ich wollte, könnte – ging nicht
Tatjana hat schon am Morgen angerufen, wir sollten nicht auf Schloss kommen, es wären grössere Gewitter erwartet. Das passte gut. Ich konnte mich auf den ruhigen Tag freuen. Sowieso wird es morgen anders, mit den vielen Gästen, die zum Konzert kommen, es ist hoffnungslos ausverkauft. Straus gegen Strauss, Richard versus Johan, schöne Bescherung, denke ich.
Aber was uns die Natur beschert hat, das geschieht nur ein Jahrzehnt oder länger. Das ist wirklich eine “schöne Bescherung” gewesen, ein Gewitter, das der Bodensee wie ein Ozean ausgesehen hat, so der Beschrieb von Tatschi, die nochmals telefoniert hatte.
Zugegeben, die grossen Seen habe ich mehrmals durchkreuzt, aber von einem Gewitter blieb ich bis heute verschont. Aber die tanzenden Tassen, Gläser und Vasen kann ich mir lebhaft vorstellen. Das kenne ich. Nicht nur von Geschossen der Panzer, sondern auch von friedlichen Erdbeben mässiger Stärke. Das erste Erdbeben, obwohl harmlos, bleibt im Gedächtnis stecken: Ich montierte eine misslungene Ausstellung zum nicht wichtigen Thema – Wunsch des Ministers – in vierten oder fünften Stock und plötzlich habe ich die Austellungspanelle schaukeln wie im Wind, der da aber nicht vorhanden war. Ein wenig verwundert, woher das kam, montierte ich weiter, bis ich mich plötzlich am Boden mit den Händen fassen musste. Merkwürdig, dachte ich, ich habe doch nichts getrunken und ich verliere das Gleichgewicht?
Da weiter nichts geschah, beendete ich die Arbeit und ging, Am nächsten Morgen lese ich, dass dies ein Erdbeben Stärke ix-ypsilon war und niemand zu einem größeren Schaden gekommen sei.
Nicht wie die arme Frau, die im S. vom umfallenden Baum heute schwer verletzt wurde.