Hanna persönlich

Text

von  HannaScotti

Über das Schweigen

gerne lese ich hier und freue mich an euren klugen, reizvollen, intelligenten und oft auch ganz witzigen Kommentaren. Es ist ein Genuss und ein Geschenk, von Euch an mich, ein Reichtum an Wissen, den ich nicht missen möchte.

Das allein gibt dem Forum schon seine Daseinsberechtigung.

Und nun komme ich.

Eine Vertreterin des Schweigens.

Alles was hier gesagt wird ist, in anderer Form und an anderer Stelle schon einmal gesagt worden: Es gibt einfach nichts Neues,außer, ihr habt mit dem von euch persönlich Gesagten, eure eigene Bedeutung angehoben.

Ergo dient alles Gesagte dem eigenen Ego.

Das Schweigen ist ein enorm unterschätztes Medium, das bemerken wir erst, wenn wir es tatsächlich tun. Wir werden unruhig, es ist uns peinlich, es ist absolut nicht üblich. Die Energie verdichtet sich in Richtung Wahrheit, was sehr unangenehm ist, wenn wir etwas anderes andeuten wollen, als wir wirklich sind.

Das Schweigen rudert also in Richtung Wahrhaftigkeit und Authentizität. Das Schöne und Sagbare wird entblättert oder sogar mit der Stahlbürste zerschruppt.

Die Peinlichkeit, weil wir es nicht gewöhnt sind zu schweigen, erhöht die Wahrnehmung von Nähe und Distanz zwischen zwei Menschen gnadenlos. Und das wollen wir abwehren.

Das ist das sogenannte „gute Schweigen“.

Über das ungute Schweigen brauchen wir hier nicht zu reden. Es scheint mir die Wurzel allen Übels in dieser Welt. Jeder kennt es, zum Überdruss. Missverständnisse, Lügen, Verschleiern, um nur einige zu nennen.


Jedes Wort hat Macht. Ob Macht über uns konkret, entscheiden wir hoffentlich noch selbst. (Mir scheint es im Moment nicht so, auch politisch nicht)


Ein Beispiel :

Meine Liebste redet sehr wenig. Vor dreißig Jahren hat mich das genervt. Ich war auch eine Schwätzerin. Bis ich mich auf die unendlich vielen, bunten Eindrücke des Schweigens an sich einließ. Seit dem hat sich meine Welt verändert. Es gibt so viele Arten des Schweigens, wie es Menschen gibt und sie sind alle individuell,aber spannend. Heute schweigen wir zwei oder mehr ganze Tage lang und haben die ganze Zeit den Eindruck, wir kommunizieren unentwegt und lebendig miteinander.


Es begann in mir spannend zu werden, als ich selbst begann, aus dem Gerede auszusteigen und in das beredte Schweigen eintauchte. Es gab einen Zwiespalt. Ich liebe Gedichte, weil sie eine besondere Weise von Reduktion darstellt. Verdichtungen haben mich immer interessiert, weil es vieles in dieser Welt einfacher und eindeutiger macht. Aber,wo ist der Rand der Worte, wenn man Gedichte rezitieren möchte: Ich begann meine Texte auf das Sagbare zu reduzieren, aber wo kippt es? Wo wird aus dem Nochsagbaren unverständlicher Nonsens? Wie ist das Energiefeld vor dem Sagbaren. Wann wird es nicht mehr verstehbar? Da befinde ich mich gerade und übe und verständige mich mit anderen, wenn es denn möglich ist.

Und dazu braucht man eben Worte, ob man will oder nicht...Ich ringe...vielleicht vergeblich, vielleicht finde ich eine Überraschung , eine Verbindung zwischen Wort und Nichtwort, wer weiß?


Dieses Schweigen bewegt uns ständig in unserem Alltagsleben, nimmt einen riesigen Raum ein und doch reden wir gerade darüber nicht. Sagen wir etwas oder sagen wir nichts? Ist das nicht seltsam?



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht verifizierten Nutzern gestattet.

Zur Zeit online: