KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Dienstag, 07. Juli 2015, 18:05
(bisher 1.155x aufgerufen)

Gib mir einen Angelpunkt außerhalb der Welt!

466. Kolumne


Der Satz: Der Platz eines unabhängigen Denkens kann nur außerhalb des Realen sein, enthält den schweren Fehler, Denken absolut zu setzen. Das gilt für Mathematik, nicht aber für das Denken über das Leben. Und was soll das Denken an sich sein? Das ist l’art pour l’art oder ideologiehöriges Ableiten des Seins aus den Prämissen für ein Ideal, das es nicht gibt. So gesehen ist der Misanthrop kein Humanist sua sponte, sondern nur ein ex post zurechtgedachter. Das Leben soll man nicht überwinden, bevor es ans Sterben geht.
Askese war nie mein Ding. Ich denke: Mein Bewusstsein bestimmt einen wichtigen Teil meines Seins, das auch vom gesellschaftlichen Sein beeinflusst ist, das ist klar. Aber solange ich gesund bin und einen Willen habe, Ideen umzusetzen, werde ich mich nicht hinreißen lassen zu lebensverneinender Resignation. Ich lasse mich von keiner Moral erpressen, auf mein Glück zu verzichten. Ich sehe nicht ein, das Leben zu hassen oder abzulehnen, weil nicht alle meine Knabenmorgenblütenträume reifen.

Nach Cioran könnte reines Denken nichts anderes sein als nur eine Fiktion unter anderen, ein Scheinsein oder Seinschein ...

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 loslosch (17.07.15)
da, ubi consistam, et terram caelumque movebo. (archimedes sprach aber griechisch.)

anm.: s. 227 der aphos.
Graeculus (69)
(17.07.15)
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 Bergmann (17.07.15)
Mein Text zerfällt nicht.
Er evoziert die Aussage: Suche dir einen Angelpunkt innerhalb de(ine)r Welt.

 EkkehartMittelberg (18.07.15)
Der philosophisch begründete "Real-Optimismus" gefällt mir sehr.
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