisches? Köttbullar, oder wie heisst es.
Das Restaurant kannte ich von früher. Bei dem Eingang herrschte relativ grosser Andrang, bis ich plötzlich meinen Namen habe rufen hören. Den Vater meines Schwiegersohns habe ich schon etwas über zwanzig Jahre nicht gesehen, aber meinen Namen sprach er immer noch mit dem lieben Akzent, den nur Bulgaren können, so muss das er gewesen sein.
Er war unglaublich klein. Nicht durch die Jahre geschrumpft, er war wirklich klein, eine echte Miniatur des prächtigen Mannes, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber der graue Anzug stimmte. Der bulgarische Akzent auch. Er hat mich angesprochen, ob ich das Passwort von seiner Kreditkarte hätte, er hätte es schon drei Mal versucht und kein Geld erhalten. Dreimal unsere Autonummer und kein Erfolg, dachte ich verwundert und fragte, ob da die geheime Nummer schon gewechselt oder angepasst wurde. Er schwenkt seinen Kopf nach oben und dann unten, was bulgarisch für eine negative Antwort zuständig ist und zeigte mir ein abgenutztes Papierchen, wo sein Code mit Bleistift notiert war, immer mehrmals durchgestrichen.
Er hätte Haufen seine Freunde grosszügig – wie es bei einem Bulgare nicht anders zu erwarten sei – zum Essen eingeladen und kann jetzt nicht zahlen. Ob ich helfen könnte? Ich antwortete der Wahrheit nach, dass ich seit meinem Schlaganfall kein Portmonee gesehen habe und deshalb auch kein Geld besitze. Verzweifelt starrte mich an, riefen wir doch meine Frau, sie kann uns weiterhelfen, schlug ich vor. Telefoniere, wenn du keine Nummer kennst!
Niemand wusste Bescheid, da die Bank, wo sie zur Arbeit zu sitzen pflegte, längst existierte nicht mehr, fallen gelassen von der Regierung, zum Frass der mächtigen Konkurrenz vorgeworfen, so niemand konnte uns sagen, wohin anzurufen.
In der zur Panik steigenden Nervosität konnte ich mich nicht einmal an ihre Whatsapp Nummer erinnern, er war natürlich gespeichert, aber man benutzt sie nie. Vater des Bräutigams beobachtete mich mit wachsendem Misstrauen. Plötzlich stand sie da! Wie in einem Traum!
Ich empfahl mich schnellstens von der Szene und flüsterte ihr noch schnell, sie solle doch die Zeche für ihn zahlen und weg war ich…wie im Traum.