KLICKS UND CLIQUEN
Synthesen + Analysen in der Matrix
Eine Kolumne von Bergmann
(bisher 2.658x aufgerufen)
Apoll und Dionysos auf kv
291. Kolumne
Das Dionysische wird heute gern 'runtergebrochen' auf Gefühlsduselei und "Emo". So werden - leider - auch immer öfter Theaterstücke inszeniert: Ödipos im vermüllten Hinterhof, Hamlet als Bankangestellter usw. Da wird das Dionysische eliminiert, Rausch wird heute eher durch Sex und Drogen definiert, auch durch selbst geschaffene 'Herausforderungen' (Weltumseglung, Wüstendurchquerung, Autoraserei etc.) und Computerspiele und Internet-Communities.
Und wo bleibt das Apollinische? Im Sumpf von Guttenberg und Wulff. Argumente und Formen haben sich zu behaupten im demokratischen Wettbewerb der Stimmungen und des Geldmarkts, der in Verwertbarkeiten denkt. Und da gibts dann doch noch etwas zeitlos Dionysisches - nämlich Geld- und Machtrausch, die konstantesten Bestrebungen der Menschheit. Unkaputtbar.
Der Dichter als Genie und Balance-Akrobat von Inhalt und Form ist nicht mehr so recht von dieser Welt, er ist nur eine Erinnerung oder Stoff für Gymnasiasten im LK Deutsch, falls überhaupt.
In der deutschen Literatur ist der Rausch als Schöpfungszustand abgesackt, das Apollinische in der Sprache erst recht, und wir sehen hier auf kv die weit gespannten Zerrbilder einer solchen verrauschten Kunst, deren Form oft allenfalls Bastelei genannt werden kann und deren Inhalte die dicksten Clichés 'erfüllen' und dümmliche Sehnsüchte spiegeln. Auch unkaputtbar.