Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 07. November 2013, 10:33
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Der Uli Kohl und der Helmut Hoeneß

von  Dieter_Rotmund


Man kann über unseren Bundeskanzler Helmut Kohl (Amtszeit 1982 bis 1998, unsere kV-Jugendkolumnenschreiber werden sich vermutlich nicht an ihn erinnern können) sagen, was man will. Tatsache ist: Er hat eine Tugend, besser gesagt eine Sache populär gemacht und etabliert, die bis dato gesellschaftlich verpönt war: Das Aussitzen.
Aussitzen ist, der Begriff ist (fast) selbsterklärend, wenn man eine unangenehme Situation dadurch auflöst, indem man gar nichts , zumindest nichts Situationsbezogenes tut. Das geht natürlich nur, wenn die Zeit für den Aussitzer läuft. Aussitzen, dass heißt: Status quo erhalten und warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Bis dahin heißt es für den Aussitzer: Klappe halten, schon gar nicht rechtfertigen.
Ich gebe zu, auch ich bediene mich gern dieser "Tugend", vor allem dann, wenn mir meine Schwestern wieder einmal "Tipps" geben wollen, wie ich mein Leben zu gestalten habe. Das sitze ich aus. Ich antworte dann immer mit meinem jüngsten beruflichen Erfolg, den ich natürlich schön ausschmücke, und schenke dem eigentlichen "Tipp" keine weitere Beachtung.
Aussitzen heißt auch: Tatsachen schaffen und das daraus entstehende Gejammer ignorieren. Das kann man übrigens besser, je älter man ist, "Aussitzen" ist nichts für diese unsere ungeduldige Jugend, auch wenn die Rumsitzerei in irgendwelchen Camps heuer wieder populärer wurde.
Ein persönliches Beispiel für erfolgreiches Aussitzen außerhalb der Familie fällt mir nicht ein. Nach einigen Nachdenken wird mir klar: Ich bin höchst selten in der Situation, etwas aussitzen zu können. Das können die Reichen und Mächtigen gut, aber nicht so ein "Otto Normalverbraucher" wie ich.
Ein sehr erfolgreicher Aussitzer dieser Tage ist der FC-Bayern-München-Manager Ulrich - jovial "Uli" genannt - Hoeneß. Er tut einfach so, als hätte er nicht schludrig mit Millionen jongliert, die ihm nicht gehören und das, was ihm gehört, ins Ausland geschafft, um keine Steuern zahlen zu müssen. Während der "Otto Normalverbraucher" weder über die nötige Geldmenge und damit auch nicht über die Möglichkeiten verfügt, solche Summen am Finanzamt vorbei zu mogeln, darf "der Uli" das. Was zunächst seinem Ansehen zu schaden schien, hat er schon lange dadurch wieder gut gemacht, in dem er sich an den großen Erfolg der Profi-Kicker des FC Bayern München hängte. Kurz gesagt: Er saß es aus.
Dass ihm das Gericht jüngst bescheinigte, dass seine Selbstanzeige zu unzureichend und seine zweite, erweiterte Anzeige zu spät kam, erfüllt mich mit Genugtuung.
Ich möchte dazu sagen: Ich will in meinem Sportverein keinen solchen Typen im Vorstand oder Beirat haben. Als Bürger dieses Landes, der ich quasi meine "Mitgliedsbeiträge" brav zahle, möchte ich ihn ebenfalls nicht derart großkotzig agieren sehen. Vorverurteilen möchte ich ihn ebenfalls nicht. Aber ein wenig Untersuchungshaft, als "Schuss vor den Bug" , als Signal, darf ich ihm doch wünschen, oder? Es findet sich gewiss ein anderer, der die Profi-Kicker des FC Bayern München gerne an seiner Stelle organisiert.

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