Epochentypische Gedichte. Aufklärung. Lessing: Der Tanzbär
Lehrgedicht zum Thema Eitelkeit
von EkkehartMittelberg
Kommentare zu diesem Text
Lieber Ekkehart,
mir zeigt Deine´treffliche Interpretation, dass wir Schreiberlinge meist "nur" unsere eigene Zeit (oder uns selbstverliebt) im Blick haben bzw. widerspiegeln. Es gelingt uns nur bedingt, uns aus ihrem Kontext zu lösen und "über den Dingen zu stehen". Die Freiheit des Geistes stößt schneller an Grenzen, als uns lieb ist. Ich freue mich auf weitere Interpretationen und den damit verbundenen Anregungen aus Deiner Feder.
Ganz herzliche Grüße
Viktor
mir zeigt Deine´treffliche Interpretation, dass wir Schreiberlinge meist "nur" unsere eigene Zeit (oder uns selbstverliebt) im Blick haben bzw. widerspiegeln. Es gelingt uns nur bedingt, uns aus ihrem Kontext zu lösen und "über den Dingen zu stehen". Die Freiheit des Geistes stößt schneller an Grenzen, als uns lieb ist. Ich freue mich auf weitere Interpretationen und den damit verbundenen Anregungen aus Deiner Feder.
Ganz herzliche Grüße
Viktor
Du hast es wieder einmal auf den Punkt gebracht Viktor. Indem wir uns mit vergangenen Epochen beschäftigen, lernen wir unser Erbe kennen und nur so können wir es sinnvoll eiterentwickeln. Vielen Dank Ekki
Ich hoffe, das ist der Beginn einer Reihe, in der du uns weitere epochentypische Gedichte vorstellst und damit unseren Horizont erweiterst.
Herzliche Grüße
Ira
Herzliche Grüße
Ira
Ich werde deiner Anregung gerne folgen, Ira, auch wenn es ein bisschen dauern wird, bis diese Interpretationen ihre Leser finden. Lieben Dank auch dir.
Dieser Text bringt dem Leser richtig viel.
Vielen Dank für deine Einschätzung, Regina.
LG
Ekki
LG
Ekki
Lieber Ekki,
"Das Gedicht zeigt, dass Kunst durch die Absicht zu belehren, an Eleganz verlieren kann."
Das ist ein zu beherzigendes Fazit!
Ich bin daran schon öfter gescheitert.
LG
Angelika
"Das Gedicht zeigt, dass Kunst durch die Absicht zu belehren, an Eleganz verlieren kann."
Das ist ein zu beherzigendes Fazit!
Ich bin daran schon öfter gescheitert.
LG
Angelika
Hallo Ekki,
vielen Dank für deine Einführung in die Epoche der Aufklärung und deine Interpretation zu Lessings "Der Tanzbar", die ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich stimme dir größtenteils zu. Allerdings tut man Lessing Unrecht, wenn man ihm fehlende Raffinesse vorwirft und seine Reime als "hausbacken" bezeichnet.
Verse 1 bis 4:
Ein Tanzbär war der Kett' entrissen,
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
Auf den gewohnten Hinterfüßen.
Lessing wählt einen umarmenden Reim. Die "Umarmung" ist die Kette. Mit einem "hausbackenen" unreinen Endreim (entrissen – Hinterfüßen) konterkariert er die Aussage: Der Tanzbär wurde zwar von seiner äußeren Kette befreit, nicht jedoch von seiner inneren. Ich würde diesen Reim nicht gegen den reinsten Kinderpopo der Welt eintauschen: unrein = unwahr. Lessing sendet damit schon früh Signale, dass hier irgendetwas faul ist. Das ist raffiniert.
Verse 8 bis 10:
»Dergleichen Kunst, sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei!
Zeigt deinen niedern Geist und deine Sklaverei.«
Ich entdecke hier weitere Ketten: Assonanzen und Alliterationen. Ich zähle insgesamt 9 s-Anlaute (inkl. sch) und ebenso viele ei-Doppellaute:
s-s-s-sch-s-s-s-s-s
ei-ei-ei-ei-ei-ei-ei-ei-ei
Die Alliteration wird lediglich durch das Wort "rar" unterbrochen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Darf ich das "Satire" nennen?
Verse 11 bis 17:
Schließt die LIST das IST ein?
Schließt das SEIN das EIN ein?
Schließt der TADEL den ADEL ein?
Pardon für die Wortspiele! "Einschließen" (Vers 17) ist ein Synonym für gefangen nehmen, und damit auch für eine Kette. Das sind doch raffinierte Manöver, oder?
Verse 16 bis 17:
Ein solcher Mann, ein großer Hofmann sein,
Schließt das Lob oder Tadel ein?
Hier fallen mir die o-Vokale auf (solcher – großer – Hofmann – Lob). Ein solcher großer Hofmann ohne Lob = Johann Ohnelob? Der Tadel schließt kein o ein. Der letzte Vers fällt etwas aus dem Rahmen (kein Jambus) und enthält eine Zäsur. Damit wird die rhetorische Frage auch formal zugunsten des "Tadels" entschieden.
Im Übrigen kann ich nur jeden dazu ermuntern, die Endreime im Kontext zu betrachten und auch Binnen- und Halbreime zu berücksichtigen:
Tanzbär – war der
Kett‘ entrissen – Hinterfüßen
brummt ein alter Bär – Kunst, sie sei so schwer
Sie sei so rar sie sei – deine Sklaverei
List statt Witz – Tugend ist
Die Reime wirken nur dann "hausbacken", wenn man sie separat betrachtet.
Grüßle,
sonoco
vielen Dank für deine Einführung in die Epoche der Aufklärung und deine Interpretation zu Lessings "Der Tanzbar", die ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich stimme dir größtenteils zu. Allerdings tut man Lessing Unrecht, wenn man ihm fehlende Raffinesse vorwirft und seine Reime als "hausbacken" bezeichnet.
Verse 1 bis 4:
Ein Tanzbär war der Kett' entrissen,
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
Auf den gewohnten Hinterfüßen.
Lessing wählt einen umarmenden Reim. Die "Umarmung" ist die Kette. Mit einem "hausbackenen" unreinen Endreim (entrissen – Hinterfüßen) konterkariert er die Aussage: Der Tanzbär wurde zwar von seiner äußeren Kette befreit, nicht jedoch von seiner inneren. Ich würde diesen Reim nicht gegen den reinsten Kinderpopo der Welt eintauschen: unrein = unwahr. Lessing sendet damit schon früh Signale, dass hier irgendetwas faul ist. Das ist raffiniert.
Verse 8 bis 10:
»Dergleichen Kunst, sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei!
Zeigt deinen niedern Geist und deine Sklaverei.«
Ich entdecke hier weitere Ketten: Assonanzen und Alliterationen. Ich zähle insgesamt 9 s-Anlaute (inkl. sch) und ebenso viele ei-Doppellaute:
s-s-s-sch-s-s-s-s-s
ei-ei-ei-ei-ei-ei-ei-ei-ei
Die Alliteration wird lediglich durch das Wort "rar" unterbrochen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Darf ich das "Satire" nennen?
Verse 11 bis 17:
Schließt die LIST das IST ein?
Schließt das SEIN das EIN ein?
Schließt der TADEL den ADEL ein?
Pardon für die Wortspiele! "Einschließen" (Vers 17) ist ein Synonym für gefangen nehmen, und damit auch für eine Kette. Das sind doch raffinierte Manöver, oder?
Verse 16 bis 17:
Ein solcher Mann, ein großer Hofmann sein,
Schließt das Lob oder Tadel ein?
Hier fallen mir die o-Vokale auf (solcher – großer – Hofmann – Lob). Ein solcher großer Hofmann ohne Lob = Johann Ohnelob? Der Tadel schließt kein o ein. Der letzte Vers fällt etwas aus dem Rahmen (kein Jambus) und enthält eine Zäsur. Damit wird die rhetorische Frage auch formal zugunsten des "Tadels" entschieden.
Im Übrigen kann ich nur jeden dazu ermuntern, die Endreime im Kontext zu betrachten und auch Binnen- und Halbreime zu berücksichtigen:
Tanzbär – war der
Kett‘ entrissen – Hinterfüßen
brummt ein alter Bär – Kunst, sie sei so schwer
Sie sei so rar sie sei – deine Sklaverei
List statt Witz – Tugend ist
Die Reime wirken nur dann "hausbacken", wenn man sie separat betrachtet.
Grüßle,
sonoco
Kommentar geändert am 13.08.2026 um 09:13 Uhr
Leider habe ich deinen Kommentar erst jetzt entdeckt, Sonoco. Du hast genauer hingesehen als ich und ich akzeptiere deine Korrekturen gerne.
Beste Grüße
Ekki
Beste Grüße
Ekki