Ablatio
Ein Albtraum der Hochzeit nach Federico Garcia Lorca Bodas de sangre
Das Publikum wurde tatsächlich wie Gäste des Hauses behandelt.
Man bat es zwar vor der Aufführung nicht – oder nur wenig — essen,
aber es wurde eher an psychische Kapazität als auf Sparsamkeit
gedacht, um mögliche Troubles eines zu empfindlichen Magens
zu vermeiden.
Ich zerbrach mir ganze Zeit vor der Vorstellung den Kopf, was wird
derart Seltsames bei einer Theatervorführung dargeboten, dass man
auf Magenbeschwerde von vornherein denkt. Manchmal trifft man auf
der Szene diverse Scheusslichkeiten, aber kotzen müssen…?
Aber es muss etwas mit Essen verbunden sein, dachte ich, oder mit
dem Ausscheiden sogar? Weiter dachte ich nicht mehr nach und ich
tauchte in die weichen Sessel voll mit Erwartung des Spiels.
Das Drama übertraf alle Erwartungen. Junges, frisches, schönes Paar
wurde auf der Bühne lebendig zum Verzehr vorbereitet und geboten.
Ausgänge – hat sich gezeigt – wurden fest abgeschlossen und wer
nicht wollte, musste trotzdem bis zum bitteren Ende der Tragödie bleiben..
Wir verliessen die Darstellung mit wirklich gemischten Gefühlen,
einige weinten, Mehrheit schwieg und einige schimpften. Nur einzige
Zuschauer, wie ich und mir ähnlichen abscheulichen Exemplaren,
haben sich begeistert gezeigt, dass der Albtraum zum glücklichen
Ende zuende war und wir wurden gesättigt nach Hause gelassen.