KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 04. Januar 2021, 22:16
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Mein kv - 6. don.mombasa

749. Kolumne

Mit Don Mombasa hatte ich sofort einen Schlagabtausch, als ich am 22.11.2005 meinen ersten Beitrag auf kv stellte, der mir im Verlauf einer teils heftigen Diskussion eine Sperre durch den Webmaster einbrachte. In der Diskussion beteiligten sich die damals prominenten kv-Autoren, darunter auch der Don, der zu den polemischsten Streitern gehörte. Wir rasselten erst einmal zusammen. Hier zunächst mein OFFENER BRIEF:

GRUNDSÄTZLICH finde ich die Kommentare hier in dieser Community, soweit ich das überblicke, generell allzu freundlich. Es gibt zuviele Komplimente. So ein Umgang der Autoren miteinander kultiviert eine falsche Sensibilität, ist inzestuös und bringt die Autoren nicht weiter.

Ich habe hier zwar gute Texte gelesen - aber diese Autoren sollten sich lieber auf die rauhe See der reich facettierten Literaturbetriebe begeben und sich DORT freisegeln.

Ich will nicht sagen, dass so eine Community wie diese hier dafür völlig ungeeignet ist - ABER es geht zuviel Zeit und psychische Kraft verloren in der letztlich allzu beliebigen Kommunikation. Hier fehlt die Kraft des harten Urteils von außen, das wählt oder ablehnt.

Die Community ist gut aufgezogen, wird brillant verwaltet, ist aber andererseits statistisch überzogen und bietet zuviel Spielerei mit Aspekten.

Der Verdacht liegt nahe, dass KEINVERLAG.DE mehr der (Selbst-)Befriedigung dient und Eitelkeiten pflegt, als zur realistischen Selbsteinschätzung hinzuführen.

DIE WELT HIER IN DIESER VIRTUELLEN ZONE IST ZU ENG.

Es wäre besser, die stärkeren Autoren würden sich umtun und die vielen Möglichkeiten erkunden, DIE ES GIBT, um wirklich veröffentlicht zu werden, d. h. per Urteil und Auswahl durch Fremde (die zwar im Einzelfall nicht garantiert kompetent sind, aber es ist doch besser, nicht so ausschließlich in einem 'virtuellen Selbstverlag' zu erscheinen).

Ich ermuntere alle, die literarisch aufs Ganze gehen wollen, diese Community zu verlassen, um ihr gutes Talent viel besser in freieren kommunikativen Prozessen zu entwickeln!

Ulrich Bergmann


Don Mombasa anwortete mehrmals, er schlug hart zurück, nannte mich „Scharfrichter“ und „mein Führer“, bis er mich schließlich siezte. Überhaupt wurde ich recht lange und immer wieder Herr Bergmann genannt und gesiezt ... ich muss wohl einen erschreckenden ersten Auftritt gehabt haben.

„Werter Herr Bergmann.
Sie sind noch nicht allzu lange hier angemeldet. Weder wissen Sie um die Personen hinter den virtuellen Persönlichkeiten, noch wissen Sie, wer hier wie und was und wo veröffentlicht hat.
Sie nutzen diese Plattform ferner, um sie zu degradieren. Das ist nicht fein. Sprechen Sie von Nestwärme, so spreche ich von Nestbeschmutzung. Vielleicht ist keinverlag auch nur ein Ast für Sie, und Sie fliegen gleich weiter. Dann mag es Astbeschmutzung sein, gleichwie.
Ferner sprechen Sie von sachdienlich. Da Sie sich offenbar noch nicht oder nicht ausreichend mit den Ansprüchen dieser Seite auseinandergesetzt haben und den damit einhergehenden Absichten der hier angemeldeten „Autoren“, ist es ebenso wenig sachdienlich, einen in dieser Form unverschämten Aufruf zu starten, wie Sie es getan haben. Wer sich hier anmeldet, um anderen mitzuteilen, sie sollen sich doch besser abmelden, ist hier fehl am Platz. Bildlich: Das ist in etwa so sachdienlich, als ginge ich auf den Spielplatz, um den Kindern dort zu sagen, sie mögen doch besser in die Schule gehen, das sei sinnvoller und bringe sie weiter.
Ihr Ratschlag in allen Ehren, doch er ist anmaßend. Sie sind nicht der Einzige hier, der veröffentlicht. Eine Aufforderung, wie sie von Ihnen hier ausgesprochen wurde, ist diskutabel aus der Position einer Person, die den Betrieb hier kennt, länger kennt, abgewogen hat, sich mit dem Gegenstand beschäftigt hat. Sie können schreiben, literarisch schreiben, soviel steht fest. Das berechtigt Sie jedoch noch lange nicht dazu, als wissender Erlöser aufzutreten und derartig schwerwiegende Briefe an die anderen Mitglieder der community zu richten, obgleich Sie nicht einmal einen Monat dabeigewesen sind. Da schwingt schon etwas Arroganz in ihrem Brief mit.
Zwar will ich nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, und von Vergeltung kann ja auch gar keine Rede sein; doch lassen Sie mich auch Ihnen einen Ratschlag erteilen: Sehen Sie sich in aller Ruhe um, machen Sie sich mit der Seite vertraut, lesen Sie, lassen Sie ihre Texte kommentieren und - das vor allem - sagen Sie dem Irrglauben ab, zu wissen, was Mittelmaß ist und was nicht. Das steht Ihnen nicht zu. Jedenfalls nicht hier.“

Im Kern hatte er ja Recht. Im Prinzip auch ich, jedenfalls teilweise, aber ich stellte tatsächlich Behauptungen auf, ohne den Laden zu kennen. Ich habe mich später korrigiert.

Ein halbes Jahr später fand das kv-Treffen in Artern statt – hier begegnete ich Don in persona. Ein schlanker, großer junger Mann. Freundlich. Er schäkerte und alberte gern mit Alpha herum, nahm die kv-Sitzung recht locker. Einer, der gern spielt, aber in netter und gegenseitiger Weise, dachte ich. Sympathisch. Wie das oft so ist: Im persönlichen Gespräch verstand man sich wesentlich besser, und in der Folgezeit entwickelten sich im Forum sachlichere Diskussionen, wenn auch immer noch mit polemischem Eifer, jetzt aber leichter, spielerischer, mit Humor und nicht mehr mit böser Ironie. Ab und zu waren wir sogar Verbündete, wenn sich andere in die Diskussionen um den wahren Literaturbegriff einmischten. Den wahren Literaturbegriff? Gibt es den denn? Nun, man kann das wenigstens behaupten und Argumente und Beispiele bringen. Diese Diskussionen, oft abends, spätabends, manchmal genüsslich ausgekostet mit Bier und Chips, waren wunderbar, sie waren nicht so giftig wie manche späteren Diskussionen, sondern unterhaltsam auch für Nichtbeteiligte, schon wegen der Situationskomik und mehr oder weniger gelungenen Wortwitze. Ich erinnere mich an Namen wie mueller (Tom) und vain, eldude und viele andere ...

Don und ich schrieben uns auch längere Briefe per E-Mail. Das war in der Zeit, als Don (im Laufe des Jahres 2007) ankündigte, kv aus beruflichen Gründen bald zu verlassen. Nun hatte ich meine Meinung über kv geändert und gehörte zu den aktivsten Mitgliedern (ich gehörte auch dem kv-Verein an). Am 18.2.2007 schrieb ich an ihn; seine Mailadresse enthielt statt seines Namens den Satz „Ich liebe den Schrank“.

„Lieber Ingo,
lieben Dank für deine analytische Antwort, die ich ingesamt sehr bemerkenswert finde. Ich reagiere hier nur auf die mir am wichtigsten erscheinenden Punkte. Literarisches Schreiben: Du bist in der Tat weniger ein poetischer Schreiber, sondern viel mehr ein kabarettistisch und journalistisch Schreibender. Deine Stärke ist hier unverkennbar. Vieles hat Witz und ist treffend, denke ich, allerdings bist du auch hier nicht wirklich aufs Ganze gegangen.
Möglich, dass du jetzt in einer Situation bist, wo du dich fragst: Soll ich textlich mehr riskieren als bisher, aber wozu? - oder mich nur beruflich entscheiden? Schwer zu sagen. ... Goethe hätte von seiner Literatur allein damals nicht leben können, Schiller noch weniger, Enzensberger jedenfalls nicht von seiner Lyrik ... Du musst wissen, was du willst. Wenn du dich auf dem KV-Spielplatz langweiltest, ist es deine Schuld - ich finde es nicht langweilig ... Nur ein einziges Lektorat, sagst du, bekamst du auf kv. Sei froh - ich las schlimme Verbesserungen. Als Werkstatt ist kv eben zu groß und ungeeignet. Außerdem, Ingo, du brauchst keine Werkstatt, sondern nur harte Kritik in Kurzform - wie ich. Den Rest musst du allein schaffen. Hemingway hat doch auch nicht in einer Werkstatt begonnen. Und: Nur wenige werden Hemingway. Begnüge dich mit dem, was du erreichst, und erkenne, was du nicht schaffst. Du kannst durchaus auf kv deine Formulierungskunst erproben - in ausgefeilten kabarettistischen oder satirischen Texten. Egal, wieviele Fans du dann hast.
Das Erreichen nennenswerter Print-Veröffentlichungen setzt harte Arbeit voraus. Versuch‘s. Dir empfehle ich mehr Geduld - du musst nicht permanent auf KV veröffentlichen. Aber du kannst dennoch bleiben. Es gibt Autoren, die monatelang still mit Textveröffentlichungen pausierten, ohne zu verzweifeln, und dann wieder schrieben. - Wenn du wirklich aufs Ganze gehst, bekommst du ernste Kritik für deine Texte! Bewege dich nur in dem Kreis der ernsthaft Schreibenden. Meine Empfehlung: Das eine tun - und das andere nicht lassen! Also kv fortsetzen - und das beruflich orientierte Schreiben ebenso. Beides!“

Aber Dons Entscheidung war gefallen – zugunsten des Beruflichen und auch aus familiären Gründen, er war Vater eines Kindes. Sein Abschied von kv war also gut durchdacht. Wenn man, wie auch darkjoghurt, am Beginn seiner beruflichen Tätigkeit steht, ist kv ein Zeitfresser, den man sich gegebenenfalls erst später wieder leisten könnte.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 DanceWith1Life (15.01.21)
Ah, das sind wichtige Bausteine, in der Legoworld.
Ja, den wahren Literaturbegriff, das war wie eine Euphorie die sich ausbreitete auch in der Kunstszene in Aux. Und zu was für grotesken Diskussionen der führte, ohne dass wir dies merkten, unglaublich.
Zu deinem letzten Beitrag, ich habe Jovan in Aux dann getroffen, wir waren uns auf den ersten Blick suspekt, er hatte dann eine Lesung in einer Kneipe, die hauptsächlich 30 jahre jüngeres Publikum hatte. Er hat improvisiert, erfolgreich und da erkannte man auch seine Stärke. Das loslösen und auslösen der Begriffe für die eigentliche Kommunikation, die Jugend fand sich sehr darin wieder, meiner Beobachtung nach. Das Live zu erleben bringt die Facetten ins Bild, die dem "Geschriebenen" nur sehr andeutungsweise möglich sind, zumindest was Jovans Kunst angeht. Oder aber man liest es so oft bis sich die Melodie neu erschafft und dann landet man quasi bei deiner Aussage. Wenn ich das einigermaßen so verstanden habe, wie es angedacht war. Ich hatte mit diesem Anspruch nur gedanklich, wie jeder von uns damals "auf der Suche" nach dem verlorenem "Goldenen Zeitalter" Wahrheit""neuen Werten" Wesentlichen", es hat so viele Namen bekommen in dieser Zeit.
Deinen Ansatz "facettenreiche Realität, teile ich nur bedingt, obwohl ich verstehe wie es zu so einer Aussage kommt. Schau dich um, was von ihr übriggeblieben ist, im wahrsten Sinne des Wortes "eine Maske", Siehe auch D.R. Kommentar im Anschluss.

Kommentar geändert am 15.01.2021 um 17:03 Uhr

 Dieter_Rotmund (15.01.21)
Nazi-Verrgleiche, siezen, Degradierungsvrowurf, Nestbeschmutzung. nicht sachdienlich, Anmaßung, Erlösergehabe, Arroganz, gipfelnd in : "Das steht Ihnen nicht zu. Jedenfalls nicht hier.“
Mir scheint, Don Mombasa hat viele Epigonen. Es ist doch immer dasselbe: Die DonMomabas schreiben Texte, die sie für genial halten und wenn man dann nicht unterwürfig lobhudelt, sondern konstruktive Textkritik übt, fühlen sie sich sofort persönlich angegriffen und man wird persönlich beschimpft und angepöbelt. Schön, dass ihr euch dennoch irgendwie zusammengerauft habt.

 Bergmann meinte dazu am 15.01.21:
> Dance, Dieter:

Schrieb ich zu verklärend?
Im Porträt Dons bleibe ich weitgehend bei meiner Meinung. Don spielte mit Streiterei, polemisierte zu scharf, das stimmt, aber konnte auch wieder nachgeben.
Wir hatten späte richtig üble Burschen hier auf kv. Ich muss die Namen wohl nicht nennen. Davon war Don weit entfernt.

Jovan begegnete mir einmal sehr übel, aber ich ließ es hier weg. Auch schrieb ich nichts über seine äußerst labile Seele und Existenz. Die kv-Köpfe, über die ich hier in den Kolumnen schreibe, sind nicht deswegen gut, weil ich über sie schreibe.

Aber die ersten Jahre von kv, die waren außerordentlich interessant und gut und verdienen tatsächlich ein Stück maßvoller Sentimentalität.

 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 15.01.21:
Und diese "äußerst labile Seele und Existenz" hat nun Kinder? Na, super.
P.S.: Nein, der Stil ist nicht verklärend.

 DanceWith1Life (15.01.21)
@ Bergmann
verklärend, finde ich nicht, aber wie du anhand der beiden Kommentare lesen kannst, brodelt jeder sein eigenes Süppchen. Ich habe nur vage Erinnerungen an Don, aber die mit dem Vermerk guter Autor, mehr ist momentan nicht abrufbar.
Wie gesagt, ich bin diesen Diskussionen ziemlich schnell entfleucht, in der Truppe damals in Aux, obwohl mir der "heilige Eifer" nicht fremd war.
Und verklärend in Hinblick auf die jetztigen zwischenmenschlichen, kulturellen und politischen Fakten, lach, da fehlen mir kurz die Worte. Also da sind doch alle verklärt, wenn nicht gar verblendet, von den Vorgaben des Erfolgs und den Bestsellerlisten und und und, das ist doch auch ein wiederkehrendes Thema in der Kunst, dass sie sich neu erschaffen muss. Also da gab es doch immer auch Kommunikationsprobleme.
All die aufgebauschten Standards, ohje, wie wacklig sie jetzt im Sturm stehen. Also wenn du da von facettenreicher offener See sprechen willst, von mir aus, bei mir läuft das unter den Vorzeichen des steten Wandels, dem wir noch nie einen angemessenen Rahmen liefern konnten. Und natürlich ist man im Nachhinein schlauer, aber ging es nicht auch darum, dass sehr unterschiedliche Sichtweisen aufeinander trafen, polemisch oder nicht.
Und wieso gibts eigentlich nur sperren und nicht sowas wie, Kommentarsperre, mit entsprechendem Vermerk, also dieser Autor muss abkühlen oder hat zuviel schmutzige Wäsche gewaschen, auf der Autorenseite. er darf weiter Texte veröffentlichen.
Meiner Beobachtung nach sind nämlich Texte und Diskussions bzw Kommentarverhalten schon verschiedene Paar Stiefel, bei den meisten zumindest.

Kommentar geändert am 16.01.2021 um 22:56 Uhr

 drmdswrt (09.04.21)
Immer noch einer, der mit am schmerzhaftesten hier fehlt. Sein erster Roman ist übrigens mehr als lesenswert, weil er nicht nur seinen unnachahmlichen, augenzwinkernden Humor in sich trägt, sondern auch nach- und mitfühlend ein großes Problem unserer Gesellschaft aufzeigt. Und das auch im TV-Interview beeindruckend rübergebracht hat.

 Bergmann schrieb daraufhin am 09.04.21:
Bitte, sei so gut und nenne mir Titel (und Autor) des Romans, damit ich ihn lesen kann.

 drmdswrt äußerte darauf am 09.04.21:
Mach ich.
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