Jeder, egal, ob Frau, ob Mann über 50 weiß, wie man sich fühlt in den Wechseljahren. So, als wäre man zwei Personen gleichzeitig in einer,
verbunden auf Gedeih und Verderb. Quasi wie eine Koalition zwischen SPD und CDU.
Kritisch schaut man in den Spiegel, entdeckt ein beginnendes Doppelkinn und katastrophale Umfragewerte. Hitzewallungen treiben einem den Schweiß auf die Stirn. Bei jeder Gelegenheit geht man hoch wie ein Zäpfchen, das nicht richtig drin war. Man bast herum und lässt die kalte Gegendusche wie einen lauteren Bach an sich abperlen. Im Gegenteil, macht dem Partner noch Vorwürfe: Unsere Beziehung holpert. Du liebst mich nicht mehr, so, wie ich jetzt bin! So alt, so müde…
Und dann antwortet der Partner, selbst in den Wechseljahren und hormonell komplett überfordert: Und so lustlos. Wir hatten das alles schon im Ehevertrag vereinbart – ein Kunstwerk, hast du damals gesagt und jetzt? Ja, sagt sie: Damals hattest du auch noch keinen Bauchansatz, so schreckliche Ränder unter den Augen und so einen schiefen Gang nach rechts. Ja, entschuldige mal, merzt er empört, hättest du meine Kniebeschwerden, dann würdest du gar nicht mehr laufen! Denn du kippst ja schon ohne Knie nach links. Menno! Dann geh doch zu Netto, äh, in Berlin mit Links!
Aha, kreischt sie hysterisch, willst mich wohl loswerden? Hast eine neue, alter Sack? Na, die soll dich mal nicht überfordern! Schweißperlen tropfen von seiner Stirn auf ihre Bluse. Machen hässliche Flecken. Ach, Mäuseken, es muss doch alles gut werden.
Kommt sie aus der Ukraine? zickt sie weiter? - Bist ja ewig dort! Oder etwa die laberige Weißschmandt? Wer, was? stammelt er und fritzelt an seinem Hemdkragen. Na die, die in jeder Talkshow saß, erst als Piratin, dann als Linke, dann als Ukrainerin mit Blütenkranz, dann als Jüdin und jetzt als Bundesverdienstkreuzträgerin. Hat sie wahrscheinlich für die Variabilität ihrer Persönlichkeit bekommen. Ach die. Unsinn! Er reibt sein Knie. Es klingt und beilt wie Hölle. Obwohl er nur kurz mit dem Dackel draußen war. Manchmal nimmt er ihn mit ins Büro – sein treuer Blick tut so gut.
Die Schwesig hättest du verdient, wenn ich geh, jawoll! Meine Fresse, jezz is aber ma gut, Engelchen. Schau doch mal in den Spiegel. Dann weißt du, was die Bürger von uns erwarten. Die sehen uns als altbacken, konservativ und nicht handlungskompetent. Die Gesetzesvorlagen zur Sozialreform kommen von dir nicht. Wir geben jeden Monat 13 Milliarden für Ukrainer, Syrer und Afghanen aus. Wir wollten das ändern. Aber dein Ministerium bringt es nicht!
Komm mir nicht so, zickt sie, mach ma Fenster auf, das ist so stickig hier.
Das ist ein Büroraum, Mäusken. Da kann man kein Fenster aufmachen. SPD läuft raus. Hysterisch atmend, Van Ackern steht zufällig, sehr zufällig, links am Ausgang und nimmt sie in den Arm. Komm, Schätzelein, wir gehen jetzt nach Berlin- Marzahn, Wohnungskonzerne enteignen. Das hilft! Ist mir völlig egal, lauterbacht sie, ob die enteignet werden. Weiß ich, Schatz, flötet van Ackern und grinst so blöd wie er kann. Der sieht noch verdammt gut aus, denkt sie. Müsste doch auch in den Wechseljahren sein. Eben. Früher hat der mehr im Plenum gebrüllt, Ordnungsrufe kassiert. Jetzt macht er auf seriös.
Doch irgendwas hält sie zurück. Meine Bluse, kreischt sie, als wäre Apokalypse. Ich muss sie erst mal wechseln.
Die Tür vom Büro fliegt auf. Das wagst du nicht! fritzt es zischend. Dann ist unsere Ehe am Ende! Sie zieht eine Flappe, van Ackern grinst trotz: Und nimm die Hände weg von meinem Mäusken, du Honecker-Clown!
SPD fährt nach Hause, wechselt die Bluse. Zieht eine Weiße an. Wirft noch schnell eine Sojapille ein und nimmt eine zweite mit für ihren Partner. Auch ein frisches, weißes Hemd. Siehste, sagt der, als er hineinschlüpft. Stark sind wir nur zusammen. Wir müssen wieder einig werden. Wechseljahre sind nur eine Phase, Hase. Und lacht.
Jaja, denkt sie. Aber was danach kommt, soll noch schlimmer sein. Hat sie gehört…