KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Mittwoch, 14. Juni 2017, 20:31
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Salz und Zucker

571. Kolumne


Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Toten oder lebenden Toten sind zufällig, rein zufällig, absichtlich zufällig, zufällig absichtlich, rein absichtlich und nichts als die reine Absicht.




Arthur bestellt sich noch einen zweiten Espresso, denke ich. Die Frauen im Café sind sehr schön.
Ich muss noch einen Espresso haben, sagt sich Arthur, auf einem Bein steht keiner gut, ich schwanke selbst wenn ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden der taumelnden Realität zu stehen glaube. Ich glaube, ich bestelle nachher noch eine Portion Cassata oder Tiramisù. Die Frauen im Café sind wunderschön.
Er fragt sich, denke ich, ob er Cassata oder Tiramisù bestellen soll. Er stellt, wie er so dasitzt, seine Beine fester auf die Erde, als schwanke sie.
Wenn die Erde schwankt, fragt Arthur sich, schwanke ich dann auch? Die Espressotassen sind ja beinahe erdbebensicher, und im stärksten Orkan schwappt der Espresso auch in den Ozeanschiffen nicht aus solchen Tassen, da schwappt in mir viel mehr.
Arthur schwappt über, wenn er so denkt, wie er jetzt denkt, denke ich, als der zweite Espresso kommt. Es schwappt der ganze Text, wenn Arthur überschwappt. Gleich nimmt er die Frau, die die Tasse bringt, und trinkt sie aus in einem Zug. Ob Arthur sich denkt, was ich mir denke? Er sieht mich so an - .
Erst lese ich den schönen Körper, sagt Arthur zu sich in Gedanken, wenn sie mir die Tasse hinstellt und sich biegt. Wenn das kleine Erdbeben wieder geht, lese ich weiter in den anderen Gedanken.
Er spürt, denke ich, während er nun doppelt trinkt mit Mund und Augen, was ich denke.
Was denn sonst, sagt sich Arthur leise. Meinst du, ich kann mir nicht denken, was du dir denkst? ...
Jetzt schaust du aber, meine ich, sehr skeptisch zu mir herüber. Was denkt er sich nur dabei?, frage ich mich.
Ich denke, denkt Arthur, die ganze Zeit darüber nach, was du dir denkst, aber ich habe einfach keine Lust, darüber zu reden, denn sonst verrate ich mich noch.
So belügen wir uns wenigstens nicht, denke ich.
Aber wie sagen wir uns dann die Wahrheit?, denkt Arthur. Wenn wir uns keine schönen Lügen mehr auftischen, fehlt dieser schwankenden Erde das Salz.

Ich verstehe dich nicht, sage ich, kannst du mir noch einmal sagen, was du gerade gesagt hast?
Du hast mir die ganze Zeit nicht richtig zugehört, sagt Arthur, ich sagte, wenn die Frauen so schön sind wie heute, brauche ich keinen Zucker im Kaffee.

-

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(28.07.17)
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 Bergmann (28.07.17)
Ich denke, für den Leser ist alles gesagt. Er kann sich selbst Antwort geben. Wovon distanziert sich Arthur? Es sind zwei fiktive Selbstgespräche, vielleicht parallel/simultan, vielleicht auch in verschiedenen (lokalen bzw. zeitlichen) Dimensionen. Arthur ist in einem entrückten Zustand, in dem er trotzdem oder deswegen zu philosophieren scheint. Das fiktive alter ego muss sich selbst die Antwort geben - bzw. der Leser.
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