History

Gedicht

von  Rosalinde

Leben mit den
Ungeheuern der Geschichte, die
in den Büchern ruhen, schöngeschrieben,
mit Vergeben dekoriert, nie gewesen,
so nicht jedenfalls, anders.

Dann kommen die
es erlebt haben, ihr Blick auf etwas, was
sie sich nicht erklären können,
Leidensfiguren, Lakaien der Macht,
die Verhältnisse, mach was.

Stolze Tränen, nicht wahr,
ist doch verständlich, man war dabei;
wenn es nach ihnen gegangen wäre,
den Adolf hätte es nie gegeben,
wir kennen die Sprüche.

Die Verlierer machen Geschichte,
sauber ins Licht gestellt, in die Annalen,
alle Stäubchen vom Hof gefegt mit dem
Besen der Schuldlosigkeit, wer schon
beweist das Gegenteil


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Kommentare zu diesem Text


 Elisabeth (17.10.23, 22:38)
Hallo Rosalinde,

ja, Du schreibst sehr viel ernstere, nachdenklich machendere Texte als ich. Ich danke Dir, daß Du mich (und andere) an Deinen sehr ernsten Gedanken teilhaben ließest. Ich finde das bewunderungswürdig.

Ja, das Grauen ist das Grauen und das sollte nicht weißgewaschen werden. Historiker machten das und machen es auch noch, auch wenn man lernt: sprich mit den Zeitzeugen - möglichst vielen verschiedenen (wo möglich). Nie nur eine Quelle verwenden, denn ist die eingefärbt, ist es der darauf aufbauende Text natürlich auch.
Und es reicht definitiv nicht, sich bei der Kolonialgeschichte nun plötzlich der umgebrachten und ausgeraubten Völker fremder Kontinente zu erinnern.
Aber Historiker stumpfen auch ab. Immer ist da ein Krieg, schlimme Kriegsverbrechen, Hunderte, Tausende, Millionen von Toten, vielleicht auch nicht immer mit der deutschen Effizienz vollbracht. Die Beschreibung des Grauen kann nur adäquat sein, wenn man es selbst erlebt hat - doch es hat kaum einer überlebt. Also zieht man sich als Historiker in die sachliche Analyse des großen Ganzen zurück, in das, was danach kam, Wiederaufbau, Wiedergutmachung, wieder Krieg, nur woanders, für den man den alten Feind als Verbündeten braucht. Und das geht fort und fort und fort durch die Jahrhunderte.
Thukydides (griechischer Historiker aus dem 5. Jh. v.u.Z.) schrieb über die Natur des Menschen (freies Zitat): Machtstreben und Angst sind sein Antrieb - das stimmt bis heute. Star Trek lügt, die Natur des Menschen ändert sich nicht. Nicht in 100 Jahren, nicht in 2500 Jahren.
Deshalb schreibe ich lieber Rosiges.

 Rosalinde meinte dazu am 18.10.23 um 07:57:
Hallo Elisabeth,

danke für deinen sehr zutreffenden Kommentar. Zum Schluss schreibst du aber, dass sich die Natur des Menschen nicht ändere und du deshalb lieber Rosiges schreibst. Ich bin nicht dieser Meinung. 

Die Natur des Menschen ändert sich, wenn sich die Verhältnisse ändern. Leben sie mit geistigem Schmutz,
mit Armut, Ausbeutung und den wohlverpackten Lügen,
dann, da hast du völlig recht, ändern sich die Menschen nicht. Sie versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, gehen aber nicht an die Wurzel des Verbrechens, das von den sie Beherrschenden begangen wird. Ich bin alt genug, um zu wissen, dass dies keine Zwangsläufigkeit beinhaltet. Du kennst sicher die Worte von Marx, in denen er davon spricht, dass die Philosophen die Welt nur beschrieben haben, es komme aber darauf an, die Welt zu verändern? Eine Veränderung allerdings, in der die alten Verhältnisse nur in kaschierter Form nach den Vorstellungen des World Economic Forums vorgenommen wird, wird der Menschheit nur Elend und Tod bringen. Ich habe mal eine Welt gekannt, in der die Menschen tatsächlich begannen, sich zu verändern, hin zu mehr Menschlichkeit, frei von Ausbeutung, und von daher weiß ich, dass die Unveränderlichkeit des Menschen keine Konstante ist. Das Leben ist immer Bewegung, in positiver oder negativer Richtung.

Ich glaube nicht daran, dass ein Gedicht die Welt direkt verändert. Ich bin aber der Ansicht, dass "nur Rosiges" ganz bestimmt nicht irgend etwas verändert.
Im Gegenteil, es schafft Illusionen. Wenn man mit den gegenwärtigen Verhältnissen nicht einverstanden ist,
muss man mit der Kraft, die man als Autor hat, eines vor allem schreiben: die Wahrheit über die Verhältnisse. Mehr können wir Autoren mit unseren Mitteln nicht erreichen.
Dass es gegen das Wahrheitschreiben unendlich viele Widerstände gibt, auch darüber müssen wir uns im klaren sein. Nicht jeder hat die Kraft, dagegen anzuschreiben. Ich verstehe dich, kann da im Grunde nichts kritisieren. Aber da ist bei mir, und nicht nur bei mir, immer noch das Aber, das Nein, das Trotzdem. Wir sind die, die versuchen sollten und müssen, die Köpfe vom eingelernten Schmutz der Herrschenden zu befreien. So sehe ich unsere Aufgabe, auch wenn wir sie oftmals sogar mit unserem Leben bezahlen müssen. Keine Übertreibung, der Beispiele gibt es viele in der Geschichte. Leicht gesagt, aber schwer getan.

Lieben Gruß, Rosalinde

Antwort geändert am 18.10.2023 um 08:00 Uhr

 Elisabeth antwortete darauf am 18.10.23 um 09:40:
Ja, du hast recht, man muß versuchen, die Welt zu ändern, indem man ihr den Spiegel vorhält.

Aber welche Fernwirkung hat man als unbekannte Hobby-Autorin? Ohne diese Fernwirkung bewirkt man nur etwas im eigenen Umfeld. Und da wirke ich lieber viel direkter, versuchte und versuche, meinen Kindern zu zeigen, was das Leben lebenswert(er) macht, damit sie das einmal weitergeben können. Und manchmal mache ich das in anderem Maßstab auch in meinen (längeren, weltenbauenden) Geschichten, aber vielleicht zu versteckt.

Leider bin ich ein durch das Studium geschädigter Historiker, der weiß, wie oft die Herrschenden wieder und wieder von ihren Thronen geworfen wurden und doch wenig später andere mit den selben Ideen wieder dort saßen, wie oft kleine oder größere Gemeinschaften versuchten, gegen alle Widerstände ein Paradies auf Erden zu errichten. Und schwupps, ein paar Jahrzehnte später, sind auch dort ganz klare Herrschaftsstrukturen zu erkennen, genau jene, vor denen man einst floh.

Ich kämpfe auf meinem kleinen, häuslichen Schlachtfeld, und das ist groß genug, um daran manchmal zu verzweifeln. Dann freue ich mich, wenn bei meinen Kindern doch ein Teil der Erziehung angeschlagen hat und kann hoffen, daß auch bei ihren Kindern einmal die Erziehung anschlägt.

Wenn die Vermehrungsrate so weitergeht, sind wir in 50 Jahren dann bei 18 Familien, die meinen und meines Gatten Weg, den Weg meiner Mutter und meines Vaters und meiner Schwiegermutter und meines Schwiegervaters, unserer Großmütter und Großväter und der Generationen davor fortsetzen - und das nur von meiner Seite. Und dann erlaube ich mir eben, der häuslichen Revolution ihre Zeit zu lassen, zu hoffen, daß sich über die Zeit vielleicht ein wenig doch ändert (was aber vermutlich bei allen aktuellen Bestrebungen in dieser Richtung torpediert wird durch den Unwillen, sich mit der Historie einiger zu Recht angeprangerter Probleme zu befassen - und immer wieder zu befassen!) und mich mit dem Schreiben angenehmer Themen zu erbauen.

Wenn ich nicht auch grad mal meine, versuchen zu müssen, die Welt mit meinen Texten zu ändern.

Ich bewundere, daß Du den Kampf aufgenommen hast und ihn literarisch führen willst, ich stehe auch gerne an der Seitenlinie, um Dir moralische Unterstützung zu geben, teile Deine mir bisher bekannten Ansichten und habe sie schon vor Jahren meinen Kindern vermittelt, aber werde mich auf literarischem Gebiet diesem Kampf nicht oder nur selten anschließen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und von allen Seiten viel Unterstützung und vor allem viel Gehör!

Ganz liebe Grüße von Bettina

 Rosalinde schrieb daraufhin am 18.10.23 um 13:07:
Liebe Bettina,

ich mache dir überhaupt keine Vorwürfe. Du hast Kinder, sie brauchen dich, um erwachsen werden zu können. Ich habe Enkel, sie sind mir genauso wichtig. Sie sollen nicht in der Welt, wie sie ist oder wie sie sich das WEF vorstellt, vegetieren müssen.

Du glaubst also, man verändere die Welt, indem man ihr den Spiegel vorhält? Bettina, allen Ernstes, das reicht nicht. Es ist ein Anfang, nicht mehr. Sieh mal, wir bekommen von Obrigkeitsseite viele verlogene Informationen geradezu eingehämmert, die in die Köpfe gelangen und so eine Weltsicht erzeugen, eine verkehrte Weltsicht. Aber die meisten Menschen haben nur diese Informationen, das ist die Crux. Verängstigt, markieren sie Häschen in der Grube. Sie brauchen die Wahrheit, sie wissen es nur nicht. Aber man soll sich nicht täuschen lassen, denn es ist ein beliebter Trick der Herrschenden, wenn sie verkünden, zu ihrem Vorgehen große Zustimmung unter der Bevölkerung zu finden. Jede Stimme eines Autors ist nur eine Stimme, aber viele Autoren kann man nicht und werden auch nicht übersehen. Das macht oben Angst. Weshalb denn werden
wahre Informationen als Desinformationen nicht nur bezeichnet, sondern verfolgt und verboten? Ahnst du, wieviele Institutionen, Regierungen und Organisationen den "Kampf gegen die Desinformation" aufgenommen haben? Schriebe man sie auf, man brauchte ein Vademecum der "Desinformationen". 

Aber etwas anderes: Wenn man heute im Westen studiert, darf man sicher sein, dass man belogen wird. Selbst dann, wenn man diese Lüge nicht glaubt, es bleibt immer etwas hängen. Ist dir bekannt, dass heute ein Krieg um die Köpfe geführt wird? Und da machen mit Psychologen, Neurologen, Soziologen und andere Studienrichtungen, sie werden zu Handlangern der Herrschenden ausgebildet, oftmals sogar, ohne es zu bemerken und schon gar nicht dagegen aufzubegehren. 

Im übrigen, an mir gibt es nichts zu bewundern, ich habe auch meine Fehler gemacht. Auch heute noch passiert mir so mancher Fehler. Man kann alt werden wie ein Kamel,
der Rest ist Schweigen. Was tu ich denn? Ich schreibe  Gedichte. Na und? Ich habe keinen Grund, mich irgendeiner guten Tat zu rühmen. Ich bin auch bloß eine von Milliarden Menschen auf der Welt, die mit den Verhältnissen unzufrieden sind. Und die wissen, dass die Welt anders eingerichtet werden muss, einfach nur menschengerecht. Glückssucher sind wir alle.

Herzliche Grüße, Rosalinde
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