Ist der Text besser geworden? Für mich klingt er besser. Das sagt eine Stimme in mir, die nur sich selbst verantwortlich ist. Man kann mich auffordern, es anders zu schreiben, aber dann ist es nicht mehr mein Text. Mein Text geht nur so, wenn er stimmig sein soll. Da gibt es kein soh oder soi, ...
Hier wollte ich über die Stimme schreiben, die ich literarische Welt nenne, aber ich habe keine Ahnung, was ich damit meine, außer daß bestimmte Texte aus einigen meiner Regionen kommen, zu denen ich keine Zugang habe, die Quelle sind, von der ich trinke, indem ich schreibe.
Diese Stimme war bereits am Anfang da, und sie hat allem standgehalten, alles überdauert. Aber ich habe nicht mehr auf sie gehört. Wenn sie zu mir gesprochen hat, leise, war ich laut. Ich habe mich mehr unterdrückt (ich bin Alkoholiker), als ich unterdrückt wurde. Meine innere Stimme hat mir vergeben. Ich hoffe, ich bin nun stark genug, ihre Botschaft zu empfangen und umzusetzen.
Danach, als ich verstanden hatte, daß es nur Angst vor mir selbst ist, denn ausgewachsen und über 60 Jahre alt, habe ich keine natürlichen Feinde {1} mehr ... äh? ... Zu welcher Gattung zähle ich mich denn? Die nehmen mir die Blutdrucktabletten weg oder vertauschen sie oder ... soll ich euch wirklich noch mehr Anregungen geben? Ihr könnt doch auch allein entscheiden, welche eMail ihr löschen {2}. ... Und schon pfeifen meine Sicherheitsventile ... Danach, als ich verstanden hatte, daß ich nicht ewig leben werde, hab ich endlich angefangen und die Verbindung zum seit Jahren ruhenden Text aufgenommen. Hab eine Seite angelegt und einfach angefangen mit: „Jetzt möchte ich aber auch mal etwas sagen! Ich möchte mich einfach nicht mehr verstecken! Und noch einen Satz mit Ausrufezeichen: Ja, ich will!
Der erste Absatz war geschafft. Die Wörter haben sich bewegt, haben mich über meine Hände verlassen und ein neues Leben außerhalb von mir im Computer begonnen.
Noch muß man außerhalb schreiben. Aber vielleicht gibt es schon bald ein Interface in mir, an dem ein Computer angeschlossen ist, oder einen so eng mit mir verbundenen Computer, daß man nicht feststellen kann, ob ich mittels Tastatur auf dem Computer schreiben oder ob der Computer meine Gedanken (und Bilder?) ohne mein körperliches Zutun digitalisiert.
#
Den Text schrieb ich vor einigen Jahren. Inzwischen arbeitet man an Standards, damit ein Gerät von Hersteller A zu gleichen Ergebnissen kommt wie das von Hersteller B.
Und man arbeitet nicht nur daran, daß Informationen das Hirn verlassen, sondern auch, daß sie ins Hirn gelangen. So wir man es von Geräten kennt: Bitte aktualisieren Sie ... Sicherheitsupdate ... neue Funktionen.
Wenn Sie nicht möchten, müssen Sie wieder selbst schreiben.
Und haben keinen Zugang mehr zu ...
Schlußendlich werden Sie unbewaffnet allein in der Wildnis leben.
------
{1} keine natürlichen Feinde mehr – ... war mein Stiefvater gefühlt mein einziger Feind? Bin ich jetzt ein altes, sieben Meter langes Krokodil in Menschengestalt, das keine natürlichen Feinde mehr hat außer das Alter? Selbstverständlich nicht, ich fühle mich nur hin und wieder so.
{2} ausführlicher im Kapitel Zwei eMails verschwinden.