Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Mittwoch, 29. Oktober 2014, 17:29
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In zwei sehr unterschiedlichen Filmen: WHO AM I und BORGMAN

von  Dieter_Rotmund


Über Who am I von Baran bo Odar (D 2014)

Who am I tritt nolens volens mit dem Anspruch an, die Nachfolge von 23 (D 1998, Regie Hans Christian Schmid) zu sein. Damals: August Diehl als paranoider Karl Koch und Jan-Gregor Kemp als Lupo und Modems mit aufgesetzten Telefonhörern.
Who am I fand seinen Weg in die Multiplexkinos unseren Landes und so dürfte das 16 Jahre alte 23 den aktuellen 16jährigen Kinobesuchern nicht bekannt sein. Im Grunde ist der Film dort auch gut aufgehoben, denn das im Grunde im knapp gehaltene Programm wird dort angesehen, völlig unabhängig von der Qualität. Kurz: Who am I ist ein Werk der verschenkten Möglichkeiten, in dem die Hauptfigur (Tom Schilling) derart überzeugend einen schnöseligen Unsympathen spielt, dass man schwer bis gar nicht warm mit dieser Figur wird. Hannah Herzsprung passt ebenfalls nicht in die Rolle einer typischen Jurastudiums-Schnake, wie sie zunehmend überall unangenehm auffallen. Richtig gut ist einzig Wotan Wilke Möhring als Adrenlin-Junkie, der das übrige Ensemble locker an die Wand gespielt hätte, hätte seine Figur nur ein wenig mehr Raum bekommen. Who am I ist ein bestenfalls leidlich unterhaltsamer Internet-Thriller mit vielen Schwächen. Ein Film, der Nerds und Geeks gefällt, weil er deren alberne Wertvorstelllungen erfüllt (Z.B. das Erreichen eines nächsten Spielelevels sei eine irgendwie relevante Leistung) und ebanfalls eine gewisse Gutmenschen-Attiüde erfüllt. Die Netzwerkaktivisten, die Helden unserer Zeit, jaja! Jeder halbwegs erwachsene Mensch fragt sich: Was soll das? Als gebe es keine spannendere Sachen zu erleben, als der beste Programmierfuzzi mit Karnevalsmaske von alle pickeligen Programierfuzzis mit Karnevalsmaske zu sein. Das größte Manko kommt zum Schluss, es ist die Lüge, man könne im Netz Freunde und eine schöne Frau für's Leben finden.

Über Borgman von Alex van Warmerdam (NL/BEL/DK 2014)

Gibt es neben uns eine Parallelgesellschaft, eine ebenso aktive wie extrem gut organisierte Gruppe, der es nicht um Geld, sondern um eine temporäre, sozial-familiäre Kontrolle geht, die die bürgerliche Zivilgesellschaft vielleicht nicht erschüttert, aber doch in ihren Einzelzellen (=Familien) untergraben und dann auslöschen kann?
Nein, es gibt sie natürlich nicht. Aber van Warmerdam macht hier einfach gekonnt Fiktion und zieht den Zuschauer in den Bann. Man weiß so gut wie nie, was als Nächstes passiert. Herrlich. Nichts für Ich-möchte-aber-bitte-alles-haarklein-erklärt-haben-zum-Schluss-Seher.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(01.11.14)
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