Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Dienstag, 03. Dezember 2013, 16:14
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Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu

von  Dieter_Rotmund


Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu, Spielfilm UK/GER 1966

Sofa. 'Ne Buttermilch. Gestern abend habe ich mir nach dem Laufen den Film Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu angesehen. Von der Festplatte meines TV-Rekorders, irgendwann vor Wochen bei 3Sat aufgezeichnet. Ob ich die Originalfassung oder die deutsche Synchronfassung angesehen habe, weiß ich nicht, ich bin mir bei dieser deutsch-britischen Koproduktion nicht einmal mehr sicher, ob es überhaupt eine Fassung gibt, die die Bezeichnung "Originalfassung" verdient. Es spielen gleichermaßen deutsche wie britische Schauspieler mit. Der Eintrag auf Wikipedia ist wieder einmal unzureichend, was die Editionsgeschichte des Werks betrifft. Ich finde nur die Anmerkung, dass die deutsche Fassung ("d.V."?) neun Minuten kürzer sei... Was auch immer das bedeuten mag.
Nun, so ist das halt, wenn man irgendwas aus'm Fernseh'n guckt. Oft gibt es ja nicht einmal einen Videotext-Text dazu, oder einen offentsichtlich falschen. Aber der Titel machte mich dann doch neugierig: Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu. Wen nicht? Um es gleich klarzustellen: Es geht in diesem Film nicht um Sex, auch wenn der Titel dies andeuten könnte. Gleichwohl geht es um Macht, die angesprochenen "13 Sklavinnen" sind mehr Geiseln als Besitztümer und Mittel zum Zweck.
Ich möchte mein Fazit vorausschicken: Ein großartiger, faszinierender Film, vor allen sehr charmant! Zugegeben: Die Schlägereien sind albern und es sind zu viele, sehen aus wie Pausenhof-Raufereien und keiner trägt irgendwelche blaue Flecken davon, niemals. Aber sonst: Toll! Der Bösewicht, dieser Dr. Fu Man Chu: Grandios! Wo hat er in was promoviert? Globaler Sadismus? International Catastrophy Affairs? Geschichte der Weltbeherrschungsfantasien?
Christopher Lee, ja der Christopher Lee, der heutzutage in den dämlichen und völlig überfrachteten J.R.R. Tolkien-Verfilmungen den "bösen Zauberer" (schnarch) Saururumann, (oder so) verkörpert, war der titelgebende Bösewicht. Und was für einer! Steingemeißeltes Zentrum des Films, der im "Anti-Libanon" (ein Gebirge) in einer Art ägyptischen Gruft haust und dort - ganz fortschrittlich - eine fiese Hightech-Waffe entwickelt. Besser als Kollege Dr. Mabuse, mit dem er immerhin das Setting eines London teilt, wie sich die Deutschen London in den 1960er Jahren wohl vorstellten.
Die Frauen, zumindest die wilden 13, bei Fu Man Chu zuhause immer leicht bekleidet, sonst züchtig, sind anfangs nur Ehefrauen und Opfer. Aber sie zetteln zum Schluss dann doch noch eine veritable Revolte an - die sie natürlich schlußendlich nur mit Hilfe der herbeileilenden Männer gewinnen. Anyway, man (also ich) sympathisiert schon nach kurzer Zeit mit Dr. Fu Man Chu, weil die Gegenspieler von geradezu erbärmlicher Heldenhaftigkeit sind. Z.B. Heinz Drache! Den hätte man wirklich bei den doofen "Edgar Wallace"-Filmen lassen sollen, die zwar Ähnlichkeit mit Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu haben, aber dank Christopher Lee bei weitem nicht deren Klasse. Lee reisst es raus. Eine Präsenz wie der lebhaftige Thantos.
Schon allein der Gedanke, die Friedenskonferenz der "führenden Staatsmänner der Welt" bei einem "Eröffnungsgottesdienst" (sic!) in die Luft zu sprengen, herrlich. Unschlagbar, welchen Charme die Idee heutzutage hat!
Wie ich erfuhr, gibt es noch weitere vier Filme mit Christopher Lee als Dr. Fu Man Chu... Klasse! Ich wünschte nur, ich könne sie im Kino sehen...

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Matthias_B (05.12.13)
In "Die Schlangengrube und das Pendel" hat Christopher Lee auch eine nette Rolle (Graf Regula).

 Didi.Costaire (05.12.13)
Versuche, die Mabuse-Thematik wiederzubeleben, hat einige skurrile Werke hervorgebracht, neben den fünf Filmen mit Dr. Fu Man Chu Titel wie "Dr. M schlägt zu (Der Mann, der sich Mabuse nannte)", "Die Todeskarten des Dr. Schreck" oder "Die neun Leben des Tomas Katz". Kinos kann man damit nicht füllen. Die aufgezeichneten Videos mal wieder einzulegen, wäre allerdings eine gute Idee für lange Winterabende.

 Dieter_Rotmund (05.12.13)
Ein alter Freund schrieb mir, nachdem ich auch ihm meine Begeisterung mitgeteilt hatte:
[Aus literaturgeschichtlicher Sicht ist dieser Verbrechertypus ("Fu Manchu") übrigens weder von Sax Rohmer, noch von Norbert Jacques ("Doktor Mabuse"), sondern von Guy Newell Boothby erfunden worden, dessen Figur "Doktor Nikola" heißt; meines Wissens sind diese Romane aber nicht verfilmt worden.
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