Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 19. November 2015, 09:31
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Beschaulich- & Erbaulich- & Monströses

von  Dieter_Rotmund


A walk in the woods, USA 2014, Regie Ken Kwapis

Der deutsche Verleih übernahm hier den trotteligen Titel des deutschen Buchtitels, den ich hier nicht wiedergeben möchte, weil ich hier nicht zu Trotteln spreche, sondern ich möchte lieber der weitaus besseren Originaltitel A walk in the woods verwenden. Um den geneigten Leser jedoch nicht ganz allein im Wald zu lassen, unwissend darüber, was das für ein Film sei: Auf dem Plakat dieses aktuellen Films stehen sich Robert Redford und Nick Nolte, beide in Wanderer-Kleidung, gegenüber.
A walk in the woods ist ein beschaulicher Film mit harmlosen Späßen über eine ehemalige und nun vielleicht wieder erstarkende Männerfreundschaft zweier alter Säcke (anders kann man es nicht nennen), die - natürlich - sehr unterschiedlich sind. Diese Unterscheidlichkeiten und Witze über Wanderer und deren Gepflogenheiten sind der Kern von A walk in the woods. Man kann, wenn man will, aber auch folgenden Aspekt erkennen: Der Film ist - zumindest stellenweise - ein Werk darüber, wie sehr es die US-Amerikaner verlernt haben, ihre eigene Heimat zu Fuß kennenzulernen. Schlüsselszene dazu ist, als Bryson (Redford) beim Versuch, zu Fuß zum Supermarkt auf der anderen Straßenseite zu kommen, scheitert. Katz (Nolte) hingegen gelangt erfolgreich zum Supermarkt - weil er ein Taxi nimmt.
Bei allen Witzchen, die in A walk in the woods über Wanderer gerissen werden, es ist doch ein gewissen Neid darin zu spüren. Neid auf diejenigen, die gelassen genug sind, ihre Umgebung, ihr Land per pedes zu erkunden.

Les héritiers, deutsch Die Schüler der Madame Anne
F 2014, Regie: Marie-Castille Mention-Schaar

Ja, er ist schon sehr erbaulich, dieser französische Film. Aber es mag einem dort oft das große Kotzen kommen, wenn man sieht, wie die achso verkommenen Jugendliche an der ach so edlen Sache zum achso edlen Zwecke zusammenfinden, nur um dann den achso edlen Sieg in enthemmter Selbstüberschätzung zu feiern, als sei damit die Welt gerettet. Sie ist es nicht.
Les héritiers ist ein in (leider unausgeführten) erzählerischen Nebensträngen unterhaltsamer Film, der in seiner eigenen Gutmenschenattitüde ertrinkt. Starke Momente hat der Film, fürwahr, doch vergeudet sind sie für den edlen Zweck, "pädagogisch wertvoll" zu sein.

Macbeth, Großbritannien/Frankreich/USA 2015, Regie: Justin Kurzel

O full of scorpions, is my mind.(Macbeth). Den ein oder anderen Monolog hätte man in diesem Film ruhig etwas kürzer machen können. Und man fragt sich, um was die sich da streiten, die Köpfe einschlagen und royale Titel vergeben: da wächst nichts und es regnet auch noch durch die Decke.
Aber das ist Jammern auf hohen Niveau. Macbeth in dieser Spielfilminszenierung eines australischen Regiseurs ist bildgewaltig, berauschend, atemberaubend. Die Musik klasse. Michael Fassbender als Macbeth: monströs.

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 FRP (19.11.15)
"Der Film ist - zumindest stellenweise - ein Werk darüber, wie sehr es die US-Amerikaner verlernt haben, ihre eigene Heimat zu Fuß kennenzulernen. Schlüsselszene dazu ist, als Bryson (Redford) beim Versuch, zu Fuß zum Supermarkt auf der anderen Straßenseite zu kommen, scheitert und als Katz (Nolte) erfolgreich zum Supermarkt gelangt, weil er ein Taxi nimmt".

Ein anspruchsvoller, indes auch unglücklicher Satz. Wenn Du jedoch länger darüber nachdenkst, wirst Du zu der Erkenntnis gelangen; dass nach dem Wort "scheitert" unbedingt ein Komma zu stehen hat.

Weil: Steht es nicht da, implizierst Du Deinem geschätzten Leser (da sind wir nun bei meiner Person), dass von Dir besagter Bryson offenbar im Taxi eine Art Metamorphose durchmacht; seine ethnologische- und vielleicht auch religiöse Zugehörigkeit wechselt, und als (möglicherweise der) Katz aus der Serie "Katz & Co." mirakulös im Suoermarkt auftaucht. Bryson für immer verloren.

Auf der völlig sicheren Seite wärst Du, wenn Du das oben eingeführte Wort "Szene" noch einmal in den zweiten Teil heran holen würdest, entweder direkt; oder indirekt etwa so:" kommen, scheitert, und jene, als Katz (Nolte) erfolgreich zum Supermarkt gelangt, weil er ein Taxi nimmt".

Ach so: "Achso" wird gar nicht zusammen geschrieben. In der Tat eine schwierige Sache, dann so jene beabsichtigte, postulierte Scheinheiligkeit ausdrücken zu können. Ich versuche es manchmal so: .... der ach! so betroffene Protagonist ...

Gern gelesen

 Dieter_Rotmund (19.11.15)
Danke für den ausführlichen Kommentar! Schön, dass diese Kolumne gelesen wird.
Aus dem problematischen Satz habe ich zwei gemacht - er war sowieso zu lang. "Achso" habe ich mal so gelassen, ist ja nur Umgangssprache...

 Dieter_Rotmund (19.12.15)
So ist es. Es kann halt nicht immer Haneke sein.
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