Nachkriegslyrik

Skizze

von  Gabyi

Wann ist nach dem Krieg und um welchen Krieg handelt es sich. Als Kind war ich der Nachkriegslyrik ausgesetzt mit all ihren schaurigen Gedichten wie “Schwarze Milch der Frühe” von Paul Celan. Niemand in meiner Klasse verstand den Sinn, nur ich, weil mein großer Bruder mir die Schauergeschichten von Hitler erzählt hatte. Mein Bruder war ein Guck-in-die-Luft und hyperaktiv. Darum wusste er sowas, worüber alle anderen immer schwiegen. Meine Deutschlehrerin empfahl uns ein Buch mit “Erzählgedichten”. Mit Gedichten von Hans Magnus Enzensberger, Günter Eich, Else Lasker-Schüler, Wilhelm Lehmann, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz, Joachim Ringelnatz, Bertold Brecht und Günter Grass. Es war ein dünnes, orangefarbenes Heftchen “Moderne deutsche Gedichte für die Schule”. Da konnte man sich nun in der Nachkriegslyrik ergehen, denn man hatte ja schließlich auch eine Mitschuld an allem. Sippenhaft sozusagen.
Wilhelm Lehmann war mir sogar persönlich bekannt, denn er war der Großvater einer Freundin von mir und ein ehemaliger Lehrer meines Gymnasiums gewesen. Seine Werke allerdings wurden zu meiner Zeit hier komplett missachtet.
Heutzutage allerdings ist er wieder im Kommen, nachdem er noch im Zweiten Weltkrieg in die sogenannte innere Emigration gegangen war.


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Kommentare zu diesem Text


 S4SCH4 (11.07.24, 22:04)
Ich schreibe gerade an einem Buch, dass sich mit den ewigen Neuanfängen eines bisher glücklosen Schriftstellers befasst. Er haut auf seinem 47. Geburtstag ab und begibt sich auf Reisen. Er träumt von einem Neubeginn und nimmt sich dabei u.a. die Gruppe 47 als Beispiel. Ich weiß nicht wie viele von den in deinem Text genannten Schriftsteller dabei waren, aber falls du weitere Informationen, aus erster Hand dazu hast, also was deine Erfahrungen mit einer Literatur ist, die sich Neuanfängen nach dem WK 2 verschreibt, bin ich ein dankbarer Schüler.

 Gabyi meinte dazu am 12.07.24 um 19:10:
Ich weiß nur, weil ich ihn kannte, dass Wilhelm Lehmann in der NS-Zeit in die innere Emigration gegangen war. Aber das war natürlich weit vor meiner Zeit. Er war schon sehr alt, als ich ihn kannte. Er war der Schwiegervater meiner Patentante. Und ich habe als Schülerin bemerkt, dass er in meiner Heimatstadt anfangs etwas missachtet wurde.

 Dieter_Rotmund (12.07.24, 11:13)

Heutzutage allerdings ist er wieder im Kommen, nachdem er noch im zweiten WK in die sogenannte innere Emigration gegangen war.



Ist das so eine Art Qualitätsausweis, die sog. Innere Emigration?  WK würde ich ausschreiben, so viel Zeit und Sorgfalt sollte sein!

 Gabyi antwortete darauf am 12.07.24 um 14:53:
Ich glaube, das war tatsächlich ein Qualitätsmerkmal, sich von der Nazi-Ideologie zu distanzieren. Und der mir bekannte Schriftsteller hat sich in seiner Kleinstadt damit nicht nur Freunde gemacht.
Weltkrieg, zu Befehl !
Sekrotas (68) schrieb daraufhin am 12.07.24 um 18:36:
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 Gabyi äußerte darauf am 12.07.24 um 18:40:
ok. Danke.

Antwort geändert am 12.07.2024 um 19:01 Uhr

 Dieter_Rotmund ergänzte dazu am 18.07.24 um 13:54:
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen (oder so ähnlich, Adorno).

 Gabyi meinte dazu am 18.07.24 um 14:47:
?
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