Von der Poesie

Gedanke

von  Rosalinde

Von der Poesie


Ist Poesie nur Herz, Schmerz, Liebe und Natur? Und was heißt: Schreiben?


Fragen, die ich mir nicht nur einmal gestellt habe. Haben Dichter, die in den Lesern

Emotionen wecken wollen und auch sollen, nicht einen Auftrag? Und gehört nicht das gegenwärtige Leben zu diesem Auftrag? Sind wir nicht Dokumentaristen unserer Zeit?


Wer Literatur der Jahrhunderte gelesen hat, muss feststellen, dass sie sich immer mit ihrer Zeit beschäftigt hat. Warum ist das heute so verpönt? Liegt es an der Zeit, die schwer zu besingen ist, oder an den Dichtern? Zu allen Zeiten war das Leben kein Zuckerschlecken, die Dichter benannten die Defizite mit flammenden Worten. Und sie mussten dafür bezahlen. Sie taten es gern oder nicht, aber sie wussten, ihr Wort fiel in offene Herzen. Auch die damaligen Herrschenden sprachen nicht nur von Konsequenzen.


Wir sind die Nachfolger, wir tragen das Banner der Dichtung weiter. Fühlen wir uns nicht beauftragt? Nun ja, wir sind die sogenannten Hobby-Schreiber. Da könnte einer sagen:

Was habe ich mit dem Weltgeschehen zu tun? Und es wird gesagt.


Nun will ich unsere bis ins Mark zensierte Welt nicht überfordern. Jeder weiß, schreibt er die Wahrheit, folgen die Konsequenzen. Wahrheit, wie er sie versteht. Wohlgemerkt. Und genau vor der Wahrheit haben die Herrschenden Angst, wir erleben, dass Wahrheit Lüge sein soll und Lüge Wahrheit. Orwell wusste, was kommen kann.


Wir leben in der Zeit eines Umbruchs, die den ganzen Menschen benötigt, eines ungeheuren, nie dagewesenen Umbruchs in der gesamten Geschichte der Menschheit. Solange Dichtung besteht, hat sie den Auftrag, die Gleichgültigen, die Unwissenden aufzuklären, ohne Aufklärung handelt es sich oftmals um Selbstbeschäftigung. Die ich nicht für unwichtig erklären will, sie darf nur nicht der einzige Antrieb zum Schreiben sein. Von den Gleichgültigen und Unwissenden gibt es sehr viele, sie sind die Mehrzahl. Irregeleitet, haben sie haben die Kraft, jede progressive Entwicklung zu den unveräußerlichen Rechten des Menschen zu verhindern. Und da liegt im Namen der Menschheit der Auftrag des Dichters. Es ist ein großer Auftrag, er fordert den ganzen Menschen.


Nichts gegen Herz und Schmerz, ich bitte herzlich darum. Sie gehören dazu. Aber sie dürfen nicht Ablenkung sein und nicht nur das einzige Zeichen von Poesie. Da ist eben noch mehr. Es ist unsere Zeit, die unser Stoff ist. Wir dokumentieren sie, so oder so. Sollen unsere Kinder und Enkel uns Vorwürfe machen, die Zeit nicht verstanden zu haben, sagen, dass wir im Elfenbeinturm lebten?


Schreiben wir die Wahrheit. Nicht, wie wir sie, verunsichert durch die Nähe, empfinden, aber empfindsam - Wahrheit, wie sie ist.




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Kommentare zu diesem Text

Muckelchen (70)
(17.09.23, 13:24)
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 Rosalinde meinte dazu am 17.09.23 um 17:03:
Ja, du siehst ja, was man hier lesen kann. Mehr muss ich nicht sagen. Falls man noch in Erinnerung hat, was Literatur ist. Mir geht es so, dass ich kaum einen Text finde, zu dem ich mich äußern möchte.

Danke fürs Reinsehen, Muckelchen.

 Beislschmidt (17.09.23, 14:49)
Ein Künstler, dessen Kunst nicht Bezug nimmt auf unsere Lebensumstände und dessen Kunst sich lediglich wie die Wurst einer Strickliesel vermehrt, kann kein Künstler sein, denn er ist nur ein Kalfakter der Herrschenden.

Beislgrüße 

 Beislschmidt antwortete darauf am 17.09.23 um 14:58:
Die ursprüngliche Antwort wurde am 17.09.2023 um 14:59 Uhr wieder zurückgezogen.

 niemand schrieb daraufhin am 17.09.23 um 17:01:
Da ich mich weder als Künstler bezeichnen würde, noch als Dichter,
noch als jemand der einen "Auftrag" erfüllen will/muss/sollte, habe ich die Freiheit, wenn ich denn schreiben möchte/will, die Thematik selber aussuchen zu dürfen. Für meine Begriffe wird sowieso nirgends dermaßen und fortdauernd von "Kunst/Künstler" gefaselt wie in der Schreibenden Zunft. Tut mir leid, aber da muss ein echter Musiker doch viel mehr leisten, viel mehr Handwerk beherrschen.
Aber wie sagt man doch so schön: "Papier ist geduldig"  :D 

LG niemand

 Rosalinde äußerte darauf am 17.09.23 um 17:23:
Nein, Irene, da bin ich mal nicht deiner Meinung. Was ich heute auf KV gelesen habe, spottet jeder Beschreibung.
Ich finde kaum einen Text, der Mindestansprüchen genügen würde. Natürlich kann jeder schreiben, was er will, das ist doch selbstverständlich. Aber nicht darum geht es mir in diesem Text. Es ist ein unbeschreiblich flaches Niveau des Geposteten. Ich habe heute einen einzigen Text gefunden, bei dem es sich lohnte, darüber nachzudenken. Bisschen wenig.

Ich gehe davon aus, dass Schreiben auch und vor allem Verantwortung bedeutet. Da waren ja die Damen in den Salons des 18. Jahrhundert wahre Intelligenzbestien
gegen das, was sich heutzutage tut. Und KV ist nicht der einzige Blog mit diesem Niveau, das Internet ist voll davon. Eine Präsentation der geistigen Armut. Und am schönsten: Sie fühlen sich dabei pudelwohl. Sie haben sich selbst aufgegeben. Das sind Aussichten.

Aber danke, Irene, dass du reingesehen hast. Dass es so wenige getan haben, beweist die Richtigkeit meiner Beobachtung.

Lieben Gruß, Rosalinde

 Rosalinde ergänzte dazu am 17.09.23 um 17:31:
Beislschmidt, du verstehst meine Betrübnis über die hiesige Situation? Und das wird alles noch schlimmer. Ich kriege richtig Lust, aus der Welt auszusteigen und mir einen menschenleeren Planeten zu suchen. 

Danke fürs Reinsehen. Die Strickliesl habe ich gekriegt. 
Ich denke, dir geht es so ähnlich wie mir.

Lieben Gruß, Rosalinde

 Rosalinde meinte dazu am 17.09.23 um 17:41:
Muckelchen, es gibt so vieles, worüber man schreiben müsste. Aber wir leben in einer ungesunden Welt, einer, die sich selbst aufgibt. Du bemühst dich ja, immer ein bisschen am Rande des Erlaubten. Ich bin mir klar darüber, dass wir Gefesselte sind. Aber aufgeben? Nein!!! Ich will ja nicht übertreiben, aber Kassandra hatte weniger zu verlieren als wir heute. Bleib, wie du bist, Muckelchen.

Lieben Gruß, Rosalinde

 Tula (17.09.23, 21:45)
Liebe Rosalinde
Endlich ein Aufruf, dem wir beide gemeinsam mit Freuden folgen sollten:


Schreiben wir die Wahrheit.

Ja, das wäre doch mal was. Auch beim nächsten 


Was ich heute auf KV gelesen habe, spottet jeder Beschreibung.

Dem kann man sich nur begeistert anschließen. Diese künstlerische Bescheidenheit hat die Welt schon bei Kaiser Nero bewundert. Kein Wunder, wenn sich der Stümper Petronius irgendwann verzweifelt die Adern aufschnitt.

Mitfühlende Grüße
Tula
Terminator (41)
(18.09.23, 05:12)
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Teolein (70)
(18.09.23, 06:12)
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 Quoth (18.09.23, 06:30)
Vor einem Forum von lauter Bannerträgern der Dichtung, die mit flammenden Worten auf Defizite (welche?)  hinweisen, kann ich mich nur gruseln.

 Fridolin (18.09.23, 14:39)
Nichts gegen den Wunsch nach interessanteren Texten, aber:
Mit dem Wort Auftrag habe ich auch so meine Probleme, da kann ich Niemand verstehen. Wenn jemand nicht erkennt, was Sache ist, hilft auch ein „Auftrag“ nicht. Und wer wäre schließlich der Auftraggeber? Ein äußerer ist ja hier sicher nicht gemeint, also bliebe das eigene Überich mit all seinen Problemen.
KV ist ein Abbild vom Zustand der Welt, d.h. auch dessen, was in einzelnen Köpfen vor sich geht. Man könnte auch sagen, der Tag in KV ist ein Dokument des geistigen Befindens seiner Nutzer. Diese Realität sollte man anerkennen, wenn es auch noch so schwer fallen mag.
Herrschende sehen es immer gern, wenn die Kleinen sich streiten. Sie haben ihre Büttel, ihre Agenten auch hier. Wir sollten ihnen den Gefallen nicht tun. Auch hier nicht.
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