Vorführung (ein weiterführender Text)

Text

von  HannaScotti

Still, unscheinbar,aber ungerührt


Vorführung beginnt oft nicht auf einer Bühne, sondern im Blick eines anderen. Jemand sagt: Zeig dich. Und gemeint ist nicht einfach: Sei da. Gemeint ist: Mach dich sichtbar, verständlich, greifbar.
Also beginnt man, sich zu ordnen. Man wählt aus, lässt weg, formt sich in etwas, das gelesen werden kann. Fast unmerklich wird aus dem Zeigen ein Zerteilen. Teile treten hervor, andere verschwinden. Und während man noch glaubt, sich selbst zu zeigen, ist man schon dabei, sich anzupassen.
Die Blicke der anderen sind schnell. Sie erkennen, vergleichen, sortieren. Noch bevor man ganz da ist, ist man schon eingeordnet. Das kann schmeicheln. Es kann auch eng werden. Denn das, was erkannt wird, ist oft das, was man schon vorher wusste.
Hier beginnt das eigentliche Zittern: Zeige ich mich – oder werde ich vorgeführt?
Der Unterschied ist klein, aber spürbar. Er liegt darin, ob ich mich noch von innen heraus halte oder ob ich mich beginne, von außen zu betrachten. Ob ich bleibe – oder mich ausliefere.
Vorführung hat etwas Glattes, fast Verlockendes. Sie bringt Aufmerksamkeit, vielleicht sogar Applaus. Aber dieser Applaus gilt selten dem Ganzen. Er gilt dem, was verstanden wurde, dem, was ins Bild passt.
Und trotzdem: Es bleibt immer etwas übrig. Ein Rest, der sich nicht einordnen lässt. Nicht zeigen, nicht greifen, nicht erklären. Vielleicht ist genau das der eigentliche Kern. Still, unscheinbar – aber unberührt.Ich fühle mich , öffentlich,von Saira vorgeführt. Ich wehre mich. 

Vorführen lassen wir uns oft, zu oft, bleiben still und nehmen hin. Das muss aufhören.

Dieser Text bleibt übrigens kommentierbar.


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