Der Germanistikstudent

Innerer Monolog zum Thema Schreiben

von  Mondsichel

Ich schreibe aus tiefstem Herzen und tiefster Seele,
lass die Worte fließen, so wie sie kommen wollen.
Denn gerade diese Freiheit die ich ihnen schenke,
diese Ecken und Kanten, machen sie erst lebendig.
Vor meinen Augen malen sich Bilder in vielen Farben,
die ich in symbolischen Worten danieder schreibe.
Und es ist, als führe mein Innerstes meine Hand,
um mir mein Unterbewusstsein zu offenbaren.

Für mich ist das Schreiben eine Sache des Gefühls,
keine mechanische Abfolge von irgendwelchen Formen.
Die man einhalten soll, wie er immer so schön sagt,
und mir kalt poliertes Tafelsilber als Lyrik präsentiert.
Sein Streben ist die Perfektion in Wort und Form,
bleibt der Inhalt des Geschriebenen auch auf der Strecke.
Ein Germanistikstudent, der allerschlimmsten Sorte,
der nur streng nach Regeln und Formen schaut.

Hölzern und tot wirken seine Wortgebilde auf mich,
doch er glaubt das perfekte Rezept gefunden zu haben.
Er kritisiert all das was meine Worte so lebendig machen,
redet von strukturiertem Schema und dem Syntax-Quark.
Nur so wie er selbst seine Lyrik verfasst, so meint er,
stimmt die Form, die bei Lyrik das Allerwichtigste sei.
Doch ich glaube kaum das ein Schiller oder Goethe,
sich jemals um irgendeine Grammatik geschert haben.
All jenen, deren Worte noch lebendig erscheinen,
prescht er unverhohlen seine Arroganz ins Gesicht.
Doch frag ich ihn am Ende: „Sei doch mal ehrlich!
Was nützt einem das perfekteste Formwortgebilde,
wenn die Seele und das Herz den Worten entflohen sind?“

(c)by Arcana Moon


Anmerkung von Mondsichel:

Und ein weiteres Kapitel aus der lustigen Welt des Schreibens. "Was für jeden unkreativen Menschen der Psychologiestudent, ist für den Schreiber der Germanistikstudent." Hier mal ein Exemplar der allerschlimmsten Sorte. Wobei ich noch anmerken muss, das schon Leute die bisher nur ihr Abi in Deutsch gemacht haben, sich auch schon so aufführen... Live aus dem Leben gegriffen, wie immer... *g*

Lieben Gruß an meine Stammleser und all jene, die mich zu diesem Band inspirierten. Ohne Euch wäre es nur halb so real geworden... ;)

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