Das Ohrabschneidegerät

Sonett

von  Aber

Im Bahnhof steht seit kurzem eine Box

Glanzschwanzlackiert mit einem runden Loch

Den Schädel steckt hinein der Wachmann Koch

Gleich sammelt sich im Halbkreis Gaffgesocks


Die Halle zittert voller Schmerzgeschrei

Dickölig plätschert Blut auf schwarzen Teer

Zwei Ohren zucken kreidebleich umher

Beschnüffelt durch den Hund der Polizei 


Ein kleines Mädel brüllt ins Sturmgeläut 

Frau Mutter wirft es grinsend übers Rund

Gelächter übertönt das Wehgekreisch 


Es stöhnen im Verschmelzen tausend Leut

Grautaubenblau verbrennt ins Feuerbunt 

Aus Geilheit beisst man sich ins weiche Fleisch 


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Kommentare zu diesem Text


 klausKuckuck (08.01.26, 22:52)
Erinnert im Zeilen-Rhythmus an Hoddis "Weltende", ein formal perfekt gemachtes Sonett. Inhaltlich ist es ein absurdes Durcheinander – nicht ohne Faszination. Ein ganz neuer Lyrikton bei KV. Ein interessanter!
Gruß KK

 Aber meinte dazu am 08.01.26 um 22:57:
Wenn das Sonett nicht von mir wäre, lieber Peter, hätte sich kv schon verschleimt.

 klausKuckuck antwortete darauf am 08.01.26 um 23:21:
Ach, du bist das! Überrascht mich nicht, dass dieses Sonett so elegant daherkommt!

 Aber schrieb daraufhin am 08.01.26 um 23:25:
Die armen Schüler, die das Sonett deuten müssen ...
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