Kommunikationsprozesse in Internetforen - Gibt es Regeln?

Interpretation zum Thema Kommunikation/ Dialog

von  Dieter Wal

Dieser Text verschafft typologische Einblicke in verschiedene Kommunikationsverhaltensweisen auf Onlineforen.

Auch hier freue ich mich über eine Diskussion.

Kommunikationsprozesse in Internetforen bewegen sich nach festen Regeln.


1. Prolog:

Der neue Text, über den diskutiert werden kann und soll.


2. Leitwolf - Typ Jäger, Stichwortlieferant (1.1. Alphatier):

Gerade der erste Kommentar ist die eigentliche Eröffnung wie beim Schach-Spiel. Er entscheidet allein über den Handlungsverlauf. Nebenlinien werden nur selten in solchen Diskussionen verfolgt. Alles läuft nach festen Rollen ab mit wechselnden Schauspielern bzw. Diskutanten. Der erste Stichwortgeber lässt sich mit der Treibjagd vergleichen. Hat die Jagd begonnen, wird zur Jagd geblasen, erhalten die Jagd-Hunde einen Vorsprung, bevor die Jäger auf Pferden und zu Fuß folgen.

Der erste Stichwortgeber ist ein bemerkenswertes Alphatier. Um im Bild der Treibjagd zu bleiben, symbolisiert er den Jagd-Veranstalter und Lieblingshund des Veranstalters in einer Person. Er gibt den Ton an, spielt die erste Geige, aber hält sich zumeist danach vornehm zurück. Das Alphatier ist nämlich nicht alleine, sondern weiß sich mit weiteren kräftigen Tieren verbunden. Auch sie sind ihrer Natur gemäß Alphatiere. Bei literarischen  Kommunikationsprozessen sind Alphatiere, also Menschen von herausragender Intelligenz, nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Interessanterweise folgen alle fast immer gedankenlos scheinend, obwohl sie alle rege mit Gedanken beschäftigt sind, dem ersten Stichwortgeber. Er ist der Moderator einer Talkshow, der allerdings hier nur einmal in Erscheinung tritt und ansonsten zuschaut, wie sich die Diskussion ohne ihn entwickelt.



3. Großer Bär - Typ Denker (1.0. Alphatier:

Das zweite besonders starke Alphatier, das bisher nicht in Erscheinung trat, lässt erst die Meute reden und schaltet sich danach mit einem besonders reflektierenden Beitrag ein. Er fasst den bisherigen Diskussionsverlauf meist zusammen und bietet eventuell neue Ausblicke. Innovative Beiträge im Sinn andersartiger Einblicke leistet er jedoch selten. Ihm geht es in erster Linie um Erkenntnisgewinn und Festigung seines Sozialprestiges innerhalb der virtuellen Gruppe. Er ist typologisch ihr Denker. In nichtvirtuellen Gruppen wäre er der Boss oder der Weise im Hintergrund, nicht selten der Älteste.

Je nach Komplexität der sozialen Beziehungen und der Zeit der Diskutanten können solche Diskussionen sich über Wochen hinziehen. Meist flachen sie bei Reizthemen schon nach wenigen Tagen ab und versiegen.

Strohfeuer zünden nicht, liefert der erste Stichwortgeber eine falsche Fährte. Bitte bleib bei deiner Wahrheit.


Dieter Wallentin
23. März 2011
Berlin


Anmerkung von Dieter Wal:

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Kommentare zu diesem Text

fdöobsah (54)
(23.03.11)
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 Dieter Wal meinte dazu am 23.03.11:
Lieber f.,

du hast mir gerade nur durch die Tatsache, dass du das erste Kommentar-Posting brachtest, eine Riesenfreude bereitet, denn ich ahnte bereits bei der Email-Mitteilung darüber, dass nur du es geschreiben haben dürftest. ;)

Danke!

Dabei war die Texttypologie für dich als Foren-Kommentator keineswegs ungünstig. Du warst am Beispiel dieses Topics im Schaukel-Lied-Ordner der sogen. Leitwolf, was auch ohne diese Erklärung für dich und andere, die den Schaukel-Lied-Ordner lasen, nicht überraschend sein kann.

Geärgert habe ich mich über keinen Kommentar. Erst sobald janna signalisierte, dass sie die Missbrauchs-Interpretation für vernünftig hielt, zweifelte ich einen kurzen Moment lang an ihrem Urteilsvermögen, bis ich überlegte, wie ich an ihrer Stelle möglicherweise gedacht haben könnte, ohne den Text geschrieben u. gepostet zu haben.

Perspektivenwechsel hilft oft weiter. Mir zumindest.

Dein 3. Absatz beruht auf rel. Schwerfälligkeit, Bilder im übertragenen Sinn aufzufassen, ohne eine Beziehungsaussage über das Selbst- und Fremdbild deiner Diskussionspartner aus dem Auge zu lassen. Du unterscheidest wenig zwischen dem, was du für richtig hältst und dem, was andere gemeint haben könnten. Du bist ein genialer Text-Interpret und sehr begabter Autor und ein etwas weniger begabter Mensch, wenn es darum geht, sich in andere hineinzuversetzen (Hoher IQ, hoher EQ bei etwas niedrigererTendenz), würd ich meinen.

Menschen verhalten sich in den meisten Dingen wie Tiere. Nicht abwertend gemeint. Es gibt darüber etliche gute Literatur von Biologen, Humanethologen oder Verhaltensphysiologen wie Irenäus Eibl-Eibesfeldt oder z.B. Desmond Morris.

Larmoyanz, Verblendung und Selbstgerechtigkeit würd ich das nicht bezeichnen, außer bei Unkenntnis genannter Fachgebiete.

Zeit ist kostbar. Grundsätzlich bin ich nicht Teilnehmer dieses Forums, um viele Worte in Diskussionen zu machen, sondern um mein Schreiben zu verbessern. Kommentare sind daher immer so kurz und präzise wie möglich. Du investiert sehr viel Zeit und Sorgfalt in Diskussionen. Das ist großartig, aber nicht mein eigentliches Anliegen.

Ich bin sicher, dass dieses Kinderlied in keiner Anthologie gebracht werden wird. Zumindest würde es mich wundern. Aber ich bin begeistert, was für engagierte Kommentare von dir und allen anderen es dort und hier auslösen konnte.

Herzlich
Dieter
(Antwort korrigiert am 23.03.2011)
Jack (33) antwortete darauf am 23.03.11:
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 Dieter Wal schrieb daraufhin am 23.03.11:
"Wenn es Menschen nicht abwertet, dass sie sich wie Tiere verhalten, dann sind es Tiere."

LOL. Stimmt. Menschen sind Tiere. Mehr Hirn, weniger Fell, zweibeinig.
Jack (33)
(23.03.11)
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 Dieter Wal äußerte darauf am 23.03.11:
@ Jack: Da gratulier ich.

"Da ist Kreativität gefragt, willst du die Jäger zu Gejagten machen." Tolle Formulierung.

Zu deiner provokativen Frage. Das Kinderlied ist ein Lied, das eine 2,5-Jährige weitestgehend verstehen sollte. Die Relativitätstheorie erklär ich ihr dann, soweit ich sie überhaupt richtig verstanden habe, später. :)

Es ist von mir einfach gepostet worden, weil ich es aus Liebe geschrieben, bzw. gesungen habe und das in meinen Augen grundsätzlich etwas Schönes ist. Über Literatur müssen wir in diesem Zusammenhang nicht unbedingt sprechen, es sei denn, du möchtest mit mir unmittelbar im Anschluss über Teletubbies diskutieren.
(Antwort korrigiert am 24.03.2011)

 star (06.05.11)
Interessanter Ansatz, aber voll unfertig, unausgearbeitet. (?) Wirkt auf mich so dahin gehuscht, vlt. eines Effektes wegen? sade.

 Dieter Wal ergänzte dazu am 07.05.11:
Stimmt durchaus. Du wärst nach dem Typologie-Text im anderen Ordner ne Kommentarziege. Meckern und was Liebes sagen. Danke dafür! :) Was konkret würdest du an meiner Stelle daran verbessern? LG, Dieter

 Dieter_Rotmund (30.12.21, 12:16)
Alfa-Tier -> Alphatier

 Dieter Wal meinte dazu am 30.12.21 um 15:41:
Danke! :blush:
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