. Aus dem Tagebuch eines Träumers .

Kalendergeschichte zum Thema Unschuld

von  kirchheimrunner

. Aus dem Tagebuch eines Träumers.

 

Im November 2026, mitten in unserer Stadt.

 

Suchst du einen wahren Träumer wirst du ihn mit Sicherheit nicht finden. Träumer bleiben Menschen fremd und namenlos. Sie wohnen in deiner Stadt Stad; - sogar in deiner Nähe. Aber der Träumer bleibt für dich, unerkannt und unsichtbar. Er lebt in verborgenen. Er lebt hinter verwinkelten Gassen im versteckten Hinterhof, dort wo eine andere Sonne scheint als deine.

Träumer sind die, die ein Leben lang zwischen Menschen mit Unverstand umherirren und den Weg in die Stad, der braven Bürger nicht finden können. Träumer haben eine hungernde Seele und einen durstigen Geist. Was kann sie sättigen und ihren Durst stillen?

Nichts macht sie zufriedener als Menschen ein kleines Stück Glück zu bringen

Alles was Träumer geben, ist kostenlos. Manches Mal ist es auch umsonst.; vergeblich.

Es kann gut sein, dass eine Mühsal den Träumer beugt; ihn auf die Knie zwingt. Dort steht ihm in seiner Kleinheit und Verlassenheit niemand mehr bei.

Wenn der Träumer abends durch die verwinkelten Gassen in den dunklen Hinterhof geht, zu seiner engen Wohnung in Hochparterre hinaufsteigt, die Türe aufschließt, seinen Mantel ablegt, die vielen verstaubten Bücher im Regal betrachtet, die halbleere Teetasse am Tisch stehen sieht, dann weiß er es. Er ist in der Wohnung eines Fremden.

Oft hat der Träumer Gedanken, sich den Regeln dieser Welt anzugleichen dann zweifelt er an sich. Was nützt es mir an diesem so einsamen Ort zu leben. Welche Gewinn erwächst mir aus der Absonderung von den anderen Menschen? Welchen Sinn haben meine Träume?
Dann spricht sein Traum zum Träumer:

Bleib und ziehe dich zurück; flieg wie ein Sperling in die Berge verbirg dich zwischen den dunklen Tannen; - bleib in den hinteren Gassen deiner Stadt, in der Einöde der grauen Steinhäuser ; - träume, deinen Traum. Hier und nirgendwo anders ist die Leiter, die zum Himmel führt nur hier besuchen dich die Engel und hier ist die Einsamkeit, wo du träumst, zum Wohlgefallen aller Traurigen.

Wenn Träumer unterwegs sind, haben sie immer die Sonne im Rücken. Damit Ihre Schatten vor ihnen werden lang und länger werden. Im Schatten  - in der grauen Welt der Dämmerung findet der Träumer immer wieder ein zu Hause , Heimat und Geborgenheit.

Wie es geht im Geschäft der Menschen, so hat auch das Geschäft der Träumer ihre eigene Zeit: Träumer gehen nur noch nachts spazieren im Mondschein, im Nebel im fahlgelben Schein von Straßenlaternen. Für den Träumer scheint kaum einmal die Sonne; sie scheint nur für diejenigen, die ihm begegnen.

Doch Träumer werden oft von anderen in ihrem Unglück sitzen gelassen. Allein sein ist ihr Schicksal und ihr höchstes Gut. Für einen Träumer genügt ein kurzer Augenblick der Glückseligkeit, es genügt ihm für ein ganzes langes Leben.


Heute lebt kein Träumer mehr, Sie sind seit langem ausgestorben. Es wird dir nie mehr einer begegnen, Träume und Träumer waren gestern und werden erst morgen wieder bei uns sein.

Die Stimme des Träumers ist trotz seiner Schweigsamkeit so klar, dass er die Nachtigall vor dem Fenster der schlafenden Mädchen zum Singen bringt; sogar blind gewordene Laternen vor den Hauseingängen der Einsamen bringt er zum leuchten.

Träumer können die Wogen der Trauer glätten, den Stürmen des Kummers Einhalt gebieten und die Trauernden in einen sicheren Hafen führen. So verdienen sich träumende Träumer den Namen eines wahrlich liebenden.

Auch wenn du es nicht glaubst, Träumer stehen mit den Füßen fest auf dem Boden doch mit ihren Träumen berühren Sie den Himmel und greifen Sterne mit ihren Händen.

Das Herz von Frauen ist leicht wie eine Feder oder wie ein vertrocknetes Rosenblatt; - dieses Geheimnis kennt nur der Träumer. Schnell fliegen verliebte Frauenherzen, hoch zum Himmel. Genauso schnell aber wird das arme Herz von der Kraft des Kummers in den Brunnen der Traurigkeit hinuntergezogen. Das alles kennt nur der Träumer. Das ist seine Stunde: Er ist immer an ihrer Seite, so schenkt Trost, Anmut und Lieblichkeit jeder Frau, der er im Traum begleitet.

Die Liebe des Träumers ist immer ein Opfer. Frauen, begehrt er nicht. Er bewundert sie. Er findet gefallen an ihrer Anmut, aber auch im kalten Blick, ihre Zurückweisung.

Nur Träumer können wirklich Liebeslieder singen, sind die letzten Troubadoure, sie rühmen die Schönheit der Dame ihres Herzens in aller Stille… im geheimen und ohne Worte. Sie folgen unbemerkt den Spuren ihrer Sehnsüchte bis hin zu den geheimen, verzauberten Nymphenteiche wo sie sich die unglücklich Verliebten Damen ihrer Tränen nicht zu schämen zu brauchen.

Träumer übersieht man man blickt über sie hinweg. Träumer sind mit den Engeln im Bunde. Träumer tauchen unter den festen Regeln und Gesetzen dieser Weltzeit hindurch. Träumer weist  man deshalb auch gerne man ist nicht bedenkenlos mit ihnen gemein. Denn Träumer sind gefährlich. Träumer erobern und besiegen Frauenherzen im Sturm, einfach so, doch ohne Rohheit, ohne Gewalt, ohne Belagerung, ohne Schwert und ohne blutigen Kampf.

Und das geheimnisvolle daran: Wenn Sie das Herz einer Frau erobert haben, lassen sie es wieder frei. Träumer kennen keinen goldenen Käfig; nicht einmal einen gestohlenen Kuss. Träumer verschenken sich gerne, sie erwarten wenig, weil sie ahnen, dass Träume nur Träume sind.

Denn die Träume der Träumer werden niemals wahr, und genau das ist die Erfüllung aller Sehnsüchte eines  wahren Träumers.



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