Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Freitag, 09. Oktober 2020, 09:58
(bisher 562x aufgerufen)

Nachts im Museum

von  Dieter_Rotmund


Die bekannten Museen dieser unserer Zeit haben einen großen Nachteil: Sie sind meist völlig überlaufen. Das berühmte Musée du Louvre in Paris zum Beispiel zählt 30.000 Besucher - pro Öffnungstag. Zum Vergleich: Ein Naturschutzzentrum mit vielfältigen Ausstellungs- und Führungsprogramm in der Nähe meines Wohnortes im Wald gelegen, hat etwa 30.000 Besucher - pro Jahr, und das ist ein sehr guter Wert für einen durchschnittlichen Ausstellungsort. Wer unter 10.000 kommt, macht irgendwas grundsätzlich falsch, so eine Faustregel.
Doch zurück zum Thema. Das Louvre-Museum ist so überlaufen, dass man dort eigentlich nur nachts ein Filmprojekt vernünftig umsetzen kann. Die Macher von A Night at the Louvre: Leonardo da Vinci (2020) haben genau aus der Not eine Tugend gemacht und dies umgesetzt: Die äußere Klammer des Films ist eine Aussenansicht der Glaspyramide im Innenhof, am Anfang in der Abenddämmerung, zum Schluss im Morgenschein. Dazwischen sind aber nicht nur irgendwie lusltlos abgefilmte Ausstellungstück, um museumspädgogisches Blabla aus dem Off, zu sehen. Vielmehr wird dem Kinogänger die Entwicklungsgeschichte der Werke von Leonardo da Vinci aufgezeigt. Nach dem chronologisch aufgebauten Teil kommt das weltberühmte Mona Lisa-Gemälde dran. das wirkt zunächst etwas aufgesetzt, wie ein unfreiwilliges Zugeständnis an den Kinogänger, der sich vielleicht anderenfalls beklagen würde, dass das Gemälde überhaupt nicht vorkommt. Tatsächlich gibt dieses Werk kaum Aufschluss über da Vincis Werkentwicklung. Das Mona Lisa-Anhängsel schließt jedoch überraschend geschmeidig an. Die gesamten 90 Minuten Filmlänge wirken überhaupt sehr kurzweilig. Man ist dankbar dafür, dass man als Kinogänger das Museum gefühlt exklusiv für sich hat und die Erläuterungen unaufdringlich persönlich sind - das ist natürlich ein schönes Gefühl. Noch erfreulicher ist, dass es überhaupt keine synchochronisierte Fassung gibt, sondern sogar das Multiplexkino diesen Film in OmU anbietet.

Außerdem im Kino gesehen: Persischstunden, (Russia / Germany / Belarus 2020). Mit Lars Eidinger.

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 eiskimo (08.10.20)
Es ist Le Louvre, entsprechend müsste man sagen DER Louvre.
Nichts für ungut!
Eiskimo

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 09.10.20:
Danke für den Hinweis, hab's geändert.
blackdove (37)
(09.10.20)
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 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 09.10.20:
Thomas Bernhards "Alte Meister" schon gelesen?
blackdove (37) schrieb daraufhin am 09.10.20:
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 Dieter_Rotmund äußerte darauf am 09.10.20:
Ja, exakt genau so erging es mir vor ca. 10 Jahren: Ich dort, der Tintoretto irgendwohin ausgeliehen.
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