KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Donnerstag, 06. November 2008, 12:41
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Ma! Dame

Der folgende Text entstand als ein mehr oder weniger unbewusstes Selbst(?)porträt einer Achtzehnjährigen zwischen Kunst- (Collagen) und Deutschunterricht (Christa Wolfs „Kassandra“; Hofmannsthals „Brief des Lord Chandos“; Fontanes „Effi Briest“ und Hesses „Steppenwolf“) am 23.10.2008.

Ich finde, diese unprätentiöse, aber klare und anspielungsvolle Rede an sich selbst ist authentisch und spiegelt gut das Bewusstsein einer Jugendlichen wider: Selbstsuche und Streben nach Selbständigkeit - Antizipation einer wünschbaren Zukunft als emanzipierte Frau, als freier und selbstverantwortlicher Mensch.



Kristina Backes

Ma! Dame

Madame, wer bist du eigentlich, oder viel eher: Was bist du eigentlich?
Bist du gemäß der allgemeinen und auch wohlklingenden Definition eine im wahrsten Sinne feine Dame mit allem, was frau sich wünscht: Chic, Stil, Geld, Aussehen und selbstverständlich Intelligenz und Erfolg, oder bist du zu einem bloßen Etwas verkommen?
Hat dich das Leben - die Aufgaben, das Müssen – so verzerrt wie das Wort, das nun verzerrt jede Bedeutung verloren hat und zerbrochen ist, so wie du? Ma! Dame.

Wem gehörst du, kleine Madame?
Dir selber? Nein.
Der Modewelt? Vielleicht.
Den Aufgaben, die dir über den Kopf wachsen? Vielleicht.

Ganz sicher gehörst du nur zum Chaos, das dich eingenommen, dich verwirrt und zerbrochen hat, deine zarte Seele, die nichts weiter als auf der Suche nach Harmonie und Wärme war, aber gestolpert ist und alles verlor, was sie glaubte zu sein, alles hat es zerstört. Das bist du, kleine Madame.

Das Leben hat dir dein Gesicht genommen, auf der Suche nach Wärme und Halt bist du gestolpert und hast dein Gesicht verloren. Es war ein schleichender Prozess, aber er hat dir dein wahres Ich genommen.
Die Modewelt hat dir viel bedeutet, sie war immerhin die Maske, hinter der du dich versteckt hast. Dein Wissenshunger hat dich ausgemacht, bis die Informationen zuviel wurden und dir über den Kopf gewachsen sind.
Das Chaos im Inneren deiner Seele ist unübersehbar.

Die warmen Farben in Gelb und Orange symbolisieren deine Suche nach Wärme, die Zeitungsausschnitte sind Teil deines Wissens.
Die Augen gehen lediglich deiner Forderung nach, sie sehen dich an, die Schönste sehen sie, denkst du, doch was sie sehen, ist oder war ein Mensch, der an seinen vielen Aufgaben gescheitert ist, der nicht perfekt gestylt und allwissend ist, dessen Maske nicht mehr über die verwundete Seele hinwegtäuschen kann.

Hoffentlich lernst du dazu, kleine Dame, du hast dein Gesicht verloren, doch wenn du viel Glück hast, sehen die Augen dich bald nur noch an, weil sie einen glücklicheren Menschen sehen - rein und neu -, der seinen Weg zu sich selbst gefunden hat. Denn wo du deine Maske verloren hast, dein altes Gesicht, kann schon bald ein neues, strahlendes hervorkommen, dessen Leben nur ihm selbst gehört.

Wem gehörst du nun, Madame?


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