Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Montag, 23. Januar 2023, 14:08
(bisher 16x aufgerufen)

Mad Heidi (Swissploitation)

von  Dieter_Rotmund


Vorab muss ich eingestehen, dass ich mit dem sog. Exploitationsfilm kaum vertraut bin. Dieses Subgenre ist sicherlich für die Kulturwissenschaft nicht ganz uninteressant (an dieser Stellen sollte man vielleicht Russ Meyer als bekannteste Persönlichkeit erwähnen), aber mir fehlt da einfach die Seherfahrung. Vor Mad Heidi (CH 2022) habe ich vielleicht zwei Exploitationsfilme gesehen, in jüngerer Vergangenheit wird dieses Genre hier und da auch mit weitaus größeren Budgets bedient (z.B. sah ich einst Grindhouse - Death Proof im Kino, wobei dies eher eine Exploitation-Hommage zu sein scheint). Grundsätzlich habe ich nichts gegen Trashfilme, aber ich mag keine Filme, die einfach lieb- und herzlos runterproduziert sind.
Mad Heidi sehe ich inhbaltlich eher in der Tradition von Iron Sky (Finnland u.v.a. 2012, deren Produzent Tero Kaukommaa auch Produzent von Mad Heidi ist) - und Iron Sky mag man nennen wie man will, aber ein Exploitationsfilm ist er nicht. 
Schon zu Beginn überbetont Mad Heidi, dass er eine Art Crowdfunding-Produkt/Projekt vieler Film-Liebhaber sei - eben wie auch Iron Sky. Dem aufmerksamen Betrachter entgeht jedoch nicht, dass das Medienunternehmen SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) als Beteiligter am Anfang und am Ende des Films genannt wird. Das muss aber kein Manko sein, warum auch? 
Eine kurze Inhaltsangabe spare ich mir an dieser Stelle, sie gibt es im Netz zuhauf. Wichtig ist vielleicht nur zu wissen, dass der Film einige typische Merkmale des Exploitationsfilm in sich trägt, also zurecht als ein solcher bezeichnet werden kann.
Literaturwisssenschaftlich gesehen kann man sich natürlich fragen, ob der Film eine Bereicherung des Heidi-Themas ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Mad Heidi sit ein starker Gegenentwurf zur Johanna Spyris Figur von 1880, dem dortigen idyllischen Idealbild der Schweiz und ihrer Einwohner. Warum auch nicht? Der Versuch dieses Gegenentwurfs finde ich durchaus gelungen, auch wenn der Film einige Schwächen hat: Einige wichtige Figuren und Hintergründe werden kaum erklärt und verschwinden schnell wieder (Wer ist diese Helvetia? Woher kennen sich Rottweiler und Rüttli?) und insgesamt entwickelt der Film keinen guten Rhythmus. Es wird ein Feuerwerk nach dem anderen abgebrannt, Mad Heidi fehlen hier und da ruhigere Passagen, damit er das danach kommende Feuerwerk gekonnt abfeiern kann.  
Trotz aller Kritik möchte ich aber abschließend feststellen: Ich hatte mit Mad Heidi wieder einen sehr schönen Kinoabend. Nicht nur ich, denn das Kino war gut gefüllt - einen Film wie diesen kriegt man nun mal nicht oft auf der Kino-Leinwand zu sehen. Tipp: Dazu alkoholische Getränke konsumieren!

 Heidi: Rest in cheese, bitch!

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram