Die Kerze

Gedankengedicht

von  Rosalinde

Die Kerze (Shakespeare-Sonett)


Advent. Und du sitzt da und bist allein.

Die Söhne irgendwo, die Kerze brennt,

kein Gruß, kein Brief, ein großes Müdesein.

Drei leere Stühle sind am Tisch präsent.


Du schließt die Augen vor dem kleinen Licht.

Das muss ja gar nicht sein, denkst du für dich,

versunken tief in deine Innensicht.

Dein Abend, weißt du, wird nicht feierlich.


Die Stille schmerzt. Das alte Herz tut weh.

Besiehst dir deine Hände ganz genau.

Das war dein Leben, so dein Resümee.

Jetzt bist du alt, dein Haar noch immer grau.


Du sprichst mit dir und mit der leeren Wand.

Advent. Die Kerze ist herabgebrannt.


P.S.: Dass es wahr ist, das hätte nichts zu bedeuten, allein die Leute glauben's,

        das ist den Teufel (Georg Christoph Lichtenberg)


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Kommentare zu diesem Text

uwesch (82)
(27.12.23, 07:15)
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 Beislschmidt meinte dazu am 27.12.23 um 08:05:
Ja  stimmt. Man fühlt sich von der Welt vergessen.
Beislgrüße

 LotharAtzert antwortete darauf am 27.12.23 um 11:08:
A bisserl sehr sentimental ist's aber schon, oder nicht?

(auch ich war an Weihnachten allein, aber alles andere, als einsam)
Lothigrüße

 Quoth schrieb daraufhin am 28.12.23 um 09:13:
Schließe mich LotharAtzert an. Für mich trieft der Text von Selbstmitleid. Das lyrische Ich, das sich selbst mit du anredet, ist offenbar eine Mutter, zu der ihre drei Söhne keinen Kontakt mehr haben. Aber die Frage, ob das auch mit ihr zu tun haben könnte, stellt sie sich mit keinem Wort. Eine dermaßen nur um ihr eigenes Leid kreisende Mutter würde auch ich als Sohn nicht besuchen mögen.
Daniel (50)
(27.12.23, 14:38)
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 Rosalinde äußerte darauf am 27.12.23 um 17:07:
Vielen herzlichen Dank für eure Meinungen. Ich habe sie zur Kenntnis genommen und bin erfreut, dass sich Daniel wieder meldet. Warst du krank? 

Lothar Atzert, sentimental würde ich nicht sagen. Eher depressiv, denke ich mal. 

An alle von euch meinen besten Gruß.

Rosalinde
Daniel (50) ergänzte dazu am 27.12.23 um 17:55:
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 Quoth (02.01.24, 11:50)
Du nennst Dein Sonett ein Shakespeare-Sonett. Dazu gehört aber nicht nur, dass es aus drei Quartetten und einem Schlusscouplet besteht, sondern dass letzteres die vorausgehenden Gedanken pointiert oder ihnen widerspricht oder sie zumindest in Zweifel zieht oder einen ganz neuen Gedanken hinzufügt. In Deinem Sonett setzt das Couplet aber nur das Vorherige fort und ist beinahe überflüssig. Wenn es z.B. lauten würde:

"Hab ich die leeren Stühle leergefegt?
Das ist der Vorwurf, der mich schwer bewegt."

würde sich der Text einem Shakespeare-Sonett um Einiges mehr annähern als nur durch die richtige Zeilenzahl und das richtige Versmaß.
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