Metropolennacht

Gedicht

von  Rosalinde

Als gäb es kein Erwachen mehr aufs neu,
so liegt die Stadt in den zerfetzten Sielen.
Sie spart an Mitleid, Tränen und Gefühlen,
der Mörderangst, dem Fremdenhass getreu.

Was hinter tauben Fenstern sich noch regt,
du ahnst es: Drinnen gibt es Fleischbeschau.
Vielleicht erschlägt ein Mann grad seine Frau,
vielleicht, dass hier der Traum ein Kind bewegt.

Du gehst durch dieses Nichts, durch diese Welt,
mit dem, was dir dein Dasein eingebracht.
Dann schrickst du auf, du witterst in die Nacht:
Dir ist, als hätt ein Stern dich angebellt.



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Kommentare zu diesem Text


 franky (23.09.23, 15:14)
Hi liebe Rosalinde 

"Dir ist, als hätt ein Stern dich angebellt." 
Gelungene Metapher. 

Grüße von Franky 

 Rosalinde meinte dazu am 23.09.23 um 15:44:
Danke, Franky. 

Viele Grüße, Rosalinde
uwesch (82)
(23.09.23, 19:09)
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 Pensionstarifklempner (23.09.23, 22:50)
In diesem, an diesem Gedicht kann kein Herz gesunden.
Trauer hat ein Recht auf Trost.
Hallelujah

 Rosalinde antwortete darauf am 24.09.23 um 05:27:
Da habt ihr recht, Uwe und Pensionstarifklempner, das ist keine schöne Welt. Gerade die Großstadt entblößt die Defizite der Gesellschaft am deutlichsten. Hier kommen Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsklassen und Nationen zusammen, die unterschiedliche Interessen haben, die mentale Verwahrlosung der Gesellschaft spielt eine herausragende Rolle. Womit nicht gesagt sein soll, dass die gesamte Großstadt sich in diesem "Fieber" befindet, es gibt durchaus Gegenden und Kieze, in denen es völlig anders zugeht, wo der Mensch noch der geachtete Mensch ist. Da ich Berlinerin bin, weiß ich ganz gut, was hier läuft. Und wenn ich diese Verhältnisse darstellen will, muss ich selbstverständlich zu drastischen Verhältnissen greifen. Ich hätte noch viel mehr Tragödien benennen können, aber das Gedicht kann eben nur auswählen, will es nicht zur Litanei werden.

Lieben Gruß, Rosalinde
Cathleen (56)
(01.10.23, 16:33)
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 Rosalinde schrieb daraufhin am 01.10.23 um 17:57:
Wie kommst du auf Kästner, Cathleen? Sicherlich haben seine Gedichte Spuren in mir hinterlassen, aber abgekupfert ist da nichts. Kästner mit seiner drastischen, manchmal sehr zutreffenden  Ausdrucksweise gehört zu meinen Lieblingen, er hat ja auch zeitweise viel zu Berlin geschrieben. 

Dankeschön, Cathleen.

Lieben Gruß, Rosalinde
Cathleen (56) äußerte darauf am 01.10.23 um 18:01:
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