Von der Keithstraße zum Bellevue-Tower - (Berliner StattPläne)

Text zum Thema Stadt

von  Gabyi

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ging G. öfter mitten in der dunklen Nacht den weiten Weg von ihrem Studentenheim in der Keithstraße in Tiergarten am Landwehrkanal entlang zum Bellevue-Tower am ehemalgen Potsdamer Platz, in dem sich ein weiteres West-Berliner Studentenwohnheim befand. Sie wollte dort ihren Freund besuchen, der an der TU-Berlin Chemie studierte. Auf dem Weg dorthin geschahen so manche merkwürdige Episoden wie zum Beispiel die Sichtung eines Mannes, der seinen Mantel öffnete und nichts darunter anhatte. Sie verspürte aber keine Angst, denn in West-Berlin gab es damals kaum kriminelle Machenschaften aufgrund der Aliierten Besatzern in der Stadt. So glaubte sie zumindest. Sie kam am Ende jedesmal heil an ihrem Ziel an. Das ist heutzutage nicht mehr vorstellbar.
Der Bellevue-Tower stand gegenüber dem alten “Haus Vaterland”, einem alten Vergnügungstempel aus den 30er Jahren. Das geographische Dreieck hatte die DDR dem Westberliner Magistrat im Austausch mit anderweitigen Vergünstigungen großzügig überstellt.
Sie trug einen roten Nicky-Kapuzenpullover und wurde nicht überfallen oder vergewaltigt. Am nächsten Tag ging sie auf dem Nachhauseweg die Potsdamer Straße entlang, vorbei am Bierhimmel bis zur Kurfürstenstraße, ging dann zu Woolworth an der Straßenkreuzung und klaute dort einen Schlüsselanhänger aus braunem Leder mit Metallapplikation.


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