Karls Theme
Songtext zum Thema Außenseiter
von S4SCH4
Anmerkung von S4SCH4:
Meine Mutter hat mich nie geboren
Ich war immer nur im Entstehen begriffen
Meine Mutter teilt mit mir den Raum
den ein Vater als seinen Platz beansprucht
Wenn mein Kokon wie eine Träne herabfällt
aus Augen, die zu sehen scheinen, bevor sie erscheinen
und Wissen durchlöchert und ertränkt wird
dann wird er erscheinen wie ein Höllenhund
und mich von einer Seite zur anderen treten
und warten, ohne zu streiten, während sein Biss
ohne Bewegung von Mund, Zähnen und Klauen
sinnlos und unvollendet erscheint, roh
Mein Vater hat mir nie den Durst gegeben
und mich zu einem Schwächling gemacht, der als Erster
in der Reihe steht, wenn er die Szene stürmen will
In Wüsten wanderte ich in seiner Fata Morgana
Der Teufel zeigt sich mit einem vertrauensvollen Gesicht
und serviert Äpfel und Walnüsse in seiner Gastfreundschaft
Eine Hülle, um zu schützen, eine Fassade, um stark zu sein
Aber alles, was man bekommt, ist Schuld und Härte
Und ein paar Tropfen Gift, um Tränen zu weinen
Und ein paar perverse Stimmen, um deine Ängste zu verkaufen
Ein paar seltsame und gestrandete Anblicke, um den Globus zu beanspruchen
Der innen leer ist, mit einer Sphäre der Hoffnung
Kommentare zu diesem Text
Schon die ersten Zeilen erzeugen dieses Gefühl, irgendwie „falsch gestartet“ zu sein:
„my mother never gave birth to me / I was always just in the making“
Das wirkt, als würdest du ein Leben beschreiben, das gar nicht richtig zu sich kommen durfte. Ein Mensch, der nicht wirklich in der Welt gelandet ist, sondern im Zustand eines dauerhaften Un-Fertig-Seins hängenblieb. Das ist eine ungewöhnlich starke Art, Außenseitertum zu formulieren: nicht als Reaktion auf andere, sondern als Bruch im Ursprung.
Auch der Kokon, der „like a tear“ herunterfällt, hat mich echt berührt. Normalerweise steht das Bild für Hoffnung, für Verwandlung … bei dir wird es zum Absturz. Alles, was eigentlich Wachstum bedeuten soll, wirkt beschädigt, bevor es überhaupt eine Chance hat. Und dieses „perforated and drowned“ Wissen … das ist sprachlich wie inhaltlich heftig.
Der Vater in deinem Text - diese stille, zerstörerische Kraft - ist erschreckend gut getroffen. Besonders diese Zeilen über den „Biss“, der ohne Mund und Zähne geschieht. Das ist so ein starkes Bild für psychischen Druck, der nicht durch Taten, sondern allein durch Präsenz wirkt. Das las sich für mich sehr authentisch.
Die Wüste und die „fata morgana“ des Vaters führen das super weiter: Trugbilder, leere Versprechen, ein Halt, der nie wirklich da ist. Der Vater ist bei dir nicht nur Täter, sondern auch Phantom, etwas, das entzieht, noch bevor man greifen kann.
Und dann der Teufel mit dem „vertrauensvollen Gesicht“ … das fand ich richtig gut beobachtet. Manchmal kommt das Zerstörerische ja tatsächlich nicht als Angriff, sondern als freundliche Geste. Das hast du genau eingefangen.
Trotz all der Dunkelheit bleibt in deinen letzten Zeilen ein ganz feiner Rest Hoffnung zurück. Die Welt ist leer, ja, aber sie hat trotzdem „an atmosphere of hope“. Das ist kein aufgesetzter Trost, eher so ein zarter, hart erkämpfter Funken. Der wirkt lange nach.
Was ich besonders mag: Du schreibst roh, aber nicht brutal. Bildstark, aber nie bedeutungslos. Fragmentiert, aber nicht chaotisch. Man spürt, dass du die Metaphern benutzt, um ein inneres Erleben sichtbar zu machen, das mit normalen Worten kaum zu fassen wäre.
Für mich ist „Karl’s Theme“ ein tief emotionales Außenseiter-Porträt, eins, das nicht vorgibt, etwas zu sein, sondern tatsächlich aus Erfahrung spricht.
Wirklich klasse gemacht.
LG
Saira
Danke für dein Feedback zum Text. Tatsächlich beschäftige ich mich dieser Tage vermehrt mit dem Thema und denke dabei auch an eine nachfolgend längere Erzählung. Der vorliegende Text soll dabei ein wenig die Grundlage bilden und die Stimmung einfangen.
Es freut mich besonders, dass Du die Metaphorik würdigst und die Authentizität lobst. Ferner ist deine Deutung der Motive sehr inspirierend und erhellend.
Vielen Dank für deine Anteilnahme!
Beste Grüße
Sascha