Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 15. März 2012, 07:04
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Irrer Iwan – 129 Minuten

von  Dieter_Rotmund


Gastkolumnistin  Nimbus über John McTiernans The Hunt for Red October.

Neulich lief „Jagd auf roter Oktober“. Der Film wurde 1990 gedreht und demnach ist er nichts Neues mehr. Die meisten Personen, die nicht irgendwo auf der Suche nach Selbstfindung im anti -zivilistischen Nichts leben, dürften den Film kennen. Doch ich liebe ihn, wenn er auch nicht mehr unbedingt der Aktualität entspricht.

Ursprünglich sollten andere Schauspieler für den Film eingesetzt werden. Statt Alec Baldwin, der glänzt, in der Rolle des Jack Rayns, einem CIA Agenten, sollte Kevin Costner eingesetzt werden. So als Frau gesprochen, vielleicht nicht für jede, bin ich schon mal froh, dass es Baldwin war, der zu dem Zeitpunkt noch sehr ansehlich war. Um nicht zu sagen sexy. Allerdings bin ich da wohl nicht unbedingter Standard, denn was ich sexy finde, hat viel mit Intelligenz zu tun. Daher ist für mich der Film „Jagd auf roter Oktober“ ein sehr sexy Film. Was nichts mit Bildvergleichen zu tun hat!

Es gibt ein paar Fakten in dem Film, und ich glaube, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, habe ich das Brockhaus Lexikon herausgesucht, sowie den Duden, um das ein oder andere nachzuschlagen. Ich habe schon öfter erzählt, das ich Picknick beim TV-Sehen veranstalte, dass ich mitlebe, von der Couch springe, aber dass ich manchmal bis zu vier Bücher neben mir liegen habe, um irgendwas nachzuschlagen, habe ich bislang dezent verschwiegen. Ich höre auch von KV-Insidern das amüsierte Lächeln, die sich nun vermutlich fragen, warum ich den Duden nicht öfter zu rate ziehe. Tue ich, nur eben in anderen Belangen, als es vielleicht mal angebracht wäre.

Es gibt gewisse Fliegerfilme, vermutlich kenne ich die meisten, so als gewollte, aber ehemalige Fliegerin. Es gibt so viele Filme, die Physik in Fantasie umzuwandeln wissen. Da ich mir nicht immer ganz sicher bin, oder es einfach noch mal genau wissen will, krame ich dann in meinem Bücherregal und suche den Kassera heraus. Das ist ein Segelfliegerlehrbuch, ja, ist ja gut, das sagt nicht all zuviel über Turbinen oder die Hydraulik aus. Aber auch das bekomme ich dann noch heraus. Es geht eben oft einfach um die Physik, die Filme auf den Kopf stellen. Ich wollte wissen, wie „wahr“ der Film, in gewissen kämpferischen Manövern an Fiktion dran war, oder eben doch mehr dran war…

So war ich gefesselt von einem Film. Ein Film mit brillanten Schauspielern und mit einer Geschichte, die zwar weit von der ursprünglichen Romanvorlage abweicht, einem aber die Vorstellung ermöglicht, wie der Kalte Krieg war.

Der Anfang des Filmes sagt knochentrocken, laut Regierungen ist all das nie passiert. Ein Skeptiker und Denker bezweifelt natürlich sofort die Aussage und denkt, alles wäre echt, aber wer würde das schon zugeben? Wäre es auch wirklich so unreal?

Ein U-Boot, das ausläuft, mit einem nahezu lautlosen Antriebssystem, auch Raupensystem genannt, laut Fachausdruck, magnethydrodynamischer Antrieb, ausgestattet mit Atomwaffen, wird als Erstschlagwaffe bezeichnet.

Denn sie könnte ungehört, unbemerkt einfach vor den USA parken und einen Erstschlag, quasi unbemerkt veranstalten. Es gibt Kritiker, die hingehen und diesen Film in Anbetracht der poltschen „Jetzt“ Situation als antiquiert ansehen. Ich hoffe inständig, dass dies der Fall ist. Aber dennoch lässt der Film kaum an Intelligenz, noch an Spannung zu wünschen übrig.

Ein Exzentriker, ein Denker, ein Mann sagt, dass der Kapitän überlaufen will. Ein Film, der reine Taktik eines eventuellen Falles aufweist, wenn es so einen Fall gegeben hätte. Außergewöhnliche Charaktere, die mit Fingerspitzengefühlt agieren. Denken und Intuition. Kalter Krieg hautnah präsentiert auf einer Basis die schon eine Kunstform darstellt…

Eben aufgrund von einer Feinfühligkeit des Denkens, die mit Sicherheit regulär kaum so von statten gegangen wäre. Ein Film, der eine Schachpartie ist und fesselt. Ich kann eigentlich jede Passage auswendig mitquasseln, es gibt Menschen, die meinen, es fehle dem Film an Logik, er wäre lückenhaft und schwer nachzuvollziehen.

Ich habe keine Ahnung von Manövern, klassischer Kriegsführung oder ähnlichen, aber mir kommt der Film schon sehr logisch vor, obgleich es laut Angaben niemals ein U-Boot mit Raupenantrieb gab, aber der Raupenantrieb als solches, den gibt es wirklich, ebenso die U-Boote der Typhon Klasse. Der Typ sei jedoch angeblich in echt verschrottet sein. Aber weitgehend kann ich den Film nachvollziehen, von Manövern, die ich aber kapiere oder Fachausdrücken mal abgesehen.

Der Film geht auf den einzelne Menschen genauso ein, als auch auf zwei Nationen. - Es gibt gewisse Streitigkeiten, intern. Auch das amerikanische U-Boot, was dem russischen folgt, weil es den Raupenantrieb als „Magmaablagerung“ identifiziert, eine Computerfehlleitung… doch das U-Boot gab es in der Form wirklich.

Der Agent, der sich für Ramius, dem U-Boot Kapitän einsetzt (gespielt von Sean Connery) betitelt sich selber als „entbehrlich“. Niemand glaubt ihm die Idee des Überlaufens, aber man gibt ihm die Chance es unter Beweis zu stellen. Etwas, was ich sogar im „Echt-Fall“ für realistisch halte, denn wer will schon einen atomaren Erstschlags, der wohl mehr kostet als ein Theoretiker, der die Praxis selber übernimmt.

Dafür beißt er sich quasi selber in den Hintern und meinte kurz vor einem massiven Stunt, von einem Hubschrauber auf ein U-Boot zu gelangen, dass er nächstes Mal nur einen Aktenvermerk machen würde.

Die Navigation durch das sogenannte Neptun Massiv ist ausgesprochen spannend, genau, wie die ganze Story. Die Überläufermannschaft täuscht einen Reaktorunfall vor, um die Besatzung im Zweifelsfall unter Vorgauklung falscher Tatsachen problemlos vom U-Boot zu „schleusen“.

Ramius hatte dummerweise angekündigt, was er vor hatte. Die Russen sind in Panik geraten und tun einem Diplomaten gegenüber so, als ob es eine Rettungsaktion ist. Die sie später umwandeln, und behaupten, dass Ramius durchgedreht sei.

Es seien so viele Sonarbojen (Körper, die vom Flugzeug abgeworfen werden und mit Unterwassermikroskopen ausgestattet sind, um Schallquellen oder U-Boote ausfindig zu machen) das man von Grönland über Schottland nach Island zu Fuß gehen könnte, ohne nasse Füße zu bekommen. Das war die etwas typisch amerikanische Ausdrucksweise der US-Diplomaten, der wissen wollten, was los sei.

Mein Lieblingsspruch des Filmes, der mir einen komischen Text eingeheimst hat http://www.keinverlag.de/texte.php?text=321701, ist, dass ein Russkie nicht ohne Plan auf's Klo geht.

Fakt ist aber, dass der ganze Film einen hat, von einem Manöver, dem irren Iwan.

Das heißt theoretisch: „Bei diesem Manöver, das sowjetische U-Boote auf Patrouille oft durchgeführt haben, sind die sowjetischen Kapitäne in gewissen zeitlichen Abständen ein seitliches Ausweichmanöver gefahren. Dabei werden häufig Kombination geometrischer Figuren wie Achten und Schlangenlinien mit und ohne Tiefenänderung gefahren. Nur selten besteht ein "Irrer Iwan" aus nur einem Vollkreis (wie es gern in einschlägigen Medien dargestellt wird). Bei diesen Manövern wird nicht selten versucht, den Bereich direkt hinter dem Boot zu befahren, um durch die Gefahr einer Kollision das verfolgende Boot auf Distanz zu halten.“

Der Film ist geistig, diplomatisch, bis zur Auflösung irgendwie wie ein „Irrer Iwan“ Denn nichts scheint gewiss… auch nicht, ob man verfolgt wird oder nicht… Wenngleich sich manchmal die Frage stellt, wer verfolgt wen.

Auch, wenn er als nicht mehr aktuell aufgrund der politischen Situation ist, empfehle ich ihn, und habe diese Kolumne nochmals als Grund genommen, den Film erneut zu sehen. Alleine jeder Dialog ist hörenswert – inklusive der Träume von Montana… -

Ein U-Boot Crewmitglied träumt von einer knackigen Amerikanerin, einer Kaninchenzucht und will mit dem Wohnmobil die Welt umreisen… Ob sie das gestatten würde…

Wenn der Cowboy aufläuft, so bezeichnet Ramius eigentlich seinen „Retter“… Gibt’s irgendwo wieder einen irren Iwan… Ja, ja, für die Sichtweise ist mit Sicherheit einer gefragt… Eine Form von Interpretationsgabe… Was ist dann noch die richtige oder falsche Sichtweise… Kampftaktik, verschiedene Sichtweisen… Kluger Film.

Jedenfalls versteht man irgendwie im ganzen Film beide Parteien und wartet auf eine Kollision zwischen U-Boot und U-Boot, die passiert, doch keinem jemals ein Denkmal aufgestellt werden würde…

Ebenso wenig, wie ein Irrer Iwan im Duden zu finden ist. -

Quelle: Wikipedia

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Dieter_Rotmund (16.03.12)
In der langen Reihe der "U-Boot Filme" - wenn man denn solch eine Genre-Bezeichnung führen will - ragt The Hunt for Red October in der Tat heraus. Warum ist das so?
Er bestach zunächst, soweit ich mich erinnere, als Kassenmagnet, ein Preiseeinheimser auf Festivals war er nicht, sieht man von dem einen Academy Award (landläufig "Oscar" genannt) 1991 ab, aber diese Preise werden ja traditionell fast ausschließlich an kommerziell sehr erfolgreiche Filme vergeben. (Jaja, es gibt dann noch so "Best DVD Collection"-Kram, das muss man ja nicht ernst nehmen!). Und dieser "Oscar" für The Hunt for Red October war dann nicht für schauspielerische Leistungen oder Regie, sondern für die Sound Effekte, was ich für angemessen halte, aber ...nunja.
Außerdem fällt auf, das fast keine Frauen in diesem Film mitspielen: Man muss den Cast von The Hunt for Red October bei ImdB.com schon sehr lange runterscrollen, erst kurz vor dem Hund/Katze/Haustier ("Stanley") werden drei Frauen genannt. Nunja nocheinmal, das sogenannte "Setting", ein bzw. mehrere U-Boote, macht das durchaus glaubwürdig, was bei Scorsesees Departed reichlich merkwürdig erschien, diese Frauenlosigkeit.
Drittens ist eben dieser Cast sehr interessant: Da stehen doch ein Menge bekannter amerikanischer Schauspieler drauf. Während Baldwin zwischendurch im Softpornogeschäft unterwegs war, stiegen andere inwzischen auf, z.B. Stellan Skarsgard.
Fazit, um den Bogen rund zu machen, möchte ich es mal ähnlich wie Blackheart in seiner Dienstagskolumne machen:

Meine TOP 5 der (inhaltlich) einflussreichsten U-Boot Filme:

5. On the Beach, Stanley Kramer 1959; (finde ich persönlich Klasse, Rankingplatzierung also ein wenig subjektiv...)
4. 20000 Leagues Under the Sea, Richard Fleischer, 1954, und zwar genau diese Verfilmung, keine der Epigonen (die Stummfilmvorgänger, so muss ich bekennen, habe ich noch nie gesehe...)!
3. Operation Petticoat, Blake Edwards, 1959, sehr lustig, wie ich finde!
2. Eben jener The Hunt for Red October, John McTiernan, 1990, dessen großen Erfolg ich nie ganz verstanden habe, mir persönlich ein wenig zu viel markige Sprüche, andere halten das evtl. für "sexy"...

Vermutlich unbestreitbar:

1. Das Boot, Wolfgang Petersen, 1981

 Dieter_Rotmund (17.03.12)
Außerdem sind mir eingefallen: Spielbergs 1941 von 1979 und Yellow Submarine von George Dunning von 1968 und mit den Mitglieder des Popmusik-Ensembles "The Beatles" in den Hauptrollen, beide Filme sind aber wohl zu albern, um stilprägendes beigetragen zu haben, oder?
Im Kielwasser von The Hunt for Red October tauchten ja noch einige weitere Action-U-Boot-Filme auf, z.B. U-571 von Jonathan Mostow aus dem Jahre 2000, um nur mal einen der kommerziell erfolgreicheren zu nennen...
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