Surrogat

Kurzprosa zum Thema Selbstbild/Selbstbetrachtung

von  Shagreen

(Das demokratische Gleitmittel)

Du gingst mit ziemlich klaren Vorstellungen in den Laden.
Leider gab es nicht das, was Du wolltest.
Sie sagten Dir, daß sie so etwas nicht im Sortiment haben.
Daß sie sich auch nicht vorstellen könnten, daß es so etwas überhaupt gäbe.
Oder das es bald zu kaufen wäre.
Aber sie hätten etwas Ähnliches.
Auch preiswerter.
Enttäuscht gingst Du wieder zur Tür hinaus.
Nun stehst Du da mit vollen Händen -
In der einen das Angebotene,
In der anderen das Rückgeld -
Und fragst Dich, wer Dich über den Tisch gezogen hat.

Nach mehreren Nachfragen auf dem Markt trüben sich Deine Vorstellungen langsam ein.
Immer öfter genügt das Hin- und Hergestellte Deinen Erwartungen.
Die Verkäuferinnen loben Deinen ausgesuchten Geschmack.
Du hast jetzt auch mehrere Kundenkarten.
Auch bei Deinen Freunden eckst Du weniger an.
Man kann mit Dir endlich über alles reden.
Du kleidest Dich mit Chic und Toleranz.
Und bist beliebt wie nie zuvor.
Der Erfolg gibt Dir schließlich Recht
p.m.

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Kommentare zu diesem Text

kinderspiel (46)
(17.03.05)
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 Shagreen meinte dazu am 17.03.05:
;-) post mortem hast Du richtig erkannt. Etwas "selbst herstellen" klingt gut, aber allein schafft man nicht alles. Für die Verwirklichung von Ideen, die über den Bau eines Luftschlosses hinausgehen, muß man sich eben Mitstreiter suchen. Klingt simple, ist aber noch schwer zu machen.

 KopfEB (01.03.06)
Brrrr, da gruselt´s mich doch wieder mal vor dem Wort "Erfolg".
Zufriedenheit kann auch Gift sein, das ist wohl nur zu wahr.
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