Die Diagnose

Kurzprosa zum Thema Schicksal

von  Citronella

"Alles wird gut!", hatte Karla am Morgen auf einen Zettel geschrieben, den sie, mit einem Herzchen verziert, neben Torstens Frühstücksteller legte. Sie hatte längst aufgehört zu zählen, zu wie vielen Untersuchungsterminen er nun schon ins Uniklinikum gefahren war. Heute sollte es nun endlich eine Diagnose geben.


Als er mittags zurückkam, war beiden klar, dass nichts wieder gut werden würde.


Den Zettel hob Torsten allerdings trotzdem erst einmal auf.



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Kommentare zu diesem Text


 Wastl (04.04.26, 13:19)
Gefällt mir! Auf so etwas muss man erst mal kommen!

LG Wastl

 Citronella meinte dazu am 04.04.26 um 16:17:
Manchmal kommen die Geschichten auch zum Autor ...

LG Citronella

 Verlo (04.04.26, 13:24)
Reicht leider nicht: "Alles wird gut!"

Und leider helfen die ärztlichen Diagnosen meist auch nicht, sobald die gesundheitlichen Probleme komplexer sind.

Und – leider! – behindert ein liebender Partner nicht selten die Gesundung. 

Auch – leider!– Gottvertrauen.

Kommentar geändert am 04.04.2026 um 13:36 Uhr

 Gabyi antwortete darauf am 04.04.26 um 14:37:
Alles gut sagt man auch gern.

 Citronella schrieb daraufhin am 04.04.26 um 16:18:
@ Verlo:

Ich verstehe deinen Kommentar nicht ganz: Würdest du einer kranken Partnerin denn keinen Trost spenden? Und warum sollte ein Partner die Gesundung behindern?

Außerdem muss doch erst einmal eine Diagnose gestellt werden, um ein komplexes gesundheitliches Problem angehen zu können, z.B. bei einer Krebsbehandlung.

 Verlo äußerte darauf am 04.04.26 um 16:52:
Gabyi hat geschrieben:
Alles gut sagt man auch gern.
Das ist eins der Probleme: man macht etwas, was man gern tut.

Man sollte aber etwas machen, was gut für den Kranken ist, auch wenn man es nicht gern tut.

Zumal Krankheiten oft entstehen als Signal an den anderen.

 Verlo ergänzte dazu am 04.04.26 um 16:56:
Citronella hat geschrieben:
Würdest du einer kranken Partnerin denn keinen Trost spenden?
ZB: "Deiner Mutter ist, nachdem sie viele Jahre gelitten hat, an Krebs gestorben. Nimm also nicht persönlich, daß die Diagnose 'Krebs' lautet."?

 Verlo meinte dazu am 04.04.26 um 16:58:
Citronella hat geschrieben:
Und warum sollte ein Partner die Gesundung behindern?
ZB weil seine Welt, die ihn Jahrzehnte vor seelischem Schmerz geschützt hat, zusammenbrechen könnte, wenn man gesund wird.

Also bleibt man aus Liebe zum Partner krank.

 Verlo meinte dazu am 04.04.26 um 17:06:
Citronella hat geschrieben:
Außerdem muss doch erst einmal eine Diagnose gestellt werden, um ein komplexes gesundheitliches Problem angehen zu können, z.B. bei einer Krebsbehandlung.
Wenn dir jemand, der mit einer Krebs-Diagnose und Krebs-Behandlung sehr viel Geld verdient, sagt, du hast Krebs, sollte man sehr vorsichtig sein.

Außerdem versteht die Schulmedizin Krebs nicht und kann keine Erfolge nachweisen.

Das beginnt mit der Biopsie: etwas, was der Körper isoliert hat, um sich zu schützen, wird geöffnet.

Der Frage, warum der Krebs entstanden ist, wird nicht nachgegangen.

Dabei sollte man damit anfangen.

 Citronella meinte dazu am 04.04.26 um 17:26:
Lass gut sein, Verlo. Ich weiß wirklich nicht, was du in diesen einfachen kleinen Text hineininterpretieren möchtest.

 LotharAtzert (05.04.26, 09:54)
Es ist ja nicht gesagt, wann es gut wird. Und eine nachtodliche Verbesserung entbehrt leider unserer Einsichtsmöglichkeit, darf aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Odrr?

Hat nicht Nina Ruge einst ... egal.

 Citronella meinte dazu am 05.04.26 um 10:28:
Moin Lothar,

wenn man den kleinen Text mal ganz genau liest:

Der Mann soll an diesem Tag nach vielerlei Untersuchungen eine Diagnose erhalten. Die Frau will ihm Mut geben und schreibt „Alles wird gut!“, meint also, dass die Diagnose nicht schlimm ausfallen wird. Leider wird sie nicht recht behalten.

Das ist die ganze Geschichte. Wie es weitergehen wird, ist überhaupt nicht das Thema.

Aber vielleicht habe ich mich nur nicht klar genug ausgedrückt.

LG Citronella

 Wastl meinte dazu am 05.04.26 um 11:15:
Für mich werden mit:

"Den Zettel hob Torsten allerdings trotzdem erst einmal auf."

gleich mehrere mögliche Gedanken beim Leser (bzw. bei mir) ausgelöst: ZB: 1. Wie sehr sich Menschen an die Hoffnung klammern, wenn es um einen möglichen nahen Tod geht, obwohl es offensichtlich hoffnungslos ist. 2. Hofft Torsten durch das Aufheben des Zettels ein Wunder in Gang zu bringen? 3. Symbolisiert der Zettel für Torsten die Zuneigung seiner Frau für ihn?

Und man kann sich auch noch viele andere Gedanken  darüber machen, warum Torsten den Zettel aufhob. Schon allein das Aufheben des Zettels rührt mich menschlich sehr an ... und die möglichen Schlussfolgerungen sind an sich gar nicht so wichtig - sondern dieses rein menschliche Verhalten von Torsten, egal warum - und jeder von uns mag vielleicht aus einem anderen Grund den Zettel aufgehoben haben - die Autorenidee dahinter finde ich sehr lobenswert.

 Citronella meinte dazu am 05.04.26 um 11:36:
Vielen Dank, Wastl, das hast du sehr gut herausgearbeitet. Ich finde die Punkte 1 und 3 zutreffend:

Solange eine niederschmetternde Diagnose vorliegt, aber noch keinerlei Therapie stattgefunden hat, kann ja noch eine winzige Hoffnung bestehen.
Und wenn er sich der Zuneigung seiner Frau in den kommenden schweren Zeiten sicher ist, wird ihm dies sicherlich Kraft geben.

Liebe Ostergrüße aus dem stürmischen Norden
Citronella

 Wastl meinte dazu am 05.04.26 um 13:09:
Mersi, Citronella, auch Dir österliche Grüße aus dem lätscherten Süden.  :D <3

Wastl
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