Er hatte alles ausprobiert. Er wollte Formel-1-Fahrer werden. Fußballsprofi. Weiberheld. Mafiaboss. Bundeskanzler. Aber nichts hat geklappt. Schließlich entschied er sich, Künstler zu werden. Er malte Ölbilder. Durch heftiges Herumschmieren auf der Leinwand reagierte er seine Wut darüber ab, dass ihm in seinem Leben bisher noch nichts Vernünftiges gelang. Und tatsächlich konnte er sogar ein Bild verkaufen. Das ist allerdings schon viele Jahre her und er fand auch keine Galerie, die seine scheußlichen Wutbilder ausstellen wollte.
Kurz vor seinem Tod sprach ihn ein alter Mann an. Es sah verbittert aus und war einst ein erfolgreicher Künstler. Er erzählte ihm, dass ihm eines Tages seine eigene Kunst nicht mehr gefiel. Er fand, dass man dafür viel zu viel Geld zahlte. Wie kann man für ein Geschmiere, das innerhalb einer halben Minute entsteht, einen Gegenwert von unzähligen Güterzügen mit Reis oder Getreide geltend machen, von denen sich aussterbende Völker sich sonst hätten jahrelang ernähren können?
Er sagte, dass seine Kunstwerke in der Kunstszene zu Götzen wurden und war der Meinung, dass Kunst nicht wichtiger sein sollte als Menschenleben, weshalb er es sehr bedauert, dass seine Werke so teuer wurden.
„Dann war es ja doch gut, dass ich keinen Erfolg hatte“, sagte der Sterbende bevor er ...