Meine Erfahrungen mit Ossis

Text

von  Gabyi

Es fing alles an, als ich in der dritten Klasse auf der Mädchenbürgerschule war. Es war der 13.August 1961. Die Tür unseres Klassenzimmers ging auf und eine neue Mitschülerin wurde hereingeführt. Sabrina Sch*fuß hieß sie, der Name wurde leicht abgeändert. Ihre erste Tat war es, mir sofort meine beste Freundin Angelika abtrünnig zu machen, nämlich wegzunehmen. Sie galt weiterhin in der Klasse als falsch wie die Nacht. Ihr Vater war Lehrer und bekam sofort eine Anstellung an der örtlichen Volksschule.

Als wir dann kurz vor dem Abitur eine Klassenfahrt nach Kopenhagen gemacht hatten, mobbte sie zusammen mit einer anderen Mitschülerin mich und meine damalige Freundin, indem sie in der Klasse gegen uns hetzte. Der Vater meiner Freundin war bei der Bundeswehr.
Dann lernte ich auf der Arbeit im Institut Monika kennen, welche aus der DDR geflüchtet war. Sie erzählte uns von gängigen Praktiken in der Ostzone. Wenn man dort jemanden ausschalten wollte, mischte man ihm einfach ins Essen Abführpillen, die getarnt waren als Lebensmittel. Sie tat das ebenfalls bei Bedarf.
Die Stiefmutter meines Sohnes Gabriela, gleichfalls aus der DDR, schaffte es, einen Keil zu treiben zwischen ihm und seinem Ziehvater. Eine Enterbung bleibt noch abzuwarten.
Der Mitgesellschafter unserer Firma, ein Ossi, ließ sich von einem Kunden abwerben, nahm sämtliches Knowhow gleich mit und gab es weiter.
Alles nur Einzelfallbeschreibungen?




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Kommentare zu diesem Text


 Teo (20.01.26, 19:01)
Hallo Gabyi,
Anfang der 90er Jahre hatte mein damaliger Arbeitgeber, Einbau von Kommunikationstechnik, Leihmonteure aus den neuen Bundesländern eingestellt. Von 10 Monteure waren 6 gut zu gebrauchen. Fleißig, wissbegierig und sozial eingestellt.
Der Rest...große Fresse, rotzfrech, keine Ahnung. 
Wie gesagt....eine bunte Mischung.
Da konnte man grundsätzlich nicht pauschalieren. Die Guten wurden dann auch fest angestellt. Statt 8 Mark Stundenlohn gab es dann 17 DM.
LG
Teo

 niemand meinte dazu am 20.01.26 um 19:25:
Ich weiß, schon aus dem Titel geht hervor, dass es sich um persönliche Erfahrungen handelte. Ich will es gar nicht bezweifeln,
dass die echt und negativ waren. Was solche Texte allerdings sagen wir mal "gefährlich" macht, ist die Tatsache, dass damit eine ganze Region [hier der Osten] irgendwie in "Verruf" gerät. Interessant wäre mal Ostdeutsche zu befragen, welche negativen Erlebnisse [hier würde ich mal von Hochmut sprechen wollen, von Einbildund besser zu sein, von der Protzerei mehr zu besitzen usw. usw.] welche Erlebnisse diese Menschen mit den Westlern hatten und ich denke, dass es auch nicht die besten waren. Es sint im Osten wie im Westen
und überall ebenso, nur Menschen mit verschiedenen Charakteren,
von gut, bis hin zu gemein etc.Ich weiß, dass man in solchen kurzen Texten nur etwas umreissen kann, schon der Länge wegen, aber es baut sich somit ein ziemlich schiefes Bild auf. Der Titel allerdings reißt den Text raus, weil es um persönliche Begegnungen geht darin.
Mir ist übrigens aufgefallen, dass im Westen gerne gegen den Osten prinzipiell, sagen wir mal milde "gehetzt" wird und nicht nur gegen den deutschen Osten, sondern prinzipiel. Ich kann mich auch keines Verdachtes entledigen, dass der Westen sich gut, fast zu gut vorkommt dem ganzen Osten gegenüber. Hier ist keine Stelle um auf Details einzugehen, daher lass ich es auch beim Gesagten.
LG niemand

 Gabyi antwortete darauf am 20.01.26 um 19:26:
Hallo Teo,
das waren bei mir dann wohl selektiv einseitige Erlebnisse. War eben einfach so. Kann man nicht ändern.
Danke auch für die Empfehlung :).

LG
Gabyi

 Gabyi schrieb daraufhin am 20.01.26 um 20:23:
@niemand
mir ist auch schon aufgefallen, dass der Osten häufig negativ konnotiert wird. Russland, früher Polen und dem gegenüber der "edle" Westen. Hat wahrscheinlich etwas mit der wirtschaftlichen Potenz zu tun. Habe persönlich gleich nach der Wende viele nette Menschen aus der DDR kennengelernt, mit denen ich mich auch noch öfter getroffen habe. Arroganz oder Überheblichkeit von mir gab es nicht.

LG, Gaby

 Tula äußerte darauf am 20.01.26 um 21:57:
Ach wat Teo, wenn die anderen vier eine große Fresse hatten, dann waren die mit Sicherheit schon zu lange im Westen  :D :P
Also gut, mitunter auch Berliner, die große Klappe ist ja bei denen sprichwörtlich.

Ansonsten hatten wir ja unsere Theorien über euch. Zum Beispiel, warum der Wessi ein Jahr mehr bis zum Abitur brauchte. Na klar, dieses war für die Schauspielschule.

Nein ganz ehrlich, wir waren fast alle schön aufgeschlossen leichtgläubig. Schon in den ersten Wochen, konnten wir uns endlich "richtige Autos" kaufen. Standen ja auf jedem Parkplatz herum, mit ihren Schildchen mit Schnäppchenpreisen. Wenn der Ossi fragte: "Nur 9.000DM? Wie alt denn?" antwortete der Wessi: "Garantiert nur 8 Jahre!". Schon war der Handel abgemachte Sache. Dass der Wessi eigentlich nur das Alter der Reifen meinte, schwante dem anderen erst eine Stunde später, wenn sich die ersten Teile von der Karrosse lösten.

Ja, so sind wir. Glauben immer alles. Erst nach 30 Jahren geht dem einen oder anderen ein Licht auf und glaubt jetzt gar nix mehr.

Dass mit den Abführmitteln halte ich für übertrieben. Immerhin hatten wir die Aktuelle Kamera und den Schwarzen Kanal. Das war ausreichend.

Lass dich trotzdem drücken Bro  8-)

LG Tula

Antwort geändert am 20.01.2026 um 21:59 Uhr

 Teo ergänzte dazu am 20.01.26 um 22:47:
Ach Tula,
Ossi, Wessi....diese Titulierungen sind doch Vergangenheit.
Wenn die Jungs aus dem Osten ordentlich stramm standen, salutierten und spurten, dann war ich der Letzte, der keine Gnade zeigte. Das änderte sich schlagartig, als 3 Schalker zu meiner Truppe stießen. Da wurde ich zum Tier!
Also Bro....locker bleiben. 

LG
Teo

 WinterzeitFachkraft (20.01.26, 20:11)
Gabyi hat geschrieben:
Mitgesellschafter unserer Firma, ein Ossi
Nach all den vorherigen Erfahrungen nicht nachvollziehbar.

 Gabyi meinte dazu am 20.01.26 um 20:46:
Die Erfahrung kam danach.

 WinterzeitFachkraft (20.01.26, 20:15)
Gabyi hat geschrieben:
Sie erzählte uns von gängigen Praktiken in der Ostzone. Wenn man dort jemanden ausschalten wollte, mischte man ihm einfach ins Essen Abführpillen, die getarnt waren als Lebensmittel.

Immerhin 50 Jahre habe ich in der Ostzone gelebt, aber das höre ich zum ersten Mal.

Wie genau läuft das ab: lädt man jemand zu Essen ein und mischt in seine Portion Abführpillen?

 Gabyi meinte dazu am 20.01.26 um 20:44:
So ähnlich (bei einer Essenseinladung) hatte sie es mir dargestellt. Diese Freundin hat dann einen Ami geheiratet und ist nach Amiland ausgewandert. Vorher hat sie noch schnell 2 Analysenwaagen aus unserem Institut mitgehen lassen ;).

 WinterzeitFachkraft (20.01.26, 20:17)
Gabyi hat geschrieben:
Ihre erste Tat war es, mir sofort meine beste Freundin Angelika abtrünnig zu machen, nämlich wegzunehmen.

Tolle beste Freundinnen gibt es im Westen.

 Gabyi meinte dazu am 20.01.26 um 20:25:
"Tolle beste Freundinnen"
Tatsächlich. Aber danach kam sie doch wieder zu mir zurück ;)
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