Mamas Hand und Papas Stimme
Kurzprosa zum Thema Alter
von Tilottama
Kommentare zu diesem Text
Ganz und gar beeindruckend formulierte Erinnerungen. Einerseits distanziert und doch durchgehend voller Empathie.
Danke, ich freue mich sehr über dieses Urteil!
Ohne wissen zu wollen und zu können, ob der Text autobiografische Züge hat, wage ich mich einmal vor.
Zuerst ist die Rede vom Umziehen, vom Verlust einer Heimeligkeit und irgendwie kommt es dem Leser wie ein Geheimnis vor, diese „Familiensprache“.
Und als wäre in frühen Jahren durch die Umzüge schnell etwas am Verwurzelten krumm geworden, hätte sich dann oberhalb des Erdreiches entlanggeschlängelt, wie man es bisweilen von riesigen Bäumen kennt, die ich nicht unbedingt zu einem entsprechendem Familienstammbaum metaphorisieren möchte, daran aber vorsichtig denke, und die immer etwas mehr im Schatten haben als andere. Irgendwie mysteriös …
Aber auch normal und nachvollziehbar, oder? Ja, eigentlich nicht besonders ungewöhnlich, denkt man sich, doch man weiß es nicht, will man auch nicht, man gönnt dem lyrIch vielmehr eine solche Freiheit, und noch mehr. Etwas in der Mystik, im Mythischen, im umfassend Möglichen. Dies in einem riesigen Garten, denn solch ein Leben benötigt oft viel, viel von Vielem.
Der Schreibtisch, der relativ schnell passiv zur Arbeit führt und vielleicht ein Symbol für die kommende Karriere ist, wo Fleiß und Verantwortungsbereitschaft früh auf ein Leben treffen, das auf den Spuren - und vielleicht sogar in den Schuhen - großer Vorbilder geht. Talente werden am Schreibtisch ausgehandelt, psychische Instinkte geschärft, ein erster große Verhandlungsraum für das kommende Leben in einer Welt die wirtschaftet. Ohne es vorwegnehmen zu wollen, blieb es eine spannende Frage, on diese Karriere des LyrIchs, die sich hier skizzenhaft abzeichnet, schließlich außerhalb der Familie stattfand oder ob sie aufgrund der Fürsorge zur Familie eben nicht (ausgeprägt) stattfand.
Später, als sich Krankheiten anbahnen wird die Musikalität in die Familie (zurück)getragen, und sich im Zuge fester Familienrituale verlässlich gezeigt, dies ohne Geheimnis um die eigene Persönlichkeit, das Geheimnis liegt eher im Zwischenmenschlichen, in der Gemeinsamkeit, in der Familie.
Diese Wurzel, jene die früh durch die Oberfläche sich wandte, es beschrieb sich eingangs in diesem Kommentar, ist unversehrt, zweifelsfrei zu sehen aber auch mit Stolz präsent: seht, wir schaffen das!
Das Leben geht weiter, weiter am Schreibtisch und mit einer Tradition, die gewahrt bleiben will, auch oder gerade durch ein Älterwerden.
Die Verantwortung füreinander ist selbstverständlich, über die Selbstständigkeit hinaus gilt das Haus als Anker, als gewohntes Umfeld als das zentrale Organ im Familienkreislauf. Feste Räume. Feste Rituale. Fester Halt.
Das lyIch merkt schließlich, dass es immer noch wie damals wahrgenommen wird, kein wesentlicher Fortschritt meint vielleicht der Freund ernst, vielleicht auch neckisch, man weiß es nicht ... kein Fortschritt außer dem steten, dem unauffälligen und dem doch auch erwartbaren Wachsen an diesem riesigen Baum im Garten (ja, den mit der auffälligen Wurzel) unter dem gleich neben dem familiären Füreinander die eigene Selbstständigkeit blüht.
Der Text ist eine dezent beschriebene nahbare Erinnerung und eine zukünftige Herausforderung, die von großer Verantwortung, Selbstbestimmung beginnend im Kleinen, und einem geheimen unantastbaren Mittel, erzählt, und das alles mit Fug und Recht ein erfülltes und erfüllendes Leben genannt werden kann.
Das Werk hat mir sehr gefallen und entlässt mich mit ein bisschen Wehmut und mit ungesagter Kraft in den Abend. Danke.
Zuerst ist die Rede vom Umziehen, vom Verlust einer Heimeligkeit und irgendwie kommt es dem Leser wie ein Geheimnis vor, diese „Familiensprache“.
Und als wäre in frühen Jahren durch die Umzüge schnell etwas am Verwurzelten krumm geworden, hätte sich dann oberhalb des Erdreiches entlanggeschlängelt, wie man es bisweilen von riesigen Bäumen kennt, die ich nicht unbedingt zu einem entsprechendem Familienstammbaum metaphorisieren möchte, daran aber vorsichtig denke, und die immer etwas mehr im Schatten haben als andere. Irgendwie mysteriös …
Aber auch normal und nachvollziehbar, oder? Ja, eigentlich nicht besonders ungewöhnlich, denkt man sich, doch man weiß es nicht, will man auch nicht, man gönnt dem lyrIch vielmehr eine solche Freiheit, und noch mehr. Etwas in der Mystik, im Mythischen, im umfassend Möglichen. Dies in einem riesigen Garten, denn solch ein Leben benötigt oft viel, viel von Vielem.
Der Schreibtisch, der relativ schnell passiv zur Arbeit führt und vielleicht ein Symbol für die kommende Karriere ist, wo Fleiß und Verantwortungsbereitschaft früh auf ein Leben treffen, das auf den Spuren - und vielleicht sogar in den Schuhen - großer Vorbilder geht. Talente werden am Schreibtisch ausgehandelt, psychische Instinkte geschärft, ein erster große Verhandlungsraum für das kommende Leben in einer Welt die wirtschaftet. Ohne es vorwegnehmen zu wollen, blieb es eine spannende Frage, on diese Karriere des LyrIchs, die sich hier skizzenhaft abzeichnet, schließlich außerhalb der Familie stattfand oder ob sie aufgrund der Fürsorge zur Familie eben nicht (ausgeprägt) stattfand.
Später, als sich Krankheiten anbahnen wird die Musikalität in die Familie (zurück)getragen, und sich im Zuge fester Familienrituale verlässlich gezeigt, dies ohne Geheimnis um die eigene Persönlichkeit, das Geheimnis liegt eher im Zwischenmenschlichen, in der Gemeinsamkeit, in der Familie.
Diese Wurzel, jene die früh durch die Oberfläche sich wandte, es beschrieb sich eingangs in diesem Kommentar, ist unversehrt, zweifelsfrei zu sehen aber auch mit Stolz präsent: seht, wir schaffen das!
Das Leben geht weiter, weiter am Schreibtisch und mit einer Tradition, die gewahrt bleiben will, auch oder gerade durch ein Älterwerden.
Die Verantwortung füreinander ist selbstverständlich, über die Selbstständigkeit hinaus gilt das Haus als Anker, als gewohntes Umfeld als das zentrale Organ im Familienkreislauf. Feste Räume. Feste Rituale. Fester Halt.
Das lyIch merkt schließlich, dass es immer noch wie damals wahrgenommen wird, kein wesentlicher Fortschritt meint vielleicht der Freund ernst, vielleicht auch neckisch, man weiß es nicht ... kein Fortschritt außer dem steten, dem unauffälligen und dem doch auch erwartbaren Wachsen an diesem riesigen Baum im Garten (ja, den mit der auffälligen Wurzel) unter dem gleich neben dem familiären Füreinander die eigene Selbstständigkeit blüht.
Der Text ist eine dezent beschriebene nahbare Erinnerung und eine zukünftige Herausforderung, die von großer Verantwortung, Selbstbestimmung beginnend im Kleinen, und einem geheimen unantastbaren Mittel, erzählt, und das alles mit Fug und Recht ein erfülltes und erfüllendes Leben genannt werden kann.
Das Werk hat mir sehr gefallen und entlässt mich mit ein bisschen Wehmut und mit ungesagter Kraft in den Abend. Danke.
Vielen Dank für diesen musikalischen Kommentar. Schön, dass der Text dich so entlässt, es ist mir eine Freude.
Nicht allzuoft eine Befürworterin des autobiographischen Schreibens, möchte ich diesen Text gern lobend hervorheben.
Ganz wie Redux anmerkt: Er berührt und wahrt gleichwohl die sog. professionelle Distanz.
Auch finde ich mich in machem wieder. Einerseits im mehr oder weniger erzwungenen Nomadenleben, andererseits in der Ernsthaftigkeit des kindlichen Lesens.
Schöne Grüße
Ganz wie Redux anmerkt: Er berührt und wahrt gleichwohl die sog. professionelle Distanz.
Auch finde ich mich in machem wieder. Einerseits im mehr oder weniger erzwungenen Nomadenleben, andererseits in der Ernsthaftigkeit des kindlichen Lesens.
Schöne Grüße
Danke! Dann freue ich mich über dieses Lob ganz besonders. Der Text soll sich autobiografisch lesen, ob er es ist, steht auf einem anderen Blatt..
MICH ERINNERT DIE DISTANZIERTHEIT AN ANNIE ERNAUX, NUR OHNE SOZIOLOGISCHE EINORDNUNG.
Mir gefällt es ohne soziologische Einordnung besser.