Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 23. August 2012, 10:46
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Zum Tod von Tony Scott

von  Dieter_Rotmund


Der Tod von Regisseur Tony Scott (nicht zu verwechseln mit seinem älteren Bruder Ridley, ebenfalls Regisseur) hat in Deutschland nicht allzu viel Wellen geschlagen. Ein kurzer Nachruf in den Tagesthemen, ein gut geschriebener Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Woran liegt das? Kürzlich starb ein Trallalasternchen, die den Alkoholismus bereits im Namen trug an ihrem ausufernden Drogenkonsum und ein Aufschrei ging durch die Nation. Wenn Popmusikanten sterben, eben meist durch irgendeinen Kokain-Medikamenten-Mix, dann gibt man sich kollektiv betroffen.
Die Art, wie Tony Scott "aus dem Leben schied" passt zu ihm: Er sprang von einer Brücke. Das ist bei diesem Actionfilmregisseur nur auf den allerersten Blick zynisch. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, das da einer zeigen wollte, dass es tatsächlich ein bewußt gewählter Suizid war und kein Versehen.
Tony Scott war keiner dieser Künstler in affiger Verkleidung, sondern ein "Schaffer", wie man in Sudwestdeutschland gerne sagt. Er schaffte Actionfilme. Keine mit doppelten Boden, aber ordentliche bis sehr ordentliches Werke. Eine emotionale Bindung zum Publikum entsteht dadurch nicht, vielleicht ist das ein weiterer möglicher Grund für die eher geringe mediale Resonanz zu seinem Ableben. Seine Filme werden so schnell nicht vergessen werden, es sind verlässliche Stationen für den Actionfilm-Fan.
Zwei Filme sind mir persönlich gut in Erinnerung geblieben, weil bei ihnen nicht so sehr die Action, sondern mehr die Protagonisten im Mittelpunkt standen. Zwei Filme, bei denen es Paare gab, die nicht pausenlos aufeinander schossen, sondern echte Gegenparts waren. The Fan aus dem Jahre 1996, in dem der titelgebende Anhänger, gespielt von Robert de Niro, seinem Idol (Wesley Snipes) zu nahe, sehr nahe kommt. Der andere ist Spy Game aus dem Jahre 2001, ein Katz und Maus-Spiel zweier "sexiest man ever"-Schauspieler (Robert Redford und Brad Pitt) aus verschiedenen Generationen, im Leben wie in diesem Film, in dem sie Geheimagenten spielen. Eher eine Komödie als ein Actionfilm.
Ich gebe zu, seit Dejá Vu (2006), ein gelungener, leider wenig beachteter Sciencefiction-Film, habe ich kein Tony-Scott-Werk mehr gesehen. The Taking of Pelham 123 wollte ich mir lieber doch bei Gelegenheit im Original (Joseph Sargent, 1974) anschauen. Nun ja. "Irgendwann ist Schluss" soll, um wieder zu den Tagesthemen zurückzukommen, Hanns Joachim Friedrichs kurz vor seinem Tod (1995) gesagt haben.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 BLACKHEART (23.08.12)
Ich muss gestehen, dass mir der Name Tony Scott erst nichts sagte. Als du sagest, dass er der Bruder von Ridley Scott sei und Actionfilme gedreht hat, wurde ich neugierig. (Bin schließlich mit Actionfilmen und -stars wie Schwarzenegger, Stallone, Van Damme oder Willis groß geworden.)
Aber als du dann "The Fan" erwähntest, hatte ich endlich ein Bild vor Augen. Einfach, weil ich finde, dass "The Fan" einer der besten Psycho-Thriller überhaupt ist und Robert DeNiro als "Gil" einfach nur brilliant. Seinem Monolog vom Anfang des Films mag man noch weitesgehend zustimmen. Hört man ihn dann erneut im Laufe des Films, hat sich das grundlegend gewandelt. So etwas kriegen nicht viele Regisseure hin. Zumindest nicht mit dieser Intensität (zumindest kam es mir so vor, als ich den Film das erste Mal sah).
Ich werd jetzt mal nach weiteren Filmen von Tony Scott Ausschau halten. Kannst du mir vielleicht welche (insbesondere aus dem von dir hervorgehobenen Action-Genre) empfehlen?

 Dieter_Rotmund (23.08.12)
Neben Dejá Vu, der ja ebenfalls viel Action enthält hat mir Man on Fire (2004) noch gut gefallen: Handlung eigentlich banal, aber sehr überzeugende Umsetzung.
Die zwei Filme, die er mit "Hackfresse" Tom Cruise gemacht hat, kann ich wirklich nicht empfehlen, nicht nur wegen des Hauptdarstellers, sondern wegen der Sujets. Domino (2005) habe ich mir angesehen, weil mich die Amazonen-Hauptfigur interessiert, ich war dann aber noch etwas enttäuscht. Viele finden Enemy of the state (1998) noch gut: Nun ja, wer zusehen mag, wie Gene Hackman Will Smith an die Wand spielt...

 BLACKHEART (24.08.12)
Habe gerade mal nachgeschaut. "Domino" hab ich auch in meiner Sammlung. Finde den eigentlich nicht schlecht. Zumal er ja auf wahren Begebenheiten beruht.
Zumindest namentlich sagen mir die anderen Filme auch alle was, wenngleich ich noch keinen davon gesehen habe.
Aber ich mache einen Film auch nicht davon abhängig, wer ihn gedreht hat. Mich interessiert in erster Linie die Story.
Ach ja, danke für die Tipps.

 Secretgardener (27.08.12)
Die Leute hinter den Kameras haben schon berufsbedingt weniger Bekanntheitsgrad und meist zieht es sie nicht sonderlich in die Öffentlichkeit, von daher finde ich es nur natürlich, dass es weniger Aufmerksamkeit macht; zumal er in letzter Zeit nicht viel von sich reden machen liess.
Klar ist es schade um ihn, aber aufgrund seiner Krankheit, nachvollziehbar; er wollte die Kontrolle über das Ende haben.
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