Heimzeit

Gedankengedicht zum Thema Alter

von  Momo

Ist es das
was noch vom Leben übrig
bleibt ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch
vielleicht noch ein Besucher
Sessel, Familien-
bilder an der Wand die Frage
wer ist denn das da rechts
und ist das nicht?
Und als ich erzähle von Mutter
ihre Schwester, kennt sie sie nicht
hat sie vergessen.

Die Tage
gehn dahin und einer ist
wie alle anderen egal
ob Tag, ob Monat oder Jahr

nur Hände kommen nicht zur Ruhe.
Sie schämt sich nun für sie
dass sie sich so dumm schütteln
müssen immerfort
alles verschütten müssen
traut ihnen nicht, traut sich mit ihnen nicht mehr
unter die nun fremden
Augen.

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Kommentare zu diesem Text

Abrakadabra (41)
(26.03.11)
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 Momo meinte dazu am 26.03.11:
Wenn das wirklich alles ist, was bleibt, wäre es trostlos.

 AZU20 (26.03.11)
So sollte es freilich nicht enden. LG

 Momo antwortete darauf am 26.03.11:
Und dennoch ist das der einzig noch mögliche Weg für viele, wenn sich kein anderer mehr zeigen will.

Liebe Grüße, M.
wa Bash (47)
(26.03.11)
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 Momo schrieb daraufhin am 26.03.11:
Die Nähe zur Trümmerliteratur entsteht dir vielleicht dadurch, dass das Gedicht die Kargheit, Isolation und auch Not beobachtet, psychische Not, die zwar viele alte Menschen nicht mehr artikulieren können, die ja aber dennoch existent ist.

Danke, wa Bash.
Gitana (41)
(26.03.11)
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 Momo äußerte darauf am 27.03.11:
Generell ist es wohl so, dass das Heim nie ein Zuhause ersetzen kann, denn es ist immer ein Heim mit seiner ganz eigenen anonymen Atmosphäre, egal, wie viel Mühe sich auch die Angestellten geben.
Menschen, deren Leben sich ausschließlich im engeren Kreis der Familie abspielte, können sich dann später nur schwer in ihre neue Lebenssituation einfügen.
Das Gedicht entstand am Abend eines Tages, in dem ich meine Tante besucht hatte, die in ein Altersheim gekommen war und dort schon ein paar Monate lebte.
Lebensabend – ja, eine ganz eigene Zeit!

Ich sage Danke für Lesen und Sternchen und wünsche dir einen schönen Sonntag, Gitana.

Herzliche Grüße, Momo

 EkkehartMittelberg (26.03.11)
Ich finde deinen Text unsentimental, aber sehr realistisch. Besser kann man die Einsamkeit des Alters wohl kaum darstellen.
LG
Ekki

 Momo ergänzte dazu am 27.03.11:
Sentimentalität wäre hier auch völlig fehl am Platze.
Vielen Dank für dein Lob, Ekki. Ich freu mich über deinen Besuch und Doppelklick.

Liebe Grüße, M.
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