Fest der deutschen Einheit

Kommentar zum Thema Aktuelles

von  Moppel


 

Bremen hat das gut gemacht, Ein ehrwürdiges Fest für die deutsche Einheit und die Demokratie.

Selten habe ich es so intensiv erlebt. Vielleicht, weil ich heute, wo mein Mann, Ostdeutscher mit russischen Vorfahren, verstorben ist, Dankbarkeit fühle. Dankbarkeit für den  Mauerfall, denn ohne ihn wäre unsere Liebe nicht möglich gewesen.

Die deutsche Einheit war nicht selbstverständlich, sondern harte, politische Arbeit von Kohl und Gorbatschow. Geschenk der „Siegermächte, die zustimmten,“  wie Bovenschulte sagt. Auch und gerade von der damaligen UDSSR, deren Teil Russland wir ja heute wieder als Feind sehen sollen  - die Nato übt gerade Krieg gegen Russland.

Die Einheit war nicht selbstverständlich, sondern die Leistung eines Volkes, das Mut bewies, und die Diktatur abschütteln wollte. Die „friedliche Revolution“, die auch auf dem Fest gewürdigt wird. Leider wird aber in Steinmeiers Rede der Gedanke mit dem Freiheitsstreben der Ukraine vermischt. Lapsus. Fehlgriff. Nichts, aber auch gar nichts hat der Ukraine-Krieg mit der deutschen Einheit zu tun. Im Gegenteil: Die damalige UDSSR hat sie erst ermöglicht. Sie hat (warum auch immer) die DDR frei gegeben.

Im Ukraine-Krieg aber hat die Nato vorher Fehler gemacht (Nato-Ost-Erweiterung). Amerika hat seine Fäden gesponnen gegen Russland. Putin griff an. War der Aggressor.

Das beides zu diesem Festanlass zu vermischen, nur, um wieder Wählererziehung zu betreiben, ist mehr als befremdend. Aber es hat der AfD sicherlich wieder ein paar Stimmchen mehr gebracht.

Minutenlang spricht Steinmeier über die Ukraine und stellt somit auch die ehrliche Freundschaft zwischen Kohl und Gorbatschow gleich mit der seltsamen Affinität von Merz zu Selenky. Zu dem Mann, der Steinmeyer die Einreise verweigerte. Zu seinen Schergen wie Melnyk, die unser Land, unseren Kanzler Scholz so lange beleidigten, diffamierten, bis Deutschland endlich Geld und Waffen spuckte. Sein Spruch: Gib Harrrz Vier!!!“ wird wohl in die Geschichte eingehen. Da fehlte im Übrigen das Wort „.bitte“. Und letztlich war die Entscheidung dafür der letzte Tropfen auf den heißen Stein von Merkels verfehlter Asylpolitik, die das Fass zum Überlaufen brachte und unsere Sozial-und- Krankenkassensysteme finanziell sprengte.

Von Brüderlichkeit, Solidarität aber ist die Rede und immer wieder wird auch Migration und Integration mit dem „Zusammenwachsen von Ost und West“ verglichen. Purer Unsinn. Denn hier hat wohl niemand Verwandte in Syrien, Afghanistan, Irak oder Ukraine. Die Ostdeutschen jedoch waren Brüder, Cousins, manchmal sogar Kinder, Eltern, die die Mauer getrennt hatte. Fehlgriff. Steinmeyers. Irgendwie am Thema vorbei.

 

„ Ost und West freuten sich gleichermaßen,“ schwärmt Steinmeier weiter.. Äh…
Meiner Familie war es damals eigentlich ziemlich egal, als die Mauer fiel. Bei meiner Nachbarin kamen Verwandte aus dem Osten, blieben sechs Wochen und gingen nicht mehr. Sie war not amused.

Umgedreht: Meine spätere Schwiegerfamilie akzeptierte mich nicht, weil ich eine Wessi war. Mein Schwager nannte  mich „Kapitalistensau“. Soweit die Diskrepanz zwischen pathetischer Rede und Realität.

Und dennoch haben mich die Feierlichkeiten zur deutschen Einheit diesmal besonders berührt. Vielleicht aus Dankbarkeit für die glücklichen 25 Jahre mit meinem Mann aus Usedom.

Vielleicht aber auch aus Entsetzen, weil eben gerade die Linke ( Folgepartei der PDS-SED) kurz vorm Regieren in Berlin steht. Der Partei, die damals die Mauer hochzog.

Gewählt von vornehmlich deutsch –migrantischen Jugendlichen, denen unsere Geschichte an der Sisha-Pfeife vorbeigeht. Und die sich längst in Parallel-Gesellschaften eingerichtet haben. Gewählt von den ewig Gestrigen und von denen, die vielleicht von der RAF noch übrig sind.

Wo bleibt eigentlich da die warnende Stimme des Verfassungsschutzes? Oder hört man sie nicht, weil dann der Rassismus-Vorwurf im Raum stünde gegen eine deutsch-türkische Elif Eralp?

Man weiß es nicht, aber in diesem Land ist nichts mehr unvorstellbar…



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Kommentare zu diesem Text


 S4SCH4 (05.10.26, 11:10)
Ein schöner und persönlicher Streifzug durch aktuelle politische Themen, interessant miteinander verwoben und in den bekannten Stimmungsfarben einer Moppel. Ohne nun weiter darauf einzugehen welche Farben das seien, denn ich fürchtete umgehend politische Vereinnahmung dieser Farben, sage ich nur, es passt alles hervorragend zu einem Montagmorgen, der nach besagtem Feiertag kommt, und der, weil dieser auf das Wochenende fiel gefühlt nur ein halber war, durch diesen Text doch ganz und gar eine ganze Würdigung findet.
 
Persönlich tue ich mich um einiges schwerer mit derartigen Feiertagen, sie sind zu oft Bühne für politische Spielchen statt ernsthafter Feiern. Was mich zum nächsten Thema führt, was sich hier sicher nicht beantworten lässt, was mich aber dieser Tage einmal mehr sehr beschäftigt: Wann ist die Feier eigentlich eine Feier? Sowohl staatlich als auch persönlich. Umso mehr freut es mich, davon zu lesen, wie diese Frage hier seitens Moppel eine Antwort findet und sie beides zusammenführt.
 
Die Einheit scheint in der deutschen Geschichte, nicht nur der jüngeren -, ohnehin etwas Besonderes zu sein, Politiker die zueinander fanden und gar menschlich schienen und Menschen die zueinander finden wollten und dabei Fakten schafften, indem sie Bulldozer und Raupe waren, dies gegen eine Mauer und für das Miteinander. Man mag von der Wiedervereinigung heute halten was man will, nicht alles lässt sich am späteren Resultat messen, es gibt Aktionen und Überzeugungen, die umgehend umgesetzt gehören und nicht auf ein Morgen warten.
 
Man wünschte sich heute vielleicht eben so etwas wie jene Mauer, etwas, an dem sich die Menschen abarbeiten könnten, um das die Politik zusammenfinden möchte, was Träume wahr werden ließe und und und.
Mein Vorschlag, dergestalt mit den Mauern in den Köpfen anzufangen, stößt wahrscheinlich auf Granit, hartes Gestein, und das noch bevor auch nur ein Kiesel der eigentlich Sache ins Auge gefasst werden könne, was dazu führt, dass viele Leute schon aufgeben bevor sie überhaupt anfangen könnten. Warum dieser Granit? Weil auch die Mauern geschützt werden möchten, diese bilden nämlich die Feste für ein deutsches Umdenken, wobei es hier eher um ein „um“ im Sinne es Umgehens geht statt eines sinnigen Wandels, also etwas, das um das Denken herumführt.

„Kreiset den Herrn!“
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