Der endgültige Abschied

Innerer Monolog zum Thema Abschied

von  Strobelix

18.04.2012

Lieber Vater,
im kleinen Kreis haben wir uns versammelt, um uns von dir zu verabschieden.
Vor uns steht auf einem Podest dein hölzerner Sarg, geschmückt mit einem frischen Blumen-Bouquet. Fröhlich und farbenfroh ist der Eindruck für das Auge, doch traurig der Anlass und die Stimmung in der Trauerhalle.
Du bist noch unter uns und doch nicht mehr richtig dabei. In unseren Köpfen bist du noch ganz lebendig - und doch denken wir schon an dich zurück.
Wir denken an eine lange Zeit, die wir gemeinsam mit dir mit Höhen und Tiefen verbringen durften. Eine gemeinsame Zeit, die jetzt ein Ende gefunden hat.

Wir haben deinen Abschied so gestaltet, wie du ihn dir gewünscht hättest - mit einer Kombination besinnlicher klassischer Musik und aufmunterdem Jazz.
Wir laufen nach einer bewusst kurzen Traurerrede hinter deinem Sarg - benommen und mit einer spürbaren inneren Leere. Für alle Anwesenden scheint es jetzt schwierig mit dieser Situation umzugehen. Jeder scheint in seine eigenen Gedanken versunken - vielleicht auf der Suche nach Erinnerungen an dich.
Und doch wissen wir, dass es nicht in deinem Sinne wäre, uns traurig zurückzulassen.

So lassen die Träger deinen Sarg in die geöffnete Grabstätte hinab - nachdem sie die Trageseile herausgezogen haben, verneigen sich alle vier wortlos, über deinem Sarg.
Wir treten nacheinander an die Grabkante und werfen, deinem Wunsch entsprechend, keine Erde auf deinen Sarg hinunter - wir grüßen dich stattdessen zum Abschied mit Blumen aus deinem Garten - frisch geschnittene gelbe Tulpen, eine von jedem Trauergast.

Du wirst deinen Weg auch jetzt gehen ... wie du ihn immer gegangen bist ... selbstbewusst und zielstrebig, aber immer mit Rücksicht auf die Menschen in deiner Nähe.

Lebe wohl und genieße die Ruhe, die du dir nach einem aktiven und erfolgreichen Leben verdient hast ...


Anmerkung von Strobelix:

Gut 6 Monate liegt die Beerdigung zurück, doch diese Zeit musste der Text reifen, um den Abschied von einem geliebten Menschen in angemessener Form wiedergeben zu können.

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