Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 20. Februar 2014, 13:03
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Böse Mienen zum bösen Spiel

von  Dieter_Rotmund


Über Gaslight, Regie George Cukor, USA 1944

Gaslight, so der Originaltitel, ist einer der wenigen Fälle, in der der deutsche Titel ebenfalls Charme und Anziehungskraft hat: Das Haus der Lady Alquist lautet er. In diesem recht zeitlosen (was das Entstehungsjahr betrifft) Psycho-Thriller geht es um ein Paar (Charles Boyer und Ingrid Bergmann als Gregory Anton und Paula Alquist). Es zieht nach den Flitterwochen nach London in das im deutschen Titel genannte Haus.
Dass die Sache stinkt, wie man heutzutage gerne sagt, merkt der aufmerksame Zuschauer recht bald. Es ist, wie so oft damals, ein Film zum Beobachten. Ein Film für einen aufmerksamen Zuschauer, den es hoffentlich noch gibt?
Schwarz-Weiss ist Gaslight und hat dennoch keine Patina angesetzt, denn er spielt Ende des 19. Jahrhunderts und hat keine Ambitionen das Kriegsjahr 1944 zu reflektieren. Obwohl Cukor ein ausgewiesener Musical-/Leichte Komödien-Regisseur ist, erinnert Gaslight stark an Hitchcocks Machart. Zu Vorteil für Gaslight. Man hat den Eindruck, der „Meister des Suspense“ hätte es nicht anders gemacht.
Das Werk wird zu einem Art Wettkampf im Mienenspiel zwischen Boyer (den ich schon mal mit Claude Rains verwechselte) und der Bergmann. Boyer führt bis kurz vor dem Ende weit nach Punkten, dann kann sie, die gebürtige Schwedin, tüchtig aufholen. Es macht einfach Spaß, sich das anzuschauen. Zumal Gaslight ein tollen Spannungsbogen aufbaut, mit Joseph Cotton (der aus The Third Man, nein, nicht Orson Welles, der andere!) als Boyers Antagonist, dem die Zeit davonzurennen scheint.
Ja, die Bergmann. Eine, die hervorstach und fleissig Filme macht, was beim damaligen Studiosystem, wo die Schauspieler quasi Leibeigene waren, nicht einfach war. Da wurde man aus rein wirtschaftlichen Überlegungen schonmal mitunter einfach ein Jahr auf Eis gelegt. Mir ist sie besonders durch Spellbound (1945, nicht ihr allerbester Film, aber dennoch) und For Whom the Bell Tolls (1943) in Erinnerung geblieben. Jaja, ich weiss, Casablanca hat sie auch gemacht, ich würde aber gerne zum Beispiel mal ihre Darstellung der Jeanne d'Arc in Joan of Arc (1948) sehen. In einem Programmkino meiner Wahl. Bitteschön.

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