Abgrenzung

Tagebuch zum Thema Abgrenzung

von  KriegerinDerTräume

An die Gitterstäbe schmiegt sich bleiche Hand, die die eisernen Kühle des Metalls spürt. Wann habe ich die Schlüssel für die selbstgebaute Zelle meiner Selbst weggeworfen? Ich kann mich nicht daran erinnern. So alt ist mein Geist. Er bröckelt unter der Last der Gedanken, die mich in einem stillen Labyrinth führen, obwohl in meinem Kopf laut ist. Jeder Gedanke schreit lauthals im Wettstreit mit seinen Zimmergenossen. Tagein, tagaus.

Gespenster längs vergangenen Tagen erweisen sich als Wärter meines Gefängnisses. Unnachgiebig, erbarmungslos, selbstgerecht, anmaßend.

Ich stoße an meinen Grenzen auf 31 Quadratmeter. Hole mir eine blutige Nase an das offene Fenster und gehe ein Schritt zurück.

Zurück, nie vorwärts. Schritte zählend. Hand in Hand mit mir selbst. Nie allein in Gedanken, doch einsam in schlaflosen Stunden.

Erdrückende Tage einer Selbstgeißelung. Um welche Sünden muss ich sühnen?
Mein Leben, eine Askese gleich.

Alte Filmabschnitte Revue passieren lassen, bis die Filmrolle reißt. Die Hauptrolle spielt das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Und wenn man zu oft in den Abgründen schaut, schauen die zurück. Kitschig, aber wahr. Sie sehen deine nackte Gedanken, die vor Kälte zittern.

Wir hüllen unsere Gedanken in Worte, um dessen Kern zu verstecken. Der bleibt nur uns selbst überlassen, da wir nicht entblößt unserem Gegenüber sein wollen. Und wenn das doch passieren sollte und alle Schranken fallen, bereuen wir es früher oder später.

Bedauern begleitet uns im Abendstunde unseres Daseins. Aus zahlreiche Gründen, bleibt unser Blick auf das Negative haften, wie ins Auge einer Schlange zu schauen, dessen Gift an uns zerrt. Wir vergiften uns selbst. Im Gedanken. Und die Reue verfolgt uns wie ein räudiger Hund, der uns zu beißen versucht.

Wenn man älter wird, sucht man nach Antworten, doch man bekommt nur noch mehr Fragen.

Wie die Frage: „Soll ich die Gedankenbrüche kitten, oder mich zwischen Glasscherben betten?“

Wer im Glashaus sitzt, schmeißt nicht mit Steinen um sich.



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