Die Wahrheit über Herakles

Text zum Thema Ekel

von  Quoth

Ich habe mir diese Aufgabe nicht ausgesucht und bin kurz davor, an ihr zu verzweifeln. Grund dafür ist, dass ich den Ekel verloren habe, den jeder gesunde Mensch vor tierischen Ausscheidungen empfinden sollte. Es muss eine Krankheit sein, die meinen Kopf und dann auch meine Nase, meine Zunge, meine Augen und schließlich den gesamten Mann befallen haben muss. Was mit Widerwillen zu riechen, zu sehen und wegzuschaffen ich gekommen bin, darin würde ich mich am liebsten wälzen, stecke mir immer wieder eine Handvoll in den Mund und schmatze genüsslich darauf herum; nur das Stroh speie ich aus, den Kot schlucke ich herunter, und Magen und Darm nehmen ihn gierig in Empfang, um ihn ein zweites Mal zu verdauen. Indem ich Wasser hereinleite und die Ställe ausspüle, bekämpfe ich meine eigene verirrte Gier, ja Sucht auf eine Substanz, die allenfalls als Ackerdünger noch brauchbar ist. Ich fürchte den Tag, an dem alles weg ist: Woran soll ich mich dann noch erfreuen? Nur eines kann mein Verlustgefühl dann ausgleichen: Der Stolz darauf, dass ich meiner perversen Lüsternheit Herr geworden bin.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Dieter Wal (03.10.20)
Seit Kleist und Christa Wolf selten mehr so authentische Texte über Griechische Mythen gelesen wie diesen! Halt. Du kennst Erhart Kästners von NS-Dreck gereinigtes Werk über Griechenland? Er beschreibt darin vor allem den Übergang der gr. Antike zur christlichen Religion, also Synkretismus kulturgeschichtlich. Und inoffiziell war er für die Nazis im Auslandsnachrichtendienst tätig. Über Jahrzehnte. Und ließ sich nicht wegversetzen, weil er sein Lebensthema gefunden hatte. Griechenland.

 Quoth meinte dazu am 03.10.20:
Vielen Dank für das sehr hoch gegriffene Kompliment im ersten Satz und die Empfehlung. Dein Wissen über Erhart Kästner teile ich nicht, ich schätze den Kästner, der Erich hieß! Mit Gruß, Quoth

 Dieter_Rotmund (03.10.20)
Man ist doch keine mythische Sagengestalt, nur weil man Scheiße isst. Das finde ich dann doch etwas zu hoch gegriffen. Da könnte sich ja jeder Alkoholiker für Dionysos halten...

 Quoth antwortete darauf am 03.10.20:
Hier wird zu viel geschmeichelt und gelobt, Dieter, Du hast völlig recht. Gruß Quoth

 RainerMScholz (06.10.20)
Koprophilie kommt viel zu kurz.
Grüße,
R.

 Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 06.10.20:
Das Leben nach dem Tod in Denver, Dialog zwischen Andy Garcia und Treat Williams. 😁

 Quoth äußerte darauf am 07.10.20:
Kenne den Film und den Dialog nicht, Ralf, und habe bei Wikipedia auch nichts Verbindendes gefunden.
Danke für die Empfehlung, Rainer. Ich finde den Text eher noch zu lang! :(

Antwort geändert am 08.10.2020 um 08:43 Uhr

 Dieter_Rotmund ergänzte dazu am 26.10.20:
Things to Do in Denver When You're Dead von 1995, ich habe ihn allerdings ebenfalls nie gesehen.

 harzgebirgler (23.10.20)
ob wohl "der sich an hera ruhm erwarb"
niemalen seinen magen bei verdarb?

gruß
harzgebirgler

 Quoth meinte dazu am 23.10.20:
Zwar sog er einst an Heras Brust,
doch jetzt verfiel er der Ekellust.
Gruß Quoth

 Lluviagata (22.07.21)
Die ganze Welt ist ein ein Augiasstall? Mag sein. im Traum tut man Dinge, die einen nur noch im Nachhinein erschrecken. Können.

Liebe Grüße
Llu ♥

 Quoth meinte dazu am 27.07.21:
Ja, Lluviagata - merkwürdig! Von einer gefüllten Eiswaffel träume ich z.B. nie! Gruß Quoth

 EkkehartMittelberg (27.07.21)
Die Lust am Perversen als literarisches Thema erfreut sich zunehmender Aufmerksamkeit.

 Quoth meinte dazu am 27.07.21:
Da bin ich offenbar auf einen Trend hereingefallen! Ich lebe in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet und habe mich an den ständigen Güllegeruch so sehr gewöhnt, dass er mir inzwischen wie ein Duft erscheint!
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram