KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Freitag, 04. Januar 2019, 20:32
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Minimal art

651. Kolumne

Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Toten oder lebenden Toten sind zufällig, rein zufällig, absichtlich zufällig, zufällig absichtlich, rein absichtlich und nichts als die reine Absicht.


Einzeller müsste man sein, sagt Arthur. Dann hätte ich fürs Erste Ruhe vor dem Tod und bis auf weiteres das ewige Leben, die potentielle Unsterblichkeit der Einzeller - das ist göttlich!
Du würdest aber von deiner Göttlichkeit nichts merken, sage ich, als Einzeller. Deine Existenz als mehrzelliger Organismus ist dagegen die bisher höchste Stufe, die das Leben kennt.
Davon habe ich nichts, sagt Arthur. Ist das ein Fortschritt, wenn ich auf so einem Gipfel sterben muss?
Der Tod ist eine Systemeigenschaft, sage ich. Der Fortschritt liegt darin, dass dir deine Sterblichkeit bewusst ist, während der Einzeller gar nicht weiß, ob er lebt.
Das frage ich mich manchmal auch, sagt Arthur.
Aber anders, sage ich. Der Tod ist doch nicht zwei Mal bei dir.
Ich weiß nicht, sagt Arthur. Ich habe einen Tod vor meinem Leben und einen danach, das sind zwei. Da bleibt fürs Leben einfach kein Platz.
Das siehst du zu eng, sage ich. Gerade weil du deiner Sterblichkeit sicher sein kannst, hast du mehr von deinem kurzen Leben als die Qualle, die keine Ahnung davon hat.
Du meinst also, sagt Arthur, ich habe was von meinem Tod?
Ja, sage ich.
Aber es ist doch nur der Lohn der Angst.
Nein, sage ich, der Lohn der Sterblichkeit.
Aber davon weiß das Leben nichts, sagt Arthur. In der letzten Euphorie erlebe ich diese Metamorphose als Kunst und sterbe, einmalig schön wie die Blüte der Agave.

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