Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 24. Januar 2019, 16:08
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A Beautiful Day

von  Lala


Eigentlich sollte heute hier ein Beitrag über "The Orville" stehen. Aber dann dachte ich mir, dass ich doch wegen der in dieser Woche veröffentlichten Oscar-Nominierungen über genau diese schreiben sollte. Aber als ich grob überflogen hatte, wer da alles nominiert ist und was ich alles noch nicht gesehen habe und auch nicht sehen will, habe ich mich doch gewundert, warum der Film [exturl= https://www.imdb.com/title/tt5742374/?ref_=fn_al_tt_1] „A Beautiful Day“[/exturl] in keiner Kategorie nominiert ist. Meines Wissens hatte der Film ausnahmslos gute Kritiken und ich hatte diesen Film gerade mal noch vier Tage in meiner Mediathek stehen. Bevor ich ihn mir nochmals hätte ausleihen müssen. Er war sozusagen auf meiner „To Watch List“ und da ich zu faul war, den ersten Teil meines für heute schon vorbereiteten „The Orville“-Artikels, wenigstens halbwegs zu redigieren, dachte ich mir: Schaust halt „A Beautiful Day“. Kannst ja nach der Hälfte ausmachen, wenn der doof ist und dann immer noch den anderen redigieren. Also habe ich den Film abgerufen und angeschaut.

Was soll ich Euch sagen? Nach der Hälfte war ich extrem irritiert und habe den Film unterbrochen. Wieso hat denn die Regisseurin Lynne Ramsay oder der Hauptdarsteller, der zu 90 Prozent im Bild ist, Joaquin Phoenix, keine Nominierung bekommen? Schnell nachgeschaut und festgestellt: Der Film ist ja schon 2017 herausgekommen. OK. Alles klar. Tempus fugit. Dann schaute ich nach seinen Nominierungen bei imdb. Was? Nur eine Bafta Nominierung? Weitergeschaut und nur gedacht: WTF.

So, das Dingen haben ich jetzt ganz gesehen und bin begeistert. Und irritiert. So clever erzählt, so geil fotografiert und so sensationell gespielt von Phoenix. Wow! Ich musste zunehmend schmunzeln über das naive und doof gespielte Monster von De Niro in Branaghs „Mary Shelleys Frankenstein.“

Die Figur, Joe, die Phoenix zum Leben erweckt, ist seelisch wie körperlich vernarbt und kalt gegenüber Schmerz, wie Frankensteins Monster. Aber es gelingt Ramsay sie so emphatisch wie wortwörtlich hammerhart in Szene zu setzen, ohne – grandios! - die Distanz zu ihr oder sich in ihrer Gewalt zu verlieren und Phoenix erschafft trotzdem einen authentischen Charakter.

Joe ist kein Monster. Aber Joe strebt auch nicht nach Liebe. Dazu müsste er auch wissen, was das ist. Um das zu erzählen und noch vieles mehr, schlüssig zu erzählen, nimmt sich der Film Zeit und bleibt vom Anfang bis zum Ende im Erzähltempo gemächlich, aber verliert sich auch nicht in seinen Bildern oder Filmzitaten. Bis zum Schluss. Allerdings nimmt die Beklemmung und Faszination beim Betrachten permanent zu. Zumindest ging's mir so.

So wie Joe im Film macht Lynne Ramsay hinter der Kamera einen hervorragenden Job und ich bin immer noch sprachlos darüber, wie es dem Film gelingt, dass es keinen Viktor Frankenstein oder die Wissenschaft braucht, um diesen Joe oder Frankensteins Monster zu erzeugen, sondern nur uns. Schaut ihn Euch an.

PS: Und, Ja, es gibt auch ein zweites Geschöpf und, ja, Joe, das Monster, hofft, erkennt in diesem die einzige Möglichkeit für eine eigene Zukunft. Epic Fail. Jetzt müsste ich noch mehr spoilern, aber im Diner, wo „Beautiful Day“ endet, beginnt der moderne Schund, der moderne Prometheus. Oder findet unser Leben eben einfach weiter statt.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Judas (26.01.19)
The Orville ist aber ziemlich gut. Schreib mal bitte über The Orville.

 Dieter_Rotmund (26.01.19)
Zu „A Beautiful Day“ muss man ergänzen, dass er an den Kinokassen ein Flop war - was natürlich nicht heissen muss, er sei ein schlechter Film.
Aber mal ehrlich: Brauchen wir derzeit wirklich noch einen weiteren Ein-Mann-sieht-rot-und-wird-zur-Einmannarmee-Film? Mich hat dieser Punkt abgeschreckt. Richtig angepisst hat mich aber der Umstand, dass man einem Film mit dem sehr schönen Titel You were never really here in Deutschland zu „A Beautiful Day“ meinte umbenennen zu müssen. Was soll das?

 Oskar meinte dazu am 26.01.19:
Das, You were never really here, vestehen die Deutschen nicht. Den anderen Titel schon. Ist deutsche Tradition Titel zu verhunzen, warum weiß ich auch nicht.
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