Blur-tooth on StandBy oder Verschwommener Hai
Skizze zum Thema Fortschritt
von DanceWith1Life
Täglich flatterten neue Meldungen herein, die eigentlich nur eines klar machten, es ist ernst. Jedes Blatt versuchte mit anderem Titel, dies zu verdeutlichen. Seltsam für eine Spezies, die vor ein paar tausend Jahren noch in Bäumen schlief, um nicht gefressen zu werden.
Hat die Geschwindigkeit, mit der die Menschheit ihre Werkzeuge entwickelte und verbesserte, sie vielleicht ... ein seltsamer Gedanke, selbst für einen Androiden. Aber wo sollte das hinführen, den Walen gleich um den Erdball zu kommunizieren, den Fischen gleich zu tauchen, schneller als das schnellste Landtier und fliegen in nie zuvor erreichten Geschwindigkeiten. Alles war ihr gelungen, irgendwie. Und jetzt sitzt sie dann im selbst steuernden Wasserstoffmobil und spielt mit Touchscreen und Highend Equalizer 5 dimensionales Sodoku, ohne auch nur zu ahnen, dass etwas total schief gelaufen ist.
Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn man einen Standpunkt hätte, der dies aufzeigen könnte. Natürlich erst wenn der Krieg vorbei ist, wer auch immer dann besiegt wurde. Der tägliche Kampf mit einem unsichtbaren Feind, den man nicht nur mit Mundschutz und Sicherheitsabstand und Impfboostern besiegen kann.
Der wirkliche Feind ist in eueren Köpfen, konnte der Androide nicht verhindern, dass die Zufallslogikauswertung seiner Software als Schlussfolgerung buchstabierte. Quer über das Titelblatt aller digitalen Zeitungen, die er gerade durchblätterte. Keiner würde das so verstehen wie es gemeint ist, sinnierte er weiter und versuchte die laut seinen Analysen wahrscheinlichsten Schlussfolgerungen, in Worte zu fassen.
Als Ausgangspunkt wählte er einen Begriff, der allen diesen Missverständnissen zugrunde liegen würde, zielorientiert. Ihm war klar, dass oberflächliche Betrachter ihm dies zum Vorwurf machen könnten, wie er in einer Zeit wie dieser, wo schnellst mögliches zielgerichtetes Entscheiden und Handeln die wichtigsten Strategien waren, so einen Ansatz vertreten könne. Sehen Sie, das ist das Problem, alles wird vermischt. Man versucht Dinge, die man seit langer Zeit versäumt hat, schnellst möglich zu bereinigen.
Und Dinge die eine schnelle Entscheidung fordern, werden auf die lange Bank geschoben.
Und natürlich wird über alles ausführlichst diskutiert, in einer Art und Weise, dass selbst die einfachsten Entscheidungen zum Problem werden.
Eine objektive Kritik dieser Thematik ist nicht nur unmenschlich, da es ja niemand gibt, der den dazu notwendigen Standpunkt einnehmen könnte. Sie ist auch komplett widersinnig, da das verwendete Rohmaterial in der freien Natur nicht vorkommt.
Es handelt sich also um eine spezielle Züchtung. Whistleblower gehören ursprünglich in die Familie der Orchideen. Die Theoretiker sprechen von zwei unterschiedlichen Arten dieser Familie, LyrIs und LyrDus. Während LyrDus so ziemlich überall gedeihen, manche Wirte werden quasi vollständig unter ihnen begraben. Gedeihen die LyrIs nur unter speziellen Bedingungen zu voller Blüte. In der Kunst steht man ihnen allerdings sehr zwiespältig gegenüber. Wegen ihres betörenden Aromas werden sie geliebt, ein Trick der Insekten anlocken soll und die vorfühlende, wechselwarme Seite unserer menschlichen Natur, fühlt sich endlich einmal berücksichtigt, wenn nicht gar verstanden. Diese Seite der menschlichen Natur, die schon etliche Generationen von Kunstschaffenden völlig in ihren Bann zog, jeweils mit den Eigenheiten des Individuums völlig verschmolzen, die schillerndsten Werke hervorbrachte. Ich erinnere an Kafka, Meyrink, Poe, gleichzeitig von Stilepochen geprägt oder diese prägend, eine Möglichkeit suchte, den ursprünglich individuellen Rahmen in einem gesellschaftlichen Kontext zu verstehen.
Also meiner Meinung nach. Es ging ihnen nicht um Philosophie. Sie suchten Lebensraum für Träume und beobachteten gleichzeitig die träumende Natur menschlicher Entwicklung, wie sie sich seit der Erfindung des Rads über alle natürlichen Schranken hinweg setzte und dabei anscheinend in einen Albtraum geriet. Das fiebernde, isolierte, das die hilflose Seite eines Albtraums ist, das ausgelieferte, eingesperrte und all die anderen Empfindungen eines entfremdeten "Menschseins".
Ich hatte immer das Gefühl, der ursprünglich "Spirit", ich verwende den englischen Begriff, weil er meiner Meinung nach den Geist des zu bezeichnenden Sujets besser einfängt, als das Wort "Geist". Der Spirit dieser Kunst, im Gegensatz zu den religiös geprägten Werken, die ja Jahrhunderte lang eine sehr dominante Rolle spielten, war neben der Befreiung von Zwängen auch eine Neuorientierung oder sogar Standortbestimmung, wo sind wir denn eigentlich jetzt. Ich zähle auch, wenn nicht gar besonders die Musik zu den Pionieren dieses Impulses. Wenn man sich fragt, wie entsteht so etwas, also wie kommt es, dass wir ausbrechen wollen, aus bestehenden Verhältnissen, erntet man entweder Kopfschütteln oder Gelächter, so offensichtlich ist das in Frage Gestellte für die einen und so widersinnig für die anderen. Allein dieser Gegensatz der Wahrnehmung ist der Grund für diesen Text. Denn obwohl jede Diskussion zwischen Autoren unter den Bedingungen dieses Gegensatzes geführt wird, wird er dennoch selten als zu berücksichtigender Faktor in die Diskussionen eingebracht Stattdessen wird ein seit nunmehr Jahrhunderten andauernder Streit zwischen diesen beiden Sichtweisen neu aufgespult, mit immer dem gleichen Ergebnis, der Klügere gibt nach, lach, ausser er findet das Argument, das den traditionellen Anspruch ausser Kraft setzt. Das kann meiner Meinung nach nur eine individuelle Erfahrung mit Ausrichtung auf das große Spiel, nein, nicht Fußball, Menschsein. Menschsein ist das einfachste und schwierigste gleichzeitig, da es sich eben nicht auf Formeln reduzieren lässt. Es ist die ungelöste Gleichung mit einer Variablen, die nicht wirklich bestimmt werden kann und dennoch entscheidender Faktor ist. Das macht uns so unberechenbar, wie wir überall sehen können, so einzigartig, wie wir sein sollten, so vom Leben fasziniert, wie wir uns nicht mehr vorstellen können, und so gegen die von uns erschaffenen Zwänge rebellierend, dass wir manchmal gar nicht mehr einen Satz zuende hören wollen, wenn es den Anschein hat, er läuft darauf hinaus. to be cont.
it takes one to know one