Erstaunlicherweise gibt es durchaus Männer, die sich für eine Witwe, die frisch und braungebrannt ist, weil sie oft auf dem Balkon Gedichte schreibt, interessieren.
Man begegnet ihnen in Cafes, im Bus, in Wartezimmern, beim Discounter, beim Hundespaziergang. Die Witwe schaut auf Glatzen, schlechte Zähne, Hörgeräte, überdimensionale Nasen. Denkt an den Spruch mit dem Johannes und muss grinsen. Dies versteht der Mann nun miss. Männer sind irgendwie immer on. Und traut sich, sie zu fragen: Wir könnten uns doch mal, äh, treffen… Wozu, fragt die Witwe. Ach, nur so. Nee so, sagt sie, is nich…
Faltige Hände umschlingen Kaffeetassen. Über dünne Lippen kommt etwas Spucke und die Klage, dass es für einen Mann allein schwer ist, blablabla und der Haushalt… Nimm dir eine Putzfrau, denkt die Witwe. Ich hab kein Interesse an deinen Lappen.
Fit und sportlich geben sich andere. Wollen noch die Welt bereisen. Nach Südafrika, Mallorca, Gran Canaria fliegen. Mit 70, 80. Wir nannten sie als Reiseleiter damals „Ottos“. Die, die sich selbst überschätzt hatten und im Frachtraum im Zinkssarg nach Hause reisten. Muss die Witwe nich haben. War sie im Übrigen sie auch überall schon.
Die Super-Marios gehen wandern, in Österreich. Zeigen stolz Handyphotos mit Bergsteiger-Outfit. Die Witwe hasst Berge, seitdem sie als Kind im Urlaub mit ihren Eltern über eine wackelige Brücke musste, die über eine Klamm führte. Sie lacht, denn auf den Photos sind die Schuhe strammer als die Waden.
Und dann schauen manche schäl auf Möppi. Liegt der etwa im Bett? Klar. Und da bleibt er auch! Ist muckelig und schön. Ok, heute Nacht hat er ins Bett gekotzt, hat Magen-Darm. Musste um 4 Uhr nachts mit ihm raus. Das war nicht ganz so schön. Hat der aber selten.
Angeekelt verzieht der Typ mit dem weißen Polohemd von A und C das Gesicht. Trinkt nicht mal seinen Kaffee aus. Gut so, denkt die Witwe. Streichelt ihren völlig gesunden Möppi und bestellt sich noch ein Milchshake.