Wer sucht, der findet nicht

Gedicht

von  Rosalinde

Sein Leben lang sucht man die eine Bleibe,
das Nest, das Nonplusultra, weich und warm,
mit kleiner Miete und mit großem Charme.
O nein, nicht auf dem Land die Hühnerfarm,
doch ewig grün, vorm Fenster eine Eibe.

Und man zieht um. Dann hat man seine Bäume.
Dann stellt man fest: Hier gibt’s kein Abendrot.
Die ganze neue Welt erscheint wie tot,
man ist verschnupft: Was war man für’n Idiot!
Man wünscht sich fort in gänzlich andre Räume.

Mit Sack und Pack geht‘s in den Großstadttrubel.
Nun ja, denkt man. Doch viel zu viel Verkehr.
Wo kommen bloß die vielen Autos her?
Man wünscht sich etwas von dem Grünen mehr.
Zieht wieder um. Vorbei der Großstadtjubel.

Dann geht man in sich, möchte beinah weinen
und hat das Umziehn satt. Man findet nicht,
wonach man sucht, verliert die Übersicht.
Man seufzt und stöhnt, setzt müde auf Verzicht.
Ist unzufrieden. Doch mit sich im Reinen.





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Kommentare zu diesem Text

Daniel (50)
(06.11.23, 15:26)
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 Rosalinde meinte dazu am 06.11.23 um 18:57:
Ja, Daniel, ich habe da eine ganze Odyssee hinter mir.
Einpacken, auspacken, einrichten - dann alles wieder abreißen, einpacken, auspacken usw. Und die Kohle ging dabei drauf. Waren aber alles 1-Zimmer-Wohnungen, ich musste so einige Möbel der Spedition überlassen. Jetzt habe ich eine 2-Zimmer-Wohnung, parterre, dunkel, kalt, aber mein letztes Asyl. In meinem Alter zieht man nicht mehr um.

Die Wohnungsverwaltung war so nett, mir eine neue Heizung einbauen zu lassen, die Räume hatten immer noch die alten DDR-Heizungen von vor 50 Jahren, die ihren Geist aufgegeben hatten. Aber die Bäume vorm Haus entschädigen mich halbwegs, auch wenn sie das Zimmer verdunkeln. Ich habe festgestellt, im Grunde brauche ich eine 3-Zimmer-Wohnung, die ich natürlich unter heutigen Verhältnissen nicht bezahlen könnte. In der DDR hatte ich eine prima Wohnung mit allen Schikanen und kleiner Miete. Möchte nicht wissen, wie hoch die Miete heute dafür ist. Meine 2-Zimmer-Wohnung hat in der DDR rund 40 Mark Miete gekostet, Betriebskosten gab es nicht. Heute bezahle ich in D-Mark umgerechnet 1.200 Mark. Und das alles von meiner kleinen Rente. Schön angeschissen bin ich.

Danke fürs Reinsehen, Daniel, und lieben Gruß.
Rosalinde
Agnete (66) antwortete darauf am 07.11.23 um 21:33:
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 Rosalinde schrieb daraufhin am 08.11.23 um 10:56:
Naja, stimmt ja, Agnete, so ganz unbeschädigt ist man nicht im Reinen, wenn man unzufrieden ist. Aber man sieht ein: Genug umgezogen, wer soll die Umzüge eigentlich bezahlen können? Wenn einem nichts weiter übrigbleibt, redet man sich ein: So ist es gut, besser geht es nicht. Man ist eben halb unzu- und halb zufrieden. Immerhin eine 2-Zimmer-Wohnung erobert, heutzutage fast unbezahlbar in Berlin für kleine Rentner. Und so doll ist es auch nicht mit dem Wohngeld. Wobei man sich den Luxus sparen kann, ans Bezahlen zu denken, erstmal aus dem Pulk von Mitbewerbern ausgesucht zu werden, das ist eine Errungenschaft. Habe ich alles hinter mir. War recht ziemlich anstrengend. Aber mir hat es Spaß gemacht, die Odyssee mal aufzuschreiben.

Danke, Agnete, für Reinsehen und Kommentar.

Lieben Gruß, Rosalinde
Agnete (66) äußerte darauf am 08.11.23 um 18:41:
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 Rosalinde ergänzte dazu am 09.11.23 um 09:44:
Ja, Agnete, Wohnungssuche ist ein Mammut-Vorhaben. Heute aber ist es ein fast aussichtsloses Unternehmen. In unserem Haus: Jede Wohnung, die frei wird, vermietet die Wohnungsgesellschaft an Ausländer. Man kann behaupten,
wir sind ein Multi-Kulti-Haus. Es ist ruhig, nur die anliegenden Nachbarn beschweren sich heimlich.

Lieben Gruß, Rosalinde

 S4SCH4 (01.12.23, 10:30)
So schön wie das Bleiben in einem Heim ist, so unerträglich kann es werden...auch ich stehe mal wieder im Zwielicht dieser unsäglichen Entscheidung. Es ist einfach total besch* und sich- sprichwörtlich "in seine vier Wände zurückzuziehen", fällt dabei konsequenterweise eher schwer. Schön, ist aber dein Happyend...vg sascha
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