KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Mittwoch, 02. September 2015, 13:37
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BRIEFE AN HERRN ANDRÉ ÜBER DIE LITERATUR (3)

474. Kolumne

3

Lieber Fabian André,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 5.8.! Die Korrekturausdrucke schicke ich unterschrieben zurück. Ich korrigiere nur an einer Stelle (mich selbst): Seite 8, Zeile 6,
soll „wiederhaben“ in 1 Wort stehen (so auch in der neuen Rechtschreibung, also unverändert).
Ich freue mich, dass A.R. meine Neufassung ihres Gedichts („das gestammelte ich“) zur Veröffentlichung freigibt! Bin gespannt auf die zwei Zeilen, die sie noch einfügen will; ich vermute, sie betreffen ihren Großvater, der beim Beschützen rauchend einschlief und die Wiege in Brand setzte... Diese Erinnerung strich ich, weil sie mir zu speziell ist, andererseits ist diese Stelle typisch für das Irrationale und Unbedingte in der Liebe, auch bei Kindern.
Zur Präsentation der TEXTUR 7 am 19.12. (der zeitliche Abstand zu Weihnachten ist in Ordnung) will ich sehr gern wieder kommen und ich würde dann auch am liebsten erneut an der Lesung teilnehmen.
In den nächsten Tagen, nun aber wirklich, werde ich A.R.’ schwarzen Erzählband lesen. Mir kamen eigene Schreibideen dazwischen, die ich unbedingt ausführen musste. Ich lege mal eine der neuesten Geschichten diesem Brief bei: „Schläuchmaschin“. Die Idee kam von meinen letzten Klassenfahrten mit meiner 10C, die außerordentlich trinkfest ist... In Berlin ließ ich mir noch einmal alles erklären: Saufmengen, Initiationsriten bei den Junggesellenvereinen und - die Schläuchmaschin. In der Geschichte ist bei den Realien alles wahr. Nur die Namen sind verändert; der Schluss ist zwar frei erfunden, liegt aber im Rahmen der jährlichen Ereignisse in der Eifel.
Ihnen alles Liebe und Gute! Herzlichst: Ihr Damonte


Lieber Fabian André, in der Anlage diese letzte Version des gestammelten ichs, die Autorschaft könnte jetzt A.R. / Damonte genannt werden, schwer zu sagen, die Hauptidee ist AR geblieben, die Verse sind aber inzwischen UB geworden. WENN Sie das Gedicht verwenden wollten, müsste auf jeden Fall mit A.R. gesprochen werden, aber das tun Sie, das weiß ich. Ihnen alles Liebe und Gute! Ihr Damonte


Lieber Fabian André,
inzwischen hat sich eine erneute Bearbeitung des Romas-Gedichts so sehr verselbständigt, dass ein ganz eigenes Gedicht entstand, in dem Ton und Inhalte sich völlig gelöst haben vom ersten Anstoß. Ich füge dieses kürzere Gedicht zu Ihrer Kenntnis bei.
Inzwischen war ich mit meiner Frau in Berlin und Dresden, schrieb neue Erzählungen und neuerdings auch wieder Gedichte zu meiner eigenen Verwunderung. Wahrscheinlich bin ich ein lyrischer Erzähler mit filmdramatischen Tendenzen, aber ich weiß es nicht genau.
Während einer Fahrt mit dem Rad am Rhein bekam ich die entscheidende Idee für meinen Roman (Arbeitstitel: Janus) und konnte die Konzeption niederschreiben. Viele früher vorbereitete Kapitel stehen fest, sind schon in meinem Kopf, aber die literarische Durchführung wird sehr schwierig. Ich brauche für eine einzige Seite viel Zeit, ich schätze drei Stunden und mehr, wenn ich alle Nachkorrekturen mitrechne. Nur soviel will (muss?) ich verraten: Es geht um eine unerhörte Begebenheit, die mit der allgemeinen Krankheit zum Tode zu tun hat.
Ihnen alles Liebe und Gute! Herzlichst: Ihr Damonte


Lieber Damonte,
Ihr Roman macht mich schon neugierig, klingt alles interessant, aber auch geheimnisumwittert. Gerade dass Sie so lange brauchen für eine Seite, Sie sprechen von all icl. 3 Stunden macht die Sache vermutlich literarisch wertvoll. Das ist ja die Krux, dass Laien glauben, wenn man nur flüssig schreiben kann, dann ist die Schlacht schon geschlagen. Ein Irrtum. Las vor wenigen Tagen, dass Moerike über Jahrzehnte an seinem Roman Maler Nolten gefeilt und immer wieder umgeschrieben hat.Es wurde zu einer unendlichen Geschichte dieses Kunstwerks... Leider wird Anna kaum bereit sein zu dieser Feilarbeit, ist dazu viel zu nervös, eruptiv, will schnell fertig werden und dann was anderes machen. Sie kann sich nicht beschränken, und so lange sie nicht dazu bereit ist - und ich bezweifle - wird ihr schwerlich ein großer Wurf gelingen. Talent und genialische Eingebungen sind halt nur eines: das andere ist das Im Schweiße deines Angesichts... Das trifft nun nicht nur auf den Ackerboden zu, auch auf das Seelisch-Geistige. Ohne Mühsal kein Segen von oben... Übrigens, Sie fragten danach, fügte sie in das gestammelte ich´auf der 2. Seite hinter zum schrei geschlagen: ritterschlag zum menschsein, eintrittsbillett ins leben, ist das markerschütternde gebrüll, atem mit leben und leben mit atmen verwechseln. Diese Strophe war ihr noch sehr wichtig, sei's drum, es kommt mit rein. Darf ich noch am Schluss so dreist sein, Sie um eine Romanseite (es darf auch mehr sein) zu bitten. Sie verstehen schon, meine Neugier, meine Neugierigkeit(en)... Herzliche Grüße, Ihr Fabian André

Lieber Fabian André,
die Ergänzung A.R.' gefällt mir. Ich verstehe Ihre Neugier, ich bin wie Sie. Ich gebe Ihnen ein Kapitel zu lesen, nicht jetzt, wo es noch zu roh ist, aber wenn es fertig ist, sind Sie der erste, der es zu lesen bekommt. Allerdings könnten Sie an dem Kapitel noch nicht die zunächst heimliche Hintergrundhandlung erkennen, und ich darf sie auch noch nicht verraten, weil das alles einfärben würde. Ich freue mich übrigens schon darauf Sie und andere 19.12. in Mannheim wiederzusehen! Herlichst: Ihr Damonte

Lieber Damonte,
das war nun wirklich eine angenehme Überraschung wieder von Ihnen zu hören und gleich mit so viel Poesie im Gepäck... kaltzeit - würde ich gern mit in die Textur übernehmen: ein interessanter Dialog unter Poeten! Seien Sie doch bitte so freundlich und schicken Sie mir dies Gedicht als Mail. Ihr Fabian André

Lieber Fabian André, in der Datei newpoems.doc ist das Gedicht kaltzeit mit drin. Ich freue mich sehr, dass Ihnen das Gedicht so sehr zusagt, als Lyriker bin ich (ganz im Unterschied zu mir als Erzähler) viel viel unsicherer! Ich vermute, kaltzeit ist besser als gestammeltes ich, weil es noch konzentrierter ist, vielleicht sogar (verzeihen Sie die Ausdrucksweise) entfraut... Trotzdem finde ich die Synthese AR/UB sehr interessant und gut gelungen - sonst hätte ich daran auch nicht Tage und Wochen gearbeitet. Ihnen alles Liebe und Gute! Ihr Damonte


Lieber Fabian André,
besten Dank für Ihr Schreiben vom 6.9. mit der Einladung, Mitglied im Forum Literatur zu werden. Anbei meine Beitrittserklärung.
Der Korrektur-Ausdruck meines Gedichts „kaltzeit“ für die TEXTUR 7 ist vollständig in Ordnung; ich gebe diesen Text hiermit zur Veröffentlichung in Ihrer Zeitschrift frei.
Ich hatte schon vor einiger Zeit an eine Mitgliedschaft im FORUM LITERATUR gedacht. Ich brauchte nur noch einen kleinen Anstoß, den haben Sie mir jetzt gegeben, genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hoffe, dass Sie immerwährender Vorsitzender sind. Ich habe den Eindruck, dass Sie alle die Dinge, die mit Literatur und ihrer Präsentation oder Vermittlung zu tun haben, bemerkenswert feinsinnig handhaben. Schön (zum Beispiel) dass Gerhard Zurbaran, ein sehr schätzenswerter Schriftstellerkollege, jetzt zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Das hat er verdient.
Wieviele Mitglieder hat das Forum Literatur? Gibt es eine Mitgliederliste mit Adressen, sodass ich in Kontakt treten könnte mit den Mitgliedern? (Derzeit denke ich da nur an Gerhard Zurbaran.)
Die Sommerferien gehen mit dieser Woche zu Ende. Am Montag beschäftigen mich wieder die schulischen Dinge. Ich freue mich diesmal besonders auf den Schulanfang, weil ich eine neue Klasse habe (8 bilingual, die behalte ich bis zur 10, also drei Jahre lang), auf die ich neugierig bin. Außerdem bekomme ich einen Leistungskurs Deutsch 12, da bin ich auch gespannt, welche Schüler ich bekomme. Neu ist die 10A in Geschichte, die einzige Klasse, wo ich keine Korrekturen habe. Meine 9 (bilingual), die ich seit zwei Jahren in Deutsch unterrichte und mit der ich ein Theaterstück aufführte, das die Schüler selbst geschrieben haben, behalte ich noch zwei weitere Jahre, bis zur 10. Klasse. Meine guten Grundkurse in Deutsch 13 und Geschichte 13 behalte ich, aber das bedeutet schriftliches und mündliches Abitur in zwei Fächern. Und ich habe wieder einen so genannten Literaturkurs 12, der nur ein Jahr läuft; mit diesem Kurs entsteht ein Theateraufführung im nächsten Jahr. Eine zweite Theateraufführung will ich entweder mit meiner Klasse oder mit der 9 machen, falls die Schüler das initiieren (nur dann!). Also da ist viel zu tun. (Aber wem sag ich das. Ich schätze, Sie sind mit TEXTUR, FORUM LITERATUR und Ihrer Verlagstätigkeit auch voll ausgelastet...)
Wegen der schulischen Arbeit, die aus Überzeugung und Notwendigkeit an erster Stelle steht, wird mein Romanprojekt nur langsam vorwärtskommen. Nur mit Mühe gelingt es mir, die laufenden Ideen, die ich habe, in kleine Erzählungen umzusetzen. Dabei nahm in letzter Zeit der Drang zu, wieder Gedichte zu schreiben. Allerdings bleibt meine lyrische Arbeit unbedeutend. Vielleicht schreibe ich ab und an Gedichte um mich sprachlich zu vergewissern, um das Verdichten nicht zu verlernen, um nur das wirklich Notwendige zu formulieren - von manchem Spiel in meinen erzählerischen Stücken mal abgesehen. Der Roman, den ich jetzt begonnen habe, ist mir das Wichtigste, das ich je schreibe. Wahrscheinlich werde ich nur diesen einen Roman schreiben, auch deswegen, weil ich schon relativ alt bin. Ich bin nicht im Zweifel, dass er mir gelingt, aber ich weiß nicht, wie lange ich daran arbeiten muss. Ich setze mir allerdings eine Frist von (maximal!) 7 Jahren, will aber deutlich früher fertig werden.
Ihnen alles Gute! Herzlichst Ihr Damonte

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