KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 07. April 2014, 20:29
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Heiße Vernichtung

399. Kolumne

RECHNITZ (DER WÜRGEENGEL) von Elfriede Jelinek – darin wird T. S. Eliots Gedicht THE HOLLOW MEN (Die hohlen Männer) leitmotivisch verarbeitet. Das Stück liest sich in der Rowohlt-Ausgabe viel besser, dort wird der poetische Charakter deutlicher als z. B. in der Düsseldorfer Theateraufführung. Das Stück, das von der Erschießung von 180 Juden als Höhepunkt eines NS-Festes auf Schloss Rechnitz handelt, endet mit dem Dialog des ‚Kannibalen’ von Rotenburg mit seinem freiwilligen Opfer. Damit wird Jelineks These auf die Spitze getrieben, dass Täter und Opfer im NS-Deutschland miteinander verschworen waren, zumindest zu Beginn, und dass es einen dionysischen Lust-Aspekt gibt, einen Rausch gegenseitiger Instrumentalisierung. Genau dieser Aspekt kommt – nicht nur in der gutbürgerlichen Geschichtsschreibung – zu kurz. Stattdessen wird immer wieder der bürokratische, kalte Akt betont, die Nichtberührung der zu Vernichtenden.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 loslosch (04.04.14)
meint jelinek allen ernstes, dass täter und opfer ... verschworen waren? oder ist es eine pointierung zum zweck literarischen "lustgewinns"?

 EkkehartMittelberg (04.04.14)
In der literatur ist viel möglich und wer viel liest, dem bleibt nichts Menschliches fremd.
Aber ich kann mir nicht helfen. Mit dieser These ist die Jelinek a bisserl überzwerch.

 toltec-head (04.04.14)
Das wünschte man sich gern länger und ausführlicher. Auch mit Bezug zu Passolinis Salò.
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