Man kennt sich teils seit zwanzig Jahren und ist stolz darauf, wo man es aushielt, durchgehend lange dabei gewesen zu sein.
Die meisten aber kamen und gingen und kamen und …, schrieben, fluchten und suchten wieder das Weite; sie änderten Namen und Neutralität. Andere meinen, diese Umherziehenden noch heute in wahrer Gestalt wiederzuerkennen, bleiben heiser beim Gestern, mit dem Halsschmerz von heute. Und zwischen Wirklichkeit und Wahn, Zuneigung und Bloßstellung finden viele dennoch ein Zuhause.
Auch wenn das (Ur)gestein des Heims sich zwangsläufig sondernd stellt gegen die neumoderne Tapete und vielleicht am liebsten unter sich wäre in einer „Tante Käthe“, um dort Ballspiele zu schauen, vor sich hin grummelnd und in Träumen vielleicht rumfummelnd.
Doch Vorwürfe helfen aber auch nicht weiter, jene sehen die immer enger werdenden Wände wohl vor lauter Stein(sein) selbst nicht mehr und richten bzw. richteten sich mehr oder weniger hartgesotten ein.
Elitäre, Besserwisser, Ignoranten und die bekannten … Cliquen … in einem Pool aus gemeinsamer Sache. Sie machen Spuren durch den Gebrauch, doch saubermachen tun sie auch! Und kommen bisweilen ebenso daher wie Jungfrau, Kind und Freund. Eine bunte Mischung, trotz kargem Gestein um einen herum und dem Geruch von Vielen, die einmal dagewesen sind und die es, aufgrund ihrer nunmehr vollzogenen Abwesenheit, nach Leere und einstigen Besseren-Tagen aussehen lassen.
Wird man heutzutage nicht beachtet, so ist man neidisch. Wird man hingegen beachtet, so bliebe man neidisch. Gleiches gilt, statt des Neides, für Auffälligkeit und Anfälligkeit.
Und wildert man zudem in fremden Beiträgen, und in den dazugehörigen Kommentaren, zieht man sich gleich hoch an den Namen der Zaren, die vielleicht lange schon da sind und die, wenn die Abenddämmerung kommt, immer wieder ihre Schäfchen eintreiben. Denn wenn es Nacht wird hier im Heim, dann kann man die wilden Wölfe nicht gebrauchen, deren Augen in der Dunkelheit leuchten und die sich zwischen den Resten und dem Besten bedienen.
Warum so wenig Neue kommen und die wenigen Neuen, die kommen, oft nicht bleiben und/oder wenig bis weniger schreiben, wäre eine berechtigte Frage, herrsche da nicht die Erkenntnis, dass, wer schreibt, dies oft für sich tut (vielleicht ein eigener Blog) und erst mal wenig bis keine privaten Facetten durchscheinen lassen mag. Doch gerade diese privateren Nuancen, Nickeligkeiten, Nahbarkeiten sind der Kitt in den Fenstern dieses Zuhauses, und das teils seit jenen besagten zwanzig Jahren und mehr.
Nicht selten: Hat man sich als Neuling ein Zimmer mit Ausblick in diesem Zuhause gebucht, zieht es entweder mangels Fensterverklebung durch (man wird in Ruhe gelassen) oder der Kitt scheint so dick aufgetragen, dass er als Mittagessen auf dem Speiseplan zu stehen scheint. Aber schnell abgestoßen vom Nachgeschmack, zieht der oder die just Gekommene bald wieder in ein unweit entferntes Barackendorf weiter oder in die eigene Welt zurück.
Bleiben die einstigen Grundfesten auch stehen, die im Übrigen auch bei alten Ruinen noch zu erkennen bleiben – just saying –, ist doch kaum noch ein Besucher außerhalb der allseits bekannten Crew da. Kaum jemand, der länger nicht mehr Schritt gehalten hat, traut sich noch vorwärts oder meint zumindest, es sei kein Rückschritt hierher zu kommen.
Bleibt immer die Frage: Ist man wirklich interessiert hier zu bleiben oder ist man eher ein verirrter Tourist, ein Urlauber, der längst vergangene Zeiten betrachtet und mit Glück auf ein wertvolles Fossil tritt, wobei es allerdings unbeschädigt bliebe. Zurück in seinem Hotel, erzählte dieser Tagesticketbesucher dann seiner Frau, er wüsste auch nicht wo er gewesen sei, wie er dahingekommen wäre und überhaupt, was es einstmals war, doch er habe ein Relikt geborgen und könne in Zukunft mitreden, wenn es um Heilige Stätten, Ruinen und (Ur)gesteine ginge.
Weise Worte warten am Ende: Vielleicht ist die Literatur in den Universitäten und elitären Zirkeln eher, sicherer und nachhaltiger zu Hause, als sie das im Internet und in größeren Zirkeln ist.
Und vielleicht ist das ganze „Gerne-Schreiben“ vornehmlich ein Egoshooter, der auch nach Dekaden immer noch keinen massenmäßig geilen Ableger à la Counter-Strike gefunden hat, sondern oft im eigenen Schöngeist herumspukt, nur ab und an aus der Djinnvase kommt und sagt: „Nun mach doch mal was draus!“. Was dann oft bleibt, ist Ambition aus Träumen entnommen und die Motivation der Realität aufgezwungen, beides zu einem Staudamm zusammengetürmt, dann tief ins das gestaute Wasser geblickt und sich gewundert, warum nichts mehr wirklich fließt.
Achtung: versteckte politische Agenda incoming! Solange die Gesellschaft vom urbekannten Arbeitsgebaren beherrscht ist und Kultur für viele nur in der Freizeit gepflegt wird – einer Freizeit, die überdies primär dazu eingesetzt und verstanden wird, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen –, die ferner immer kürzer und gewollter gerät, solange wird die Kultur und damit auch die Literatur, die Schreiberei, tendenziell ein Untertan bleiben, dies auch im Land der Dichter und Denker.
Untertänigste Grüße!