In der modernen Welt zählt nur er, ...

Feststellung zum Thema Zeitgeist

von  S4SCH4

Der Takt.

 

Die Uhr – oder was von ihr übrig blieb – ist nur noch taktreicher Schmuck.

Denn wir leben nach eingetakteten Kausalitäten.

Auf einer eng getakteten Meetingkalenderlandkarte.

Oberhalb von taktilen Eingabegeräten,

Zu getakteten Rechenmaschinen geführt.

Und es dirigiert ein (Moral-)Stock (aka Keule), um taktvoll zu bleiben.

 

Ein Gedicht:

So tun wir takttäglich

etwas für etwas, das

uns den Herzschlag nahm

und ihn selbst gegen

uns verwendet.

 

Eine Anekdote:

Nicht derjenige, der um Punkt 6 Uhr zur Öffnung einer Bäckerei da ist, bekommt die frischesten Brötchen, sondern derjenige, der den Takt abpasst und weiß, wie ab Punkt 6 Uhr angefangen wird zu arbeiten.
Es braucht nämlich eine Zeit, bis der Ofen warm ist, die Brötchen auf Blechen ausgebreitet sind und schließlich im Ofen landen, bis sie fertig und frisch sind. Was es um 6 Uhr gibt? Na klar, Ware vom Vortag…

 

Punkt.



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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (03.10.26, 05:51)
Du kennst dich im Backgewerbe aus!  :D

Ich war noch nie um 6 beim Bäcker, aber öfter schon bei KaVau.
Weniger wegen der Frische der angebotenen Produkte, als der eigenen: Earlybird for ever. Wurmfangend, aber zuweilen ausspeiend ...

 S4SCH4 meinte dazu am 03.10.26 um 11:54:
Von meiner geheimen Liaison zum frischen Brotlaib weißt du nun.

Aber wer so früh am rumvogeln ist, ist sicher auch nicht viel besser.

:ermm:

Wir sind alles keine Engel, nicht?

Antwort geändert am 03.10.2026 um 11:55 Uhr

 EVdR (03.10.26, 12:49)
Als Bäcker, Herr des eigenen Betriebes, noch selbst ihre Produkte ferigten, vor 45 Jahren, fing der Meister um 2 Uhr, am Morgen, an. Die Mitarbeiter um 4. 

Was nicht verkauft war, Plastiksack, Gefriertruhe, Aufbacken, ...
Merkt's der Kunde?


Die Uhr hat Macht. Die Peitsche der Moderne. Arbeitszeiterfassung, Arbeitszeiterrte, Vorgaben. Hasten von Termin zu Termin. Von Verpflichtung zu Verpflichtung

Ist es anders als in der Steinzeit, wegen Hunger dem Mammut nachjagen? Im Mittelalter, beim Kerzenschein oder auf dem Acker?
War nicht nur das Korsett nicht so eng gebunden?

 S4SCH4 antwortete darauf am 03.10.26 um 18:07:
Hallo EVdR,
 
danke für deinen Kommentar. Und berechtigterweise fragst du, ob früher alles besser war?
Es ist nicht so, dass ich darauf nicht eingehen mag, aber mir geht es mittlerweile eher um diesen Unterschied mit der Uhr. Früher war nicht alles besser, aber der Takt der Geschäftigkeit war noch nicht so bestimmend, so maßgeblich für die Realität.
 
Die Uhr ist sicherlich in diesem Taktgefüge, ein Werkzeug, aber auch verdingt und im Gebrauch als solches, weil es den Takt auch messbar macht.
Doc ich sehe die Uhr als positive Errungenschaft an und verteufele sie nicht, aufgrund ihres Wirkens auf den Menschen, das alles macht er ohnehin selbst. Buhmannschmuckstück Uhr? Vielleicht, sie hilft aber fraglos: Vereinbarungen treffen zu können, Pünktlichkeit zu erzielen (also Verbindlichkeit), usw. Sie selbst ist nicht schuld am Menschen und wie er sich einem Takt unterwarf.
 
Dieser Takt ist Marschschritt, ein nervöses Fingertippen auf dem Tisch, wenn man Antworten erwartet von einem Gegenüber, ein nicht ganz abgestellter Wasserhahn oder eben der durchgetaktete Alltag. Ein wenn ich dies tat, werde ich jenes tun und dann ….
 
Die Uhr ist Sündenbock dafür, weil sie diese Unterwerfung und Versklavung aufdeckt und sich benutzen lässt den Unflat einen Rahmen zu geben. Am Ende ist es aber das Bild des Menschen, das darin hängt.
 
LG sascha

 sorrynocoffee (03.10.26, 13:22)
Ein Haiku:
 
Die Armbanduhren
fangen die Zeit für uns ein
lauter Handschellen
 
Punkt.
 
Grüßle,
sonoco

 S4SCH4 schrieb daraufhin am 03.10.26 um 18:09:
Hallo sonoco, 

danke, dass Du dein Haiku an dieser Stelle teilst.


Meine Ansicht zur Uhr könntest du dem 18:07 Kommentar an EVdR entnehmen, wenn Du magst. 

Ansonsten trotzdem danke, ja.

LG Sascha

 Nuna (03.10.26, 20:23)

Hallo Sascha,
so einen Job hatte ich auch schon einmal, da trug ich Zeitungen aus. Um 3.45Uhr bekam ich die Tageszeitungen/Briefe und um 6.00 Uhr musste ich spätestens die letzte Zeitung in die BK einwerfen.


Deinen Text find ich grossartig, hatte ich auch schon mal kurz überlesen und empfohlen
Im Takt sein, getaktet sein, taktvoll sein, tiktak, Taktik...ein weites Feld von Vorgaben

Du kennst sicher ein Taktell auch Metronom genannt das kann helfen beim z.b Gitarre spielen den gewünschten Takt zu halten..

LG Nuna

 S4SCH4 äußerte darauf am 03.10.26 um 20:27:
Danke. Mir scheint Du könntest den Text noch um Einiges weiterentwickeln. 

An das Metronom dachte ich auch, habe es dann aber durch den Einfall mit dem Gedicht oben nicht weiter verfolgt. 

btw. Ich hoffe deine Betätigung im Chor trägt Früchte. 

Ich wünsche es Dir.

LG Sascha
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