Auf dem Weg

Kurzgeschichte zum Thema Liebe und Vertrauen

von  Moppel


 

Weit war der Weg von Zinnowitz nach Köln. Aber immer kamst du zu mir.

Beim ersten Mal zogst du ein Nicky-Panda-Bärchen aus einer Plastiktüte ( ja, so warst du) , überreichtest es mir stolz und ich fühlte mich wie siebzehn.

Das Bärchen steht noch auf meinem Nachttisch. Seine Nase ist abgefressen - das schnöde Werk unseres Dackels Janosch. Auch seine Augen sind nicht mehr da. Mein Mops setzte die Untat des Dackels fort. Nun  sieht es so aus, als habe das Bärchen die Augen geschlossen. Würde schlafen. Wie du.

Ein schüchternes Küsschen, sagtest du damals, lachtest. Kanntest wohl Frauen nicht, die nicht mit der Tür ins Haus fallen.  Doch das schüchterne Küsschen ließ die Flamme hochschlagen, die fünfundzwanzig Jahre lang für uns flackerte.

 

Heute fahre ich zu dir. Weit fühlt sich der Weg an, beschwerlich. Kalter Nebel umfließt mich. Ich stapfe den kleinen Berg hoch bis zu deinem Grab-Baum. Stehe davor, streiche darüber und kann nicht mehr weinen.

Die Flamme ist noch da, aber sie hat sich verändert. Wie eine stille Kerze brennt sie, unaufhörlich und vertraut. Ruhig, Geborgenheitslicht verströmend. Ich weiß, du hast Frieden gefunden nach deiner langen, schweren Krankheit. Und ich habe Frieden gefunden, weil mich die Sorge um dich nicht mehr quält.

Ein schüchternes Küsschen gabst du mir auf dem Totenbett. Und doch entzündete es die stille Kerze, die stetig brennt und mir beständig den Weg leuchtet. Meinen, den ich allein gehen muss. Mit fremden Menschen, neuen Erfahrungen und doch hin zu dir.

Für Achim



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